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Kosmetikindustrie - Kinder schuften für Europas Schminke

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Das Mineral Mica verleiht Kosmetikprodukten den besonderen Glanz. Indien beliefert Europa mit 30 Prozent des Rohstoffs. Dafür schuften auch Kinder in illegalen Minen.

Ob Rouge, Lippenstift oder Nagellack - Mica ist in vielen Kosmetikprodukten enthalten. Und doch ist nur den wenigsten Menschen bekannt, woher das Mineral kommt und wie es abgebaut wird.

Indien beliefert Europa mit 30 Prozent des Rohstoffs und ist damit einer der wichtigsten Exporteure weltweit. Offiziell wird Mica nur im indischen Bundesstaat Rajasthan im Nordwesten abgebaut. Doch ein großer Teil des Glimmer-Abbaugebietes liegt im indischen Bundesstaat Jharkhand im Nordosten des Landes. In einer Gegend, die unter Naturschutz steht. Der Abbau ist hier seit rund 40 Jahren strikt verboten. Nur: Kaum einer hält sich daran.

Rund 90 Prozent der Mica-Produktion Indiens stammen aus illegalen Minen. Die Bewohner in der Region sind vom Geld aus dem illegalen Abbau abhängig. Wie der 25 Jahre alte Anil: Gemeinsam mit seiner Frau und den Kindern sammelt er das wertvolle Mica Tag für Tag ein. Bis vor zwei Jahren war Anil noch Landwirt. Doch die Böden sind wegen des Klimawandels und der anhaltenden Dürre unbrauchbar geworden.

Schuften unter Lebensgefahr

In den illegalen Minen riskieren die Menschen nicht selten ihr Leben: Karan ist 35 Jahre alt, Vater von zwei Kindern und ernährt seine Familie mit dem illegalen Abbau von Mica. Den Tunnel tief unter die Erde hat er selbst gegraben. Die Luft ist stickig, die Temperatur annähernd bei 45 Grad. Es gibt keine Stützbalken, jeden Monat sterben ein Dutzend Menschen in diesen unterirdischen Gruben.

Es stimmt schon, dass diese Arbeit gefährlich ist, aber was sollen wir machen? Wir müssen ja etwas essen.
Karan, Arbeiter in illegalen Mica-Minen

Karan verbringt rund acht Stunden täglich in der Finsternis. Eine Qual, die ihm rund 300 Rupien einbringt. Umgerechnet 3,80 Euro pro Tag. Doch ihm bleibt keine Wahl: "Wenn man Hunger hat, verschwindet die Angst ganz automatisch. Ich habe nicht viel gelernt und ich bekomme keine staatliche Unterstützung."

Kaum Kontrollen gegen Kinderarbeit

Nichtregierungsorganisationen schätzen, dass rund 20.000 Kinder in den indischen Mica-Minen arbeiten. Wenn sich Inspekteure ausländischer Unternehmen ankündigten, würden die Kinder kurzerhand nach Hause geschickt. Der achtjährige Gagan Kugar erzählt, dass er mit seinen Freunden immer sonntags ganz früh zu arbeiten anfange. An den anderen Tagen gingen sie zur Schule. Sie würden das nicht gerne tun, erklärt er: "Aber ich kann mir Hefte und Stifte kaufen, damit ich schreiben kann."

Auf diese mühsame Arbeit der Armen verlassen sich viele hochprofitable Unternehmen. Am Anfang der Lieferkette stehen die kleinen Händler. Diese beliefern die lokalen Großhändler mit Mica. Als Zentrum der Mica-Industrie gilt Kodarma im Norden von Jharkhand. In der Stadt mit 24.000 Einwohnern befinden sich die meisten Exporteure und Verarbeitungsanlagen.

Falsche Genehmigungen werden gekauft

Eine Datenbank mit Exportlisten von Mica aus dem Hafen von Kalkutta belegt, dass mehrere Container pro Woche nach Deutschland geliefert werden. Und zwar von zwei Exporteuren aus der Stadt Kodarma. Verdeckt erzählt ein anderer Großhändler, wie der Handel mit ausländischen Abnehmern funktioniert: Die in Jharkhand ansässigen Firmen besäßen keine Exportgenehmigungen. Die entsprechenden Dokumente könnten aber "besorgt" werden. Das sei aber alles andere als legal.

Der Großhändler will unerkannt bleiben und erklärt weiter: "Die nötigen Genehmigungen kann man in Rajasthan und in Belwahra erhalten, weil es dort Mica gibt. Um sauber zu sein, nutzen die Exporteure die Genehmigungen von dort." Die Kosten dafür seien allerdings hoch: Zwei bis zweieinhalb Rupien müssten pro Kilo Mica bezahlt werden.

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