Nach starken Kursschwankungen am Kryptomarkt in den vergangenen Wochen sind die digitalen Währungen am Samstag erneut eingebrochen. Gründe dafür gibt es viele.
Der Markt für Kryptowährungen kommt nicht zur Ruhe. Am Samstag brachen die Kurse vieler Digitalwerte weiter ein. Der Preis für einen Bitcoin, der ältesten und nach Marktwert größten Digitalwährung, fiel unter die Marke von 20.000 US-Dollar. Die Nummer zwei am Markt, Ether, sank unter die Schwelle von 1.000 Dollar.
Der Marktwert aller rund 19.900 Kryptoanlagen ging weiter zurück. Der Wert von einem Bitcoin fiel auf der Handelsplattform Bitfinex am Samstagvormittag bis auf 18.690 Dollar (17.791 Euro). Das waren etwa zehn Prozent weniger als am Tag zuvor. Der Preis für einen Ether sank bis auf 973 Dollar.
Wert aller Kryptowährungen auf ein Drittel gesunken
Ein Bitcoin kostet damit so wenig wie zuletzt Ende 2020, der Ether-Kurs hatte zuletzt Anfang 2021 so niedrig gelegen. Das Marktvolumen aller derzeit existierenden Kryptowährungen fiel laut Coinmarketcap auf 832 Milliarden Dollar. Das ist weniger als ein Drittel des im November markierten Rekords von fast drei Billionen Dollar.
Es beginnt mit einer revolutionären Idee, die zum viralen Phänomen wird. Doch dann wird der Code gehackt und es kommt zum Millionen-Dollar-Raub. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Die Jahresentwicklung vieler Digitalwährungen fällt verheerend aus. Seit Jahresbeginn hat der Bitcoin fast 60 Prozent seines Werts eingebüßt, Ether hat sogar mehr als 70 Prozent an Wert verloren.
Sogwirkung der schlechten Stimmung an Finanzmärkten
Der Sinkflug hat sich vor allem in den vergangenen Wochen beschleunigt, als Bitcoin & Co in den Abwärtssog einer allgemein schlechten Stimmung an den Finanzmärkten geraten sind. Trotz der zuletzt massiven Verluste konnte der Bitcoin in den vergangenen zehn Jahren deutlich an Wert zulegen.
Die Finanzmärkte sind nervös wegen des Krieges, der Inflation und hoher Zinssätze. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann mit einer Einschätzung.
Die Gründe für die hohen Kursverluste in den vergangenen Monaten sind zum einen ökonomischer Natur: Auf der ganzen Welt heben viele Notenbanken ihre Leitzinsen an, um der hohen Inflation Herr zu werden.
Risikoanlagen bei steigenden Zinsen unattraktiv
An den Kapitalmärkten steigen deshalb die Zinsen in historisch hohem Tempo. Riskante Anlagen, zu denen Kryptowerte gehören, werden durch die Entwicklung belastet, weil sie keine laufenden Erträge abwerfen. Im Gegensatz dazu werden etwa festverzinsliche Wertpapiere wieder lukrativer.
In diesem ohnehin ungünstigen Umfeld wiegen sich häufende Probleme im Sektor besonders schwer. So lastet seit einiger Zeit auf der Stimmung, dass der Krypto-Kreditgeber Celsius Network Auszahlungen und Überweisungen pausiert hat. Auch gibt es Berichte, dass einige auf Kryptoanlagen setzende Hedgefonds zunehmend unter dem Kursverfall leiden.
Vor einigen Woche hatte bereits ein Kurseinbruch bei einer als eigentlich stabil konstruierten Internetdevise, dem sogenannten Stablecoin TerraUSD, für großes Aufsehen gesorgt.
Starke Kurschwankungen bei Krypto-Währungen normal
Krypto-Experte Timo Emden von Emden-Research nannte darüber hinaus handelstechnische Gründe für den erneuten Kurseinbruch. "Das vergleichsweise geringe Handelsvolumen über das Wochenende könnte die Talfahrt angestoßen haben", heißt es in einem Kommentar.
Der Bitcoin und andere Digitalwährungen sind traditionell starken Schwankungen ausgesetzt. In den vergangenen Jahren gab es bereits mehrere sogenannte "Krypto-Winter", etwa 2014 und 2018, in denen die Kurse stark einbrachen, bevor es später wieder aufwärts ging. Diesmal zeichnet sich allerdings noch ein schwierigeres wirtschaftliches Umfeld als damals ab.
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