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Ökonom über Digitalwährungen - "Der Euro wird mit der Zeit gehen müssen"

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Der Erfolg von Kryptowährungen wie Bitcoin ruft die Notenbanken auf den Plan. Sie müssen reagieren, um nicht die Hoheit über das Geld zu verlieren, sagt Ökonom Markus Brunnermeier.

Seit der Corona-Pandemie sind Bargeldalternativen gefragt. Der "digitale Euro" der EZB ist eine davon. Aber kann die Europäische Zentralbank Bitcoin und Co. damit Paroli bieten?

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makro: Ein Bitcoin kostet mittlerweile über 50.000 Dollar. Nicht nur Tesla legt Geld in Bitcoin an - immer mehr Finanzinvestoren tun es auch. Ist das nun eine Blase oder eine ernsthafte Anlagealternative?

Markus Brunnermeier: Man kann sogar einen Tesla mit Bitcoin kaufen. Es ist wichtig, zwischen Kryptowährungen wie Bitcoin und digitalen Währungen wie dem digitalen Euro zu unterscheiden.

Erstere basieren auf der sogenannten Blockchain-Technologie, die dezentral verwaltet wird. Allerdings verursacht die Bitcoin-Technologie hohe Stromkosten und kann keine großen Transaktions-Volumina bewältigen. Als Anlageform sind Crypto-Assets vorstellbar, allerdings werden sie nie Dividenden oder Zinszahlungen abwerfen und sind da insofern eine reine Spekulationsblase.

makro: Die Dynamik um Kryptowährungen ruft die Zentralbanken auf den Plan, allen voran die People's Bank of China. Aber auch Amerikas Fed und die EZB beschäftigen sich mit dem Thema. Was steckt dahinter? Haben wir bald einen digitalen Euro?

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Brunnermeier: Ja, die People's Bank of China hat in den letzten Wochen nach einer Pilotphase den Digitalen Yuan eingeführt. Jeder Bürger kann jetzt mit seinem Handy direkt in jedem Geschäft und online damit bezahlen. Die EZB studiert den digitalen Euro, er wird sicherlich in ein paar Jahren kommen. Neben ihrem Girokonto könnten Bürger direkt auch ein Konto bei der EZB haben.

Diese Entwicklung hat zwei Gründe: Erstens wird unser Leben immer digitaler und der Gebrauch von Bargeld für Transaktionen zurückgedrängt. Von daher fürchten die Zentralbanken, ihren Zugang zu den Bürgern zu verlieren.

Zweitens werden private Digitalwährungen und ausländische Zentralbankwährungen auf den Markt drängen - was die Gefahr birgt, dass sie die Lokalwährungen, insbesondere für Zahlungsvorgänge im Internet, verdrängen könnten. Diese Gefahr ist insbesondere für kleinere Schwellenländer groß.

Dadurch drohen die Zentralbanken ihre Geldhoheit zu verlieren und könnten dann nicht mehr mit ihrer Zinspolitik die Makroökonomie steuern.
Markus Brunnermeier

makro: Das Wesen von Kryptowährungen ist ja gerade - neben den für die Wirtschaft ungemein nützlichen Smart Contracts - das Selbstverständnis als Rebellen: Unabhängigkeit von Politik, Notenbanken, Schulden und Gelddrucken. Ist eine "offizielle" Digitalwährung nicht so etwas wie die Kampfansage des Imperiums?

Brunnermeier: Smart Contracts erlauben einem, Zahlungsaufträge z.B. vom Wetter oder auch komplizierteren Umständen abhängig zu machen. Auch Zahlungen von Maschine zu Maschine sind vorstellbar, was beispielsweise beim Internet der Dinge von Bedeutung ist.

Kryptowährungen werden im Wettbewerb mit der offiziellen Währung stehen. Und deshalb wird auch der Euro mit der Zeit gehen und sich modernisieren müssen.

Digitalwährungen der Notenbanken sind daher vielmehr eine Verteidigungsstrategie des öffentlichen Sektors, um sicherzustellen, dass Geldpolitik im Sinne des Gemeinwohls geführt wird.
Markus Brunnermeier

makro: Sie sind ein Kritiker großer Internetplattformen mit eigener, geschlossener Payment- und Währungswelt. Dabei sind die Angebote von Alibaba oder Tencent für Kunden doch ungemein praktisch. Wo ist das Problem?

Brunnermeier: Ich bin nicht gegen Internetplattformen. Sie haben viele praktische Vorteile, aber es gilt - wie bei allen Innovationen - die Risiken zu verstehen und zu reduzieren. Es ist wichtig, dass es eine einheitliche Währung gibt und die Geldpolitik zum Wohle der Gesamtbevölkerung gemacht wird und nicht zur Profitmaximierung von großen Konzernen.

Das Interview führte Carsten Meyer.

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von Mischa Ehrhardt
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