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Landwirtschaft von morgen gesucht

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Expertengremium beginnt Beratung - Landwirtschaft von morgen gesucht

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Mehr Naturschutz, gute Bedingungen in Ställen, weniger Preiskampf bei Lebensmitteln: Über die Zukunft der Landwirtschaft gibt es seit Jahren Streit. Nun berät ein Expertengremium.

Nach jahrelangem Streit über Landwirtschaft in Deutschland nimmt eine neue Kommission die Arbeit auf. Sie soll Wege aufzeigen, wie die deutsche Landwirtschaft künftig funktionieren kann.

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Nach langem Streit über die Ausrichtung der Landwirtschaft in Deutschland soll eine Regierungskommission einen breiten Konsens suchen. Am Auftakttreffen an diesem Montag nehmen Kanzlerin Angela Merkel, Agrarministerin Julia Klöckner (beide CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) teil. Der "Zukunftskommission Landwirtschaft" gehören Vertreter von Landwirtschaft, Handel und Ernährungsbranche sowie Verbraucher-, Umwelt- und Tierschützer an.

Umwelt- und Verbraucherschützer, aber auch Vertreter von Landwirten fordern neue übergreifende Lösungen, um zu höheren Standards zu kommen - verbunden mit einer gesicherten Finanzierung.

Auch die Landwirtschaft ist auf Hilfen aus dem EU-Haushalt angewiesen. Herausforderungen wie die ökologische Neuausrichtung beschäftigen die EU-Landwirtschaftsminister.

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Darüber will die Kommission beraten:

  • Die milliardenschwere EU-Agrarförderung soll künftig stärker an Umweltauflagen gebunden werden. Der Klimawandel und erneuerbare Energien beschäftigen auch die Bauern. Teils umstritten sind die Orientierung an den Weltmärkten und globale Handelsabkommen.
  • Die "Kräfteverhältnisse" in der Lebensmittelkette mit den großen Supermarktgruppen setzen vor allem kleinere Produzenten unter Druck. Nach Corona-Ausbrüchen in der Belegschaft großer Schlachthöfe ist der harte Preiskampf in der Fleischproduktion akut ins Visier geraten.
  • Eine wichtige Rolle spielen die Verbraucher: Achten sie nur auf billige Preise oder geben auch mehr Geld für höhere Standards in den Ställen aus? Verbraucherschützer monieren, dass bessere Qualität im Laden kaum zu erkennen ist. Ein geplantes staatliches Tierwohl-Logo für Fleisch im Supermarkt steckt seit Monaten politisch fest.
  • Düngeregeln zum Grundwasserschutz werden weiter verschärft. Auf der Agenda stehen auch Vorgaben für mehr biologische Vielfalt, den Schutz von Insekten und das Aus für das umstrittene Unkrautgift Glyphosat.
  • Viele Landwirte treiben immer neue Auflagen um - sie mahnen mehr Planungssicherheit an. Im vergangenen Jahr rollten Tausende Bauern auch deswegen mit Traktoren in die Städte, um ganz grundsätzlich mehr gesellschaftliche Wertschätzung für ihre Arbeit einzufordern.

Landwirte stehen zunehmend in der Kritik: Antibiotika, Pestizide, Düngemittel. Verbraucher wollen Tierwohl und Klimaschutz. Das treibt die Bauern auf die Straße.

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Das sind die Positionen vor dem Treffen:

  • Der Bauernverband erwartet von der Kommission, Empfehlungen zu erarbeiten, mit denen eine nachhaltige, wirtschaftliche und zukunftsfähige Landwirtschaft am Standort Deutschland möglich bleibe. "Außerdem erwarten wir tragfähige Kooperationsmodelle zwischen Landwirtschaft und Umweltpolitik", sagte ein Sprecher. Für Empfehlungen der Kommission müsse es dann auch Folgenabschätzungen geben.
  • Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, fordert eine ökologisch, sozial und ökonomisch zukunftsfähige Landwirtschaft. Die Vorstellung, Verbraucher führten diesen Wandel allein durch Konsumentscheidungen herbei, sei aber "naiv und falsch". Faire Preise, die sich aus den tatsächlichen Kosten für eine umweltschonendere und tiergerechtere Erzeugung ergeben, seien zentral für den nötigen Wandel in der Landwirtschaft.
  • Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) rief dazu auf, mehr Umwelt- und Tierschutz mit Wirtschaftlichkeit zusammenzubringen: "Ökologie alleine, die sich nicht rechnet, wird am Ende zur Aufgabe von Betrieben führen." Es sei wichtig, dass Landwirtschaft in Deutschland eine gute Zukunft habe, damit sich die junge Generation auch noch in 50 Jahren für Arbeit auf dem Acker und im Stall interessiere.
  • Der Geschäftsführer der Umweltorganisation Greenpeace, Martin Kaiser, kritisiert, dass die derzeitige Landwirtschaftspolitik mit Milliarden an Steuergeldern Monokulturen und Massentierhaltung fördere und damit eine Landwirtschaft, die natürliche Ressourcen übernutze und dem Klima massiv schade. Die Landwirtschaft müsse ökologisch ausgerichtet und umweltschädliche Subventionen abgebaut werden. "Die dafür benötigte Finanzierung für die Bäuerinnen und Bauern muss schnell auf den Weg gebracht werden."
  • Thomas Schröder, Präsident vom Tierschutzbund Deutschland, kritisiert die derzeitigen Haltungsbedingungen, in die "die Tiere hinein manipuliert" würden: "Da werden Schwänze abgeschnitten, Eckzähne abgeschliffen, Schnäbel gekürzt - das alles kann auf Dauer so nicht weitergehen, dieses System fährt vor die Wand", sagte Schröder im ZDF. Das Tierwohl-Label sei nur ein Instrument, aber es fehle eine Strategie.

"Das System fährt gegen die Wand", sagt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Zum Tierschutz gehöre "die Erkenntnis, weniger Fleisch zu essen."

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Wie geht es nach der Sitzung weiter?

Einen Zwischenbericht soll die Regierungskommission noch im Herbst vorlegen, den Abschlussbericht mit Empfehlungen im Frühsommer 2021. Merkel hatte das beratende Gremium Ende 2019 angesichts bundesweiter Bauernproteste vorgeschlagen. Vorsitzender der Kommission mit 32 Mitgliedern ist der ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Germanist Peter Strohschneider.

Was sind die Herausforderungen für die Kommission?

Die Erwartungen an die Kommission sind groß, doch das Gremium geht ohne ein konkretes Ziel in seine Sitzungen, sagt ZDF-Umweltexperte Manfred Kessler. "Das macht das Ganze schwierig, da die Wünsche der verschiedenen Interessengruppen - von den großen Agrarindustriebetrieben bis zu den Umweltschützern - weit auseinandergehen." Dies fange zum Beispiel bei der Düngung an und ende bei den Folgen für das Trinkwasser, auch der Tierschutz und die ökonomischen Zwänge der Bauern bildeten ein weiteres Gegensatzpaar. "Diesen gordischen Knoten der verschiedenen Interessen zu zerschlagen wird schwierig", sagt Kessler.

Aber auch wenn die Zukunftskommission zu einem einmütigen Ergebnis kommen sollte: "Dieses muss dann aber mit der EU in Brüssel abgestimmt werden, und da kommen mit den jeweiligen Interessen seiner 27 Mitglieder neue Probleme für eine gesunde und umweltgerechte Agrarpolitik hinzu".

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