Gestiegene Lebensmittelpreise: Wer profitiert?

    Gestiegene Lebensmittelpreise:Machen sich Händler die Taschen voll?

    von Cengiz Ünal
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    Fast alle Lebensmittel sind im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich teurer geworden. Verbraucherschützer vermuten, dass Händler und Hersteller davon profitieren.

    Sonnenblumen- oder Rapsöl: 81 Prozent teurer als vor einem Jahr. Butter 55 Prozent, Haushaltszucker 42 Prozent. Und das sind nur Durchschnittswerte des Statistischen Bundesamtes. Bei einigen Produkten sind die Preise noch höher gestiegen. Doch ist das immer gerechtfertigt?
    Frank Waskow von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vermutet, dass es "Mitnahmeeffekte" gibt: "Hersteller und Handel geben nicht nur ihre Mehrkosten weiter, sondern versuchen, ihre Erlöse zu verbessern."

    Einzelhandelsverband: Vorwürfe sind "unverantwortlich"

    Laut Einzelhandel gibt es genug Gründe für die aktuellen Rekordpreise bei einigen Lebensmitteln: der Ukraine-Krieg, gestörte Lieferketten, gestiegene Energiekosten. Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels findet es sogar "unverantwortlich, in den öffentlichen Raum Spekulationen zu werfen, um den Eindruck zu erzeugen, als würde sich jemand die Taschen vollfüllen". Wenn man genauer wissen wolle, wie sich Preise entwickeln, müsse man in die Lieferketten hineinschauen.
    Doch genau da ist das Problem. Während die Erzeuger- und Verbraucherpreise transparent sind, gibt es eine große "Black Box" dazwischen. Händler und Hersteller bestimmen die Preise hinter verschlossenen Türen. So funktioniere eben freie Marktwirtschaft, sagt Böttcher. Verbraucherschützer fordern eine Markttransparenzstelle, dass zumindest bei ausgewählten Lebensmitteln regelmäßig die Preise geprüft werden:

    Wenn es Mitnahmeeffekte gibt, brauchen wir entsprechende Sanktionen gegen solche Unternehmen.

    Frank Waskow, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

    Mogelpackungen im Supermarkt-Regal

    So eine Markttransparenzstelle gibt es bereits für Kraftstoffe. Sie gibt Daten heraus, mit denen Spritpreis-Apps betrieben werden. Für einige Lebensmittel sammelt das Statistische Bundesamt bereits Daten. So einfach ist es aber nicht mit der Kontrolle, sagt der Präsident des Bundeskartellamts:

    Die Unternehmen sind frei in der Preissetzung. Wir kommen nur dann ins Spiel, wenn es um den Missbrauch von Marktmacht geht.

    Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts

    Kritik gibt es auch an versteckten Preiserhöhungen durch Hersteller, die es aber nicht erst seit dem rasanten Anstieg der Inflation gibt. Die "Rama"-Margarine sieht aus wie immer, wiegt aber nur noch 400 statt 500 Gramm. Das ist eine versteckte Preissteigerung um 25 Prozent. Die Chipstüte von "Funnyfrisch": nur noch 150 statt 175 Gramm. Das Produkt ist also 16 Prozent teurer, ohne dass man es beim Einkauf direkt merkt. Verbraucherschützer raten dazu, bei den Preisschildern deshalb immer auf den Grundpreis zu achten. Der ist meistens etwas kleiner gedruckt unter dem eigentlichen Preis des Produktes zu finden.
    Alles wird teurer. Doch immer häufiger ist es für den Kunden gar nicht zu erkennen, dass ein Produkt einen höheren Preis hat, weil der Hersteller mit Mogelpackungen trickst.29.07.2022 | 2:43 min
    Doch ob man Preise vergleicht, zum Discounter geht oder versucht, nach Angeboten einzukaufen: Verbraucher kommen so oder so nicht mehr an den Preiserhöhungen vorbei. Denn diese treffen das ganze Sortiment. Aus Sicht von Verbraucherschützern ist der Staat dringend gefordert, mehr zu tun, damit für Menschen mit geringem Einkommen sowie Empfänger von Sozialleistungen Nahrungsmittel in Deutschland nicht zum Luxusgut werden - und dafür müsste das Bundeskartellamt mehr Macht bekommen.

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