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Löhne und Rohstoffpreise - Werden Spargel und Erdbeeren zu Luxusgütern?

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Sind deutscher Spargel und Erdbeeren aus der Region bald unbezahlbar? Das befürchten die Bauernverbände und benennen höhere Energie- und Rohstoffpreise sowie die Löhne als Ursache.

Eine Kundin hält Spargel und Erdbeeren in einer Tüte. Archivbild
Erst 2020 gab es einen größeren Preissprung bei Erdbeeren und Spargel.
Quelle: Roland Weihrauch/dpa

Ersten Modellrechnungen zufolge rechnen Landwirte mit einer Preissteigerung von 25 bis zu 40 Prozent für Spargel und Erdbeeren aus der Region in der kommenden Saison. Der Verbraucher müsste somit ab März 2022 mindestens 60 Cent bis 1,20 Euro pro Kilo mehr zahlen, sagt Simon Schumacher vom Netzwerk der Spargel- und Bauernverbände

Deutsche Preise kaum konkurrenzfähig

Schumacher sieht viele Erzeuger in ihrer Existenz bedroht. So sei zum Beispiel ein drohender Lohnkostensprung von 25 Prozent kaum auszugleichen. Und:

Nicht jeder Betrieb kann von jetzt auf gleich auf Direktvermarktung umstellen.
Simon Schumacher, Netzwerk der Spargel- und Bauernverbände

Wer also bisher nicht für den eigenen Hofladen, Stand oder regionalen Wochenmarkt produziert hat, sondern für den Handel, ist abhängig von den Marktpreisen. Und dort könne die deutsche Produktion kaum noch mit Frischware aus Ländern mit weitaus geringeren Mindestlöhnen konkurrieren. "Das Mantra saisonal, regional und fair ist dann schnell hohl", sagt Schumacher.

Lebensmittel aus der Region haben seit einiger Zeit ein besonders gutes Image. Doch stimmt überhaupt, was uns da suggeriert wird? Oder ist "regional" nur eine Mogelpackung?

Beitragslänge:
28 min
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Ein anderes Beispiel dafür seien Heidelbeeren: Der Beeren-Boom hält an, doch Deutschland spielt als Produktionsstandort kaum noch eine Rolle - weil der Handel ganzjährig günstige und gute Waren aus dem Ausland beziehen kann.

Kostensteigerung durch Mindestlohn

Es sind also nicht nur die momentan heiß diskutierten steigenden Energie- und Rohstoffpreise, die Landwirte und Verbände gleichermaßen aufschrecken. Der Mindestlohn von zwölf Euro hängt wie ein Damoklesschwert über der Branche.

Derzeit liegt der Mindestlohn bei 9,60 Euro. Steigt er auf zwölf Euro, ist das eine vom Staat veranlasste Kostensteigerung, die wir bei unseren Kunden nicht durchsetzen können.

Das sagt Hans Lehar, Geschäfsführender Vorstand der Obst- und Gemüse-Absatz- und Vertriebsgenossenschaft Nordbaden (OGA/OGV). Auch er sagt: Viele Landwirte müssten dann die Produktion einstellen oder die Genossenschaft verlassen. Deutschen Spargel und Erdbeeren gäbe es dann nur noch direkt beim Bauern, nicht aber im Supermarktregal.

Lohnkosten im europäischen Vergleich relativ hoch

Zum Vergleich: In Spanien liegt der Mindestlohn laut statistischem Bundesamt bei 5,76 Euro pro Stunde, in Polen bei 3,64 Euro und in Marokko sogar nur bei 1,20 Euro.

Letztlich kaufe der Handel dort, wo er den größten Gewinn mache, sagt Schumacher:

Beim Preis hört die Loyalität auf.
Simon Schumacher, Netzwerk der Spargel- und Bauernverbände

Neuregelung für ausländische Saisonarbeitskräfte

Und es gibt noch ein Problem: Während der Pandemie wurde unter Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) die kurzfristige Beschäftigungszeit von drei auf vier Monate ausgeweitet, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Zeitgleich wurde ab 1. Januar 2022 die Sozialversicherungspflicht für ausländische Saisonarbeitskräfte vereinbart. Ziel: Lohndumping vermeiden. Wie der Stand nach den Koalitionsverhandlungen aussehen wird, bleibt abzuwarten, heißt es aus Gewerkschaftskreisen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bewertet die Regelung zur Sozialversicherungspflicht grundsätzlich positiv. Praktikabel sei sie aber kaum, beklagt dagegen Schumacher vom Netzwerk der Spargel- und Bauernverbände.

In der Saisonarbeit funktioniert das erfahrungsgemäß nicht.

Insbesondere nicht in der Zusammenarbeit mit den rumänischen Behörden, wo die meisten Saisonarbeiter herkämen.

Daher fordern die Erzeuger eine europäische und unbürokratische Lösung für kurzfristig Beschäftigte mit einer pauschalen Lohnobergrenze von 2.800 Euro pro Monat. Denn ohne die 100.000 Erntehelfer pro Jahr sei die handarbeitsintensive Spargel- und Beerenernte sonst nicht zu bewältigen.

2020 schon größerer Preissprung

Die Preise für Spargel und Erdbeeren haben sich laut der unabhängigen Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) über Jahre hinweg kaum verändert. Erst 2020 gab es einen größeren Preissprung.

So kostete 2019 noch ein Kilogramm Spargel im Schnitt 7,10 Euro, Erdbeeren 5,22 Euro. In der diesjährigen Saison lag der Spargel bei 8,93 Euro und das Kilo Erdbeeren kostete durchschnittlich bereits 6,38 Euro. Bei zehn Euro pro Kilo Spargel könnte eine gewisse Schmerzgrenze erreicht sein, glaubt Michael Koch, stellvertretender Bereichsleiter Gartenbau bei der AMI.

Möglicherweise Abkehr von frischen, regionalen Produkten

Zwar geht der Handelsverband Lebensmittel (BLVH) davon aus, dass das Interesse der Kunden an saisonalen Produkten aus Deutschland weiterhin groß ist - die Preisgestaltung werde jedoch weitgehend von den Koalitionsverhandlungen und der Entwicklung der Energiepreise in den kommenden Monaten abhängen.

Der Verbraucher muss irgendwann verstehen, dass der Wunsch nach deutscher, regionaler Produktion nicht damit zusammenpasst, alles günstiger haben zu wollen
Michael Koch, AMI

Landwirte und Verbände fürchten daher, dass sich bei allzu hohen Preisen viele Kunden keine frischen, regionalen Produkte mehr leisten können - oder wollen.

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