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Handelsströme ruckeln - Lieferengpässe durch Corona - wie lange noch?

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Unternehmen fehlen Bauteile und das bestellte Fahrrad ist seit Monaten überfällig - die Lieferengpässe wegen der Pandemie dürften Ökonomen zufolge noch länger andauern.

Container-Hafen in Hamburg
Container-Hafen in Hamburg
Quelle: reuters

Wo globale Transportketten sonst wie Uhrwerke funktionieren, herrscht in der Corona-Pandemie großes Durcheinander - zum Verdruss von Wirtschaft und Verbrauchern, die Materialmangel und Lieferprobleme auf eine Geduldsprobe stellen. Volkswirte und Logistikexperten rechnen damit, dass die Probleme auch 2022 noch anhalten werden.

Restriktionen in den Häfen wegen Corona

"Es ist leider offen, wann sich die Situation bei den Lieferketten nachhaltig verbessern wird. Ich bin aber sicher, dass wenn wir die Pandemie besiegt haben, wann immer das sein wird, dann wird das auch alles wieder besser fließen", sagte die neue Präsidentin des Verbandes Deutscher Reeder, Gaby Bornheim, der Deutschen Presse-Agentur.

Die angespannten Lieferketten sind ganz klar Folge der Corona-Pandemie. Hier haben wir pandemiebedingt eine einmalige Situation, in der ganz viel zusammenkommt.
Gaby Bornheim, Präsidentin Verband Deutscher Reeder

"Wir können unsere Seeleute immer noch nicht einfach so an Bord bringen, wie wir das gewohnt waren und sie auch nicht ungehindert von Bord holen", berichtet die Chefin der Hamburger Peter Döhle Schiffahrts-KG, eine der größten deutschen Reedereien.

Da sind erhebliche Restriktionen, die sich in den einzelnen Häfen im Wochen-, manchmal auch im Tagesrhythmus ändern, sodass wir gar keine Sicherheit haben, jetzt Crewwechsel in vielen Teilen der Welt durchführen zu können.
Gaby Bornheim, Präsidentin Verband Deutscher Reeder

Auch die Autoindustrie leidet deutlich unter der Pandemie. Aufgrund der Lieferengpässe wird weniger produziert und verkauft. Daraus resultieren 33% weniger Neuzulassungen als 2020.

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Fehlende Container durch Verspätungen

Lange Zeit waren auch fehlende Container ein großes Problem, weil die Transportboxen wegen Verspätungen in den Fahrplänen nicht dort waren, wo sie zur neuen Beladung sein sollten.

Normalerweise sind Container zum Beispiel bei Hapag-Lloyd 50 Tage unterwegs, bevor sie wieder beladen werden können, aufgrund der Überlastungen der Häfen sind es mehr als 60 Tage.

Schiffe müssen tagelang auf Be- und Entladung warten

Als gewaltiges Nadelöhr erweisen sich schließlich viele Häfen - vor allem die an der chinesischen Küste und der amerikanischen Westküste, zwischen denen die riesigen Handelsströme zwischen den beiden größten Volkswirtschaften abgewickelt werden. In China wurden immer wieder Häfen ganz oder teilweise geschlossen, weil Hafenarbeiter coronainfiziert waren.

Schiffe müssen tagelang auf das Be- und Entladen warten oder auf andere Häfen ausweichen, vor denen sich dann ebenfalls große Staus bilden. Wegen der sehr strikten Reaktion der chinesischen Behörden und der beispiellosen Ausbreitungsgeschwindigkeit der Corona-Variante Omikron dürften geschlossene Hafenterminals in China auch 2022 ein Thema bleiben.

Rohstoffmangel wurde während der Pandemie akut. Die steigenden Produktions- und Transportkosten und lange Wartezeiten bekommen Schreinereien, wie Möbelhäuser gleichermaßen zu spüren.

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Zu wenige Lkw-Fahrer in den USA

Auch vor dem Port of Los Angeles und vor Long Beach in direkter Nachbarschaft, den beiden wichtigsten Häfen an der US-Westküste, liegen massenhaft Schiffe auf Reede, im Herbst waren es zeitweise bis zu 100. Zudem funktionieren die Hinterlandverkehre nicht, wie sie sollten, auch weil es nicht genügend Lkw-Fahrer gibt.

US-Präsident Joe Biden hatte das Hafenproblem im Herbst zur Chefsache gemacht und erreicht, dass der Hafen Los Angeles an sieben Tagen die Woche und in der Nacht arbeitet.

Ökonom: 11 Prozent der Güter auf unbewegten Schiffen

Der Ökonom Vincent Stamer, der beim Kiel Institut für Weltwirtschaft regelmäßig weltweite Schiffsbewegungen analysiert, schätzt, dass derzeit mehr als 11 Prozent der weltweit verschifften Güter auf unbewegten Schiffen parkt - eine gewaltige Menge, bedenkt man, dass 90 Prozent der globalen Warenströme per Containerschiff transportiert werden.

Die deutschen Seehäfen gelten nicht als staugefährdet, weil sie auf den großen globalen Routen der Linienreedereien ganz zuletzt angefahren werden.

Die deutsche Wirtschaft kommt wohl doch langsamer als gedacht aus dem Corona-Loch. Hauptgrund sind vor allem die anhaltenden Lieferengpässe. Dazu ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller.

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Lieferverzögerungen wohl noch weit ins Jahr 2022 hinein

Erste Besserung könnte sich laut Stamer im Februar nach dem chinesischen Neujahrsfest zeigen. Das Fest ist traditionell ein Höhepunkt des Konsums im bevölkerungsreichsten Land der Welt, danach ebbt die Konsumnachfrage deutlich ab.

Doch auch dann dürfte es noch dauern, bis das globale Liefernetzwerk wieder im Gleichtakt schwingt.
Vincent Stamer, Kiel Institut für Weltwirtschaft

Lieferverzögerungen und Engpässe könnten Wirtschaft und Verbraucher daher noch sehr weit ins nächste Jahr beschäftigen.

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