Sie sind hier:

Müller zu Lieferkettengesetz : "Es herrschen fürchterliche Bedingungen"

Datum:

Keine Kinderarbeit, keine Umweltzerstörung - der Bundestag hat das Lieferketten-Gesetz beschlossen. Im ZDF verteidigt Entwicklungsminister Müller das Gesetz gegen Kritik.

Große Unternehmen in Deutschland sollen keine Kinder- oder Zwangsarbeit und keine Umweltzerstörung in ihren internationalen Lieferketten mehr dulden: Der Bundestag beschloss am Freitag einen Gesetzentwurf der Regierung für neue Sorgfaltspflichten. In zweiter Lesung hatten Union, SPD und die Grünen für das Lieferkettengesetz gestimmt. Die Linke enthielt sich, AfD und FDP stimmten dagegen.

Ziel des Gesetzes: Unternehmen sollen ihrer globalen Verantwortung für Menschenrechte und Umweltstandards besser nachkommen. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) spricht im heute journal des ZDF von "fürchterlichen Bedingungen" beispielsweise beim Abbau von Kobalt, Coltan, Zink, Gold von Entwicklungsländern.

In den Minen werden zum Beispiel heute auch noch Kinder eingesetzt.
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

"Das muss sich ändern, wenn ich so ein teures Apple-Handy habe", so Müller. Als weiteres Beispiel nannte er Kaffee aus Westafrika, Äthiopien oder Mexiko: "Dann kann es nicht sein, dass auf den Plantagen Kinder die Bohnen ernten und das Kilo für 50 Cent eingekauft wird, in Deutschland veredelt und für sechs bis acht Euro verkauft."

Müller beklagt Druck von Industrie-Lobby

Das Gesetz solle für "gerechte Löhne" sorgen. Da bisher eine Näherin in Afrika beispielsweise zehn Stunden am Tag arbeite, 30 Tage lang - für rund 50 Dollar. "Davon können die Frauen nicht leben, die Familien nicht leben."

Etliche kleinere und größere Firmen würden jedoch bereits zeigen, dass es möglich sei, die Zustände bei der Produktion von Waren wirksam zu kontrollieren.

Wer heute sagt, das geht nicht, eine Lieferkette zu kontrollieren, der will es einfach nicht.
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

Müller beklagte einen enormen Druck der Lobby der Industrie. Die Verbände hätten terilweise "auf einer Basis öffentlich argumentiert, ohne wirklich sich mit den Details des Gesetzestextes auseinanderzusetzen".

Müller: Standards europäisch umzusetzen sei "nächster Schritt"

Doch das heute beschlossene Lieferketten-Gesetz sei erst der Anfang: "Selbstverständlich können wir die Standards in der Welt umsetzen und einhalten. Und geben damit auch das Signal, dass wir ein europäisches Gesetz brauchen. Und das wird der nächste Schritt sein, diese Standards auch europäisch umzusetzen, für alle Firmen in Europa", so Müller.

Das Gesetz gilt vom 1. Januar 2023 an, und zwar erst einmal für Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitern - von 2024 an dann auch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern.

Der zwölfjährige Joel Rivera posiert für ein Foto nach der Arbeit beim Schneiden von Zuckerrohr auf einer Plantage in El Salvador (Archiv 2004)
FAQ

Report von ILO und Unicef - Kinderarbeit nimmt erstmals seit 20 Jahren zu 

Erstmals seit zwei Jahrzehnten ist die Zahl der Kinderarbeiter*innen gestiegen. Millionen weitere Kinder könnten durch die Corona-Krise in Kinderarbeit abrutschen. Ein Überblick.

von Katharina Schuster
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.