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Sink- oder Steigflug für Lufthansa?

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Abstimmung über Rettungspaket - Sink- oder Steigflug für Lufthansa?

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Bei der Hauptversammlung könnte sich das Schicksal der Lufthansa entscheiden. Warum die Zustimmung zum Rettungspaket nun "viel wahrscheinlicher" wird, erklärt Expertin Ziegler.

Das Schicksal der Lufthansa liegt in seinen Händen: Großaktionär Thiele kann den geplanten Einstieg des Bundes beim Luftfahrtkonzern verhindern. Heute fällt die Entscheidung.

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ZDFheute: Der Großaktionär Thiele hat nun doch noch seine Zustimmung zum ausgehandelten Rettungspaket für die Lufthansa angekündigt. Können Aktionäre und Mitarbeiter nun aufatmen?

Yvonne Ziegler: Das Rettungspaket muss in der heutigen Hauptversammlung mit einer Zweidrittelmehrheit angenommen werden. Das ist jetzt aber viel wahrscheinlicher, wenn Thiele diesen Plan mit seinem 15,5-prozentigen Anteil an der Lufthansa unterstützt.

ZDFheute: Welche Rolle wird Thiele bei der anstehenden Sanierung spielen?

Ziegler: Offensichtlich möchte er sich durchaus aktiv in den Sanierungsprozess einmischen, um Lufthansa auf diesem Weg zu unterstützen.

ZDFheute: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Rettung gelingt?

Ziegler: Mit einer Liquiditätsspritze von neun Milliarden Euro ist die Lufthansa für die nächsten Monate der Corona-Krise gut ausgestattet. Allerdings muss sie dringend ihre aktuellen Kapazitäten an den aktuellen Nachfragerückgang anpassen, um ihre Fixkosten zu reduzieren. Es zeichnet sich ja ab, dass sich der weltweite Luftverkehr nicht so schnell erholen wird.

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Am Donnerstag sollen die Aktionäre über Staatshilfen des Bundes abstimmen. Aber nur wenige wollen ihr Stimmrecht wahrnehmen - der ganze Deal könnte platzen.

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ZDFheute: Von weltweit 138.000 Stellen bei Lufthansa sollen allein in Deutschland 11.000 abgebaut werden. Und es trifft wohl auch hoch spezialisierte Mitarbeiter…

Ziegler: Besonders kritisch ist es für Pilotinnen und Piloten. Sie sind ja auf das Fliegen festgelegt. In einer weltweiten Branchenkrise ist da ein Wechsel natürlich nicht so einfach möglich. Da herrscht Panik. Die Piloten haben ja schon von sich aus angeboten, auf 45 Prozent ihres Gehalts zu verzichten für einen gewissen Zeitraum. Interessant zu sehen, wie diese Berufsgruppe nun zu Konzessionen bereit ist.

Boden- und Kabinenpersonal hätte sicherlich Chancen in der Hotellerie. Aber auch dort ist man ja von der Corona-Krise betroffen. Also, das ist auch keine unmittelbare Alternative.

ZDFheute: Welche Airlines sind noch gefährdet?

Ziegler: Etliche sind ja schon insolvent. Und je länger die Krise andauert, desto schwieriger wird es. Thai Airways und Virgin Australia haben zum Beispiel auch bereits beide Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. 

ZDFheute: Ist das vielleicht auch ein sinnvolles Gesundschrumpfen der Branche?

Ziegler: Erst einmal reagiert die Branche jetzt auf den extremen Nachfragerückgang. So gesehen ist ein Schrumpfen durchaus sinnvoll, da gewaltige Überkapazitäten entstanden sind.

Wenn man aber auf den deutschen Markt schaut: Da sind ja schon eine Reihe von Fluggesellschaften ausgeschieden. Air Berlin zum Beispiel. Und was ist passiert? Die Lufthansa hat Strecken dazugewonnen, auf denen sie jetzt das Monopol hat. Das ist natürlich eine starke Position. Für die Konsumenten ist das nicht gut, weil die Preise dann entsprechend teuer sind auf solchen Strecken.

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ZDFheute: Selbst Fluggesellschaften, die Corona überstehen werden, haben am Ende gigantische Schuldenlasten zu tragen. Erkauft man sich also eigentlich nur ein bisschen Zeit, um dann später an den Schulden zu ersticken?

Ziegler: Derzeit wird ja vor allem innerhalb Europas geflogen. Das ist zwar ein Lichtblick. Für die Lufthansa bleibt es trotzdem schwierig. Denn sie hat immer auf den Langstrecken das Geld verdient. Europastrecken sind nicht wirklich profitabel. Letztlich werden Airlines wie die Lufthansa künftig Kredite nur zurückzahlen können, wenn sie die Ticketpreise stark erhöhen.

Das Interview führte Michaela Sesterhenn, Leiterin der Wirtschaftsredaktion makro.

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