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So hart ist das Leben als Multijobberin

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Drei Jobs und trotzdem arm - So hart ist das Leben als Multijobberin

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Der Arbeitsmarkt in Deutschland boomt, doch vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren nicht alle. Immer mehr Menschen arbeiten zu Niedriglöhnen oder haben mehrere Jobs.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland boomt, doch vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren nicht alle. Immer mehr Menschen arbeiten zu Niedriglöhnen.

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Der Tag von Diana Oertel aus Gera beginnt morgens um sechs. Die 53-jährige ist Multijobberin. Sie putzt, sitzt an der Supermarkt-Kasse und arbeitet als Sushi-Taxi. Mehr als 40 Stunden in der Woche ist sie unterwegs, trotzdem bleibt der Alleinerziehenden und ihren Kindern kaum mehr als mit Hartz IV.

Da wird es manchmal wirklich arg knapp.
Diana Oertel

Diana Oertel rechnet vor: "2.030 Euro sind meine Einnahmen. 1.480 Euro sind meine Ausgaben. Unterm Strich bleiben mir 549 Euro übrig. Und für das Geld muss ich dann noch einkaufen und ein paar Sachen für die Kinder kaufen. Und auch noch ein bisschen tanken. Da wird es manchmal wirklich arg knapp."

Selbstständige, Minijobberin, Angestellte

Um acht Uhr geht es los zum Putzen. Bei einem älteren Herrn hat sie zwei Stunden Zeit, die Wohnung auf Vordermann zu bringen. Für den Putzjob hat sie ein Gewerbe angemeldet. Das heißt, sie arbeitet auf Rechnung. Sicherheiten hat sie keine: Wenn ihre Auftraggeber nicht da sind, bekommt sie kein Geld.

Die Arbeit ist körperlich anstrengend. Doch auch wenn es ihr manchmal nicht gut geht, muss sie ran. "Das Problem an der Sache ist, dass ich es nicht bezahlt kriege, zumindest nicht in meinem Putzjob. Krank sein heißt eben auch kein Geld kriegen und das ist nicht wirklich eine Option", erzählt sie.

Kaum ist alles sauber gemacht, hetzt sie nach Hause. Sie will kurz mit ihrem Sohn etwas zu Mittag essen. Für sich und ihre Kinder bleibt kaum Zeit.

Knapp eine Stunde später muss sie schon wieder los. Sie arbeitet auch noch als Kassiererin in einem Supermarkt. Wie die meisten ihrer Kolleginnen ist sie dort nur stundenweise beschäftigt, meist zu Stoßzeiten, wenn der Laden voll ist. Sie ist über diese Arbeitsstelle zwar sozialversichert, doch Diana Oertel hat gerade mal einen Vertrag über 12 Stunden in der Woche. Zu wenig, um davon leben zu können. "Man soll in der kurzen Zeit, die man da ist, am liebsten die Arbeit machen für zwei, drei. Aber so gut, dass man davon leben kann, kriegt man es halt auch nicht bezahlt, also muss man viele Jobs machen. Und da fühlt man sich schon ein bisschen minderwertig", sagt sie.

Chance für den Arbeitsmarkt oder Schattenseite des deutschen Jobwunders?

Der Niedriglohnsektor ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Grund dafür ist unter anderen der Rückgang der Tarifbindung: Zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ausgehandelte Tariflöhne werden immer seltener. Auch die Auswirkungen der Agenda 2010 und die damit verbundenen Hartz-Reformen haben den Niedriglohnsektor größer werden lassen.

Für Wirtschaftsforscher ist der Niedriglohnsektor eine große Chance Geringqualifizierte in den Arbeitsmarkt zu bringen. Getreu dem Motto: besser irgendeine Arbeit als gar keine Arbeit. Für Sozialwissenschaftler ist der Niedriglohnsektor die Schattenseite des deutschen Jobwunders.

Lohnt sich Arbeit überhaupt noch?

Lohnt sich Arbeit überhaupt noch? Diana Oertel zweifelt oft daran, doch der Weg zum Amt kommt für sie nicht in Frage. Lieber arbeitet sie noch in einem dritten Job. Während andere ihren Feierabend genießen, liefert sie auf Minijob-Basis für einen vietnamesischen Imbiss Essen aus.

Diana Örtel liefert sushi aus, aufgenommen am 14.01.2020
Ihr dritter Job: Diana Oertel liefert auf Minijob-Basis für einen vietnamesischen Imbiss Essen aus.
Quelle: ZDF/Sebastian Galle

Sich selbst mal was zu essen nach Hause bestellen oder essen gehen: Dafür reicht ihr Geld nicht. "Das macht mich schon wütend und deprimiert, dass man mit wirklich harter Arbeit sein Leben mehr schlecht als recht bestreiten kann. In vielen Jobs, die ich gemacht habe ist es so, dass sie mehr Arbeit für das gleiche Geld verlangen. Und das ist Lohnsklaverei, das ist nichts anderes."

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