Sie sind hier:

Ende der Katar-Blockade - Gute Nachricht fürs deutsche Nahost-Geschäft

Datum:

Nach mehr als drei Jahren haben die Golfstaaten die Wirtschaftsblockade gegen das Emirat Katar beendet. Davon profitieren auch deutsche Unternehmen in der Region.

Fahrzeuge fahren auf der Straße zum Landgrenzübergang Abu Samrah von Katar nach Saudi-Arabien. Aufgenommen in Abu Samrah, Katar, 6. Januar 2021.
Einer rosigen Zukunft entgegen? Der noch kaum befahrene Grenzübergang von Katar nach Saudi-Arabien am 6. Januar
Quelle: epa

Es war ein Konflikt, der in Deutschland kaum wahrgenommen wurde, der manchen deutschen Unternehmen aber mehr als drei Jahre lang Kopfzerbrechen bereitete. Im Juni 2017 errichteten am Persischen Golf mehrere Staaten eine Blockade gegen ihren kleinen, wohlhabenden Nachbarn, das Emirat Katar.

Am Dienstag unterzeichneten die Politiker der regionalen Staatenvereinigung Golfkooperationsrat (GCC) dann überraschend ein Abkommen, das die gegenseitigen Anfeindungen beendete. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman umarmte den katarischen Emir Tamim bin Hamad Al Thani auf dem Rollfeld. Betont herzliche Fernsehbilder nach Jahren der Eiszeit.

Warenverkehr kann wieder starten

Bei der Konfrontation ging es vor allem um Katars - in den Augen mancher Nachbarn - zu enge Kontakte zum Erzfeind Iran. Jetzt können die Grenzen geöffnet und Flugverbindungen wieder aufgenommen werden, die Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gesperrt hatten. Vor allem kann der gegenseitige Warenverkehr in dieser, für den globalen Logistik-Sektor essenziellen Weltregion, aufleben.

Saudi-Arabien, Katar und die VAE sind für fast alle deutschen Unternehmen in der arabischen Welt wichtige Knotenpunkte. Von Öl und Gas gestärkte Staatshaushalte investieren massiv in den Ausbau ihrer Volkswirtschaften. Seit Jahren ziehen internationale Planungsbüros und Industriegiganten Kraftwerke, Krankenhäuser und sogar ganze Städte hoch. Waren im Wert von 18,7 Milliarden Euro exportierte Deutschland 2019 in die GCC-Staaten.

Bild des Emirs von Katar ist an einem Gebäude zu sehen. Symbol

Blockade beendet - Katar und Golfnachbarn legen Streit bei 

Vor drei Jahren begann die Blockade gegen Katar. Nun haben Saudi-Arabien und seine Verbündeten ihren Streit mit dem Emirat beigelegt.

Über solche Probleme spricht kein Unternehmen gerne offen

Über eines sprechen Unternehmer dabei nicht gerne: Wie schwer es ist, nicht in die immer wieder aufflammenden Rivalitäten und Machtspiele dieser von Familiendynastien geführten Länder zu geraten. Ein Sprecher des Logistik-Riesen DB Schenker begrüßt die Einigung lediglich in einer kurzen Stellungnahme. Auf die Fragen nach den Herausforderungen des Nahost-Geschäfts geht er nicht ein.

Abdulaziz Al-Mikhlafi, Generalsekretär der arabisch-deutschen Handelskammer Ghorfa in Berlin, blickt mit Optimismus in die Zukunft:

Die Einigung der beteiligten Staaten ist für die Unternehmen sehr gut, da diese in den vergangenen drei Jahren mit Unsicherheiten und vor allem logistischen Herausforderungen zu kämpfen hatten.
Abdulaziz Al-Mikhlafi

Wie er damit umging, dass sowohl die katarischen wie auch die saudischen und emiratischen Handelskammern zu den Trägern seiner Organisation zählen? "Wir sind keine politische Institution", sagt Al-Mikhlafi zu ZDFheute diplomatisch. Schwierigkeiten habe es keine gegeben.

Für den Gastgeber ist der Gipfel eine Prestige-Angelegenheit. Umgekehrt hatte die Welt mal Hoffnungen gesetzt auf Saudi-Arabien und dessen Kronprinzen. Doch der Traum von Reformen und Menschenrechten wurde in vielen Bereichen zum Alptraum.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Ringen mit undurchsichtigen Embargo-Bestimmungen

Offener erzählt der Anwalt Kilian Bälz, Partner in der auf den Nahen Osten spezialisierten Kanzlei Amereller: "Es war klar, dass dieser Konflikt irgendwann aufhören muss. Katar hat zwar tiefe Taschen, aber das Embargo hat der regionalen Wirtschaft und Kooperation schweren Schaden zugefügt", sagt Bälz gegenüber ZDFheute.

Für internationale Unternehmen war das eine schwierige Lage.
Kilian Bälz, Amereller Rechtsanwälte

Insbesondere die Intransparenz sei eine Herausforderung gewesen: "Es gab nie ein formelles Boykott-Gesetz, das waren immer nur interne Verwaltungsanweisungen etwa an die Zollbehörden", betont Bälz. "Anfangs wurden sie gar nicht veröffentlicht. Man erfuhr aus der Presse, was erlaubt war und was verboten."

Manche Unternehmen hätten auch versucht, das Embargo zu umgehen, berichtet Bälz. "Sie nutzten den Oman als lokalen Umschlagplatz. Waren wurden dort einfach umetikettiert. Von solchen Schlupflöchern haben wir als Kanzlei abgeraten."

Nahost-Kenner mit vorsichtigem Optimismus

Mittel- bis langfristig sei der Deal eine positive Entwicklung, Skepsis aber angebracht. "Das sind schwierige, volatile Märkte. Dort tätig sind vor allem Großunternehmen, die das Risiko gut einschätzen können und dann gibt es noch spezialisierte Mittelständler, die teils seit Jahrzehnten dort sind und Erfahrung haben."

Den schlechten Ruf, den der Handel mit der arabischen Welt in Deutschland oft hat, findet Bälz trotzdem nicht angemessen. "Man denkt beim Nahost-Geschäft immer nur an Waffen und Korruption. Das ist mir aber in 20 Jahren in der Region kaum begegnet. Aber die Leute bringen zu solchen Geldkoffer-Deals ja auch nicht ihren Anwalt mit."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.