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Banken - Das rentable Geschäft mit den Negativzinsen

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Immer häufiger legen Sparer und Unternehmen drauf. Für einige Institute entwickelt sich das vermeintliche Nullsummenspiel zu einer lukrativen Ertragsquelle im Niedrigzinsumfeld.

Hessen, Frankfurt/Main: Bei Sonnenuntergang ist die Skyline der Bankenstadt in rötliches Licht getaucht. Archivbild
Bei deutschen Banken werden Verwahrentgelte immer beliebter. (Symbolbild)
Quelle: dpa

Bereits seit 2014 müssen Geldhäuser für ihre Einlage bei der Europäischen Zentralbank negative Zinsen zahlen. Ab einer bestimmten Höhe betragen diese Negativzinsen -0,5 Prozent pro Jahr. Um diese Kosten decken zu können, geben viele Banken den Negativzins in Form eines Verwahrentgelts an ihre Kunden weiter.

Einnahmen aus Verwahrentgelten lukrativ

Lange Zeit waren von dieser Praktik nur Geschäftskunden betroffen, mittlerweile jedoch sind Verwahrentgelte auch im Privatkundengeschäft gängige Praxis. Mit einem für die Banken schönen Nebeneffekt: Die Einnahmen aus dem Geschäft mit den Entgelten übersteigen in vielen Fällen nämlich die bankeigenen Zahlungsverpflichtungen der EZB gegenüber.

Den Banken waren niedrige Leitzinsen lange Zeit ein Dorn im Auge, denn auch die Konditionen, die für das Kerngeschäft der Kreditvergabe herangezogen werden, hängen maßgeblich von den Vorgaben der Zinspolitik ab. Liegt der Leitzins also bei 0 Prozent, verdienen Institute, die vornehmlich über das Verleihen von Geld Erträge erwirtschaften, weniger.

Die EZB hält den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent.

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Deutsche Bank: 69 Millionen Euro aus "Deposit Repricing"

Nun jedoch, so scheint es, haben einige Banken einen Weg gefunden, zumindest einen Teil der ausgebliebenen Einnahmen wieder wettzumachen. Recherchen ergaben, dass das Geschäft mit den Verwahrentgelten zunehmend an Bedeutung gewinnt.

"Eigentlich ist es eine bodenlose Frechheit vieler Banker, erst über die Negativzinsen der EZB zu lamentieren, wenn die EZB die Abgaben dann senkt, die Abgaben für die Kunden zu erhöhen und schließlich mit Leidensmiene ein Geschäft aus diesen Negativzinsen zu machen", sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von "Finanztip".

So konnte auch die Deutsche Bank hauptsächlich mit Geschäfts- und Firmenkunden im vierten Quartal 2020 einen Ertrag von rund 69 Millionen Euro über das sogenannte "Deposit Repricing" erzielen.

Trotz Corona-Krise hat die Deutsche Bank im vergangenen Jahr erstmals seit 2014 wieder Gewinn gemacht.

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Auch die Commerzbank profitiert

Auch die Commerzbank hat das Geschäft für sich entdeckt. Hier wurden laut Zwischenbericht für das dritte Quartal 268 Millionen negative Zinsen gezahlt. Dem gegenüber stehen "Positive Zinsen aus passivischen Finanzinstrumenten" in Höhe von 442 Millionen Euro. Die Bank gibt also nicht nur Aufwand weiter, sondern verdient daran.

Der Vorstand der Commerzbank hat eine Strategie vorgestellt, um den zuletzt massiven Verlusten in Milliardenhöhe entgegenzuwirken.

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Weiterhin geht aus den Zahlen hervor, dass die Commerzbank, unter anderem wegen Freigrenzen, die die EZB Kreditinstituten inzwischen einräumt, 26 Prozent weniger an negativen Zinsen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zahlen musste.

Bestandskunden sind vor Verwahrentgelten nicht sicher

Bislang hatten die Banken vor allem Geschäfts- und vermögende Privatkunden im Visier. Die bestehende, treue Kundschaft hatte nichts zu befürchten. Doch das war einmal. Wichtige, große Sparkassen machen ernst. So kündigte die Onlinetochter der Frankfurter Sparkasse, die 1822direkt, jetzt an, nicht nur Neukunden für Einlagen oberhalb von 50.000 Euro ein Verwahrentgelt zu berechnen.

Auch für Bestandskunden, so der Vorstand, werde man keine Ausnahme mehr machen. Und folgt damit praktisch der größten deutschen Sparkasse, der Hamburger Sparkasse (Haspa), die bei Bestands- wie Neukunden ab Mai Minuszinsen ab einem Betrag von 50.000 Euro einführen wird.

Wer nicht will, der fliegt

Wobei die Geldhäuser ihren Bestandskunden nur Negativzinsen aufdrücken können, wenn diese auch zustimmen. Allerdings zeigt das Beispiel der Düsseldorfer Stadtsparkasse, dass es offenbar auch anders geht. Sie kündigte einigen unwilligen, vermögenden Kunden einfach für Ende März.

Das aggressive Vorgehen einiger Sparkassen zeigt, dass die Gefahr näher rückt. Einst warben die Geldhäuser um die Einlagen der Sparer. Den Weltspartag gibt es noch heute. Doch das hat sich gründlich geändert. Man habe sich zu diesem drastischen Schritt entschlossen, weil bereits zuvor zahlreiche Wettbewerber Minuszinsen eingeführt hätten und immer mehr Kunden das Geld zur Haspa gebracht hätten, erklärten jüngst die Verantwortlichen der Hamburger Sparkasse.

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