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Stadt Vittel kritisiert Nestlé

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Grundwasserspiegel sinkt - Stadt Vittel kritisiert Nestlé

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Der größte Lebensmittelkonzern der Welt pumpt in Vittel jährlich eine Milliarde Liter Wasser ab. Die Anwohner protestieren und befürchten, dass sie bald auf dem Trockenen sitzen.

Vittel ist eine Mineralwassermarke der Nestle Waters Deutschland und wird europaweit vertrieben
Vittel ist eine Mineralwassermarke der Nestlé Waters Deutschland und wird europaweit vertrieben
Quelle: imago

Seit Jahrzehnten ist Nestlé in Frankreich aktiv und produziert in der Kleinstadt Vittel sein gleichnamiges Wasser. Das Geschäftsmodell: Für geringe Gebühren hochwertiges Wasser abpumpen und in Plastikflaschen verpackt in ganz Europa verkaufen. Die Kritik daran wird seit Jahren von Anwohnern und Naturschützern formuliert.

Jetzt stellt sich Vittel dieser Kritik vor laufender Kamera - und zeigt sich uneinsichtig. Dabei sinkt der Grundwasserspiegel ständig. Für ein Geschäft, bei dem plastikverpacktes Wasser millionenfach teuer international verkauft wird.

Wir fordern von Nestlé, das Abfüllen schnellstmöglich und sofort zu beenden, da das Wasser morgen der Bevölkerung fehlen wird.
Bernard Schmitt, Anwohner und Umweltschützer mit Sitz in der lokalen Wasserkommission

Was passiert in Vittel?

In der Kleinstadt in den Vogesen, die vor allem für ihr Wasser bekannt ist, leben rund 5.000 Einwohner. Und genau hier darf Nestlé seit 1990 mit der Erlaubnis der lokalen und staatlichen Ämter jährlich eine Million Kubikmeter Wasser abpumpen.

Wem gehört das Wasser?

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7 min
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Dabei bedient sich der Weltkonzern aus drei verschiedenen Tiefen: Die ersten beiden Brunnen reichen von fünf bis circa 70 Meter Tiefe. Hier schöpft Nestlé seine Wasser Hépar, hauptsächlich für den französischen Markt, sowie Vittel Grande Source und Contrex (ebenfalls in Deutschland erhältlich).

Hochwertiges Grundwasser

Im dritten Brunnen, den Sandsteinschichten der tiefliegenden Trias, geht es bis zu 250 Metern Tiefe. Die Marke, die hier entsteht: Vittel Bonne Source. Dieses Wasser sei aufgrund seiner Mineralstoffzusammensetzung hochwertig.

Während die ersten beiden Brunnen ausschließlich von Nestlé Waters betrieben werden, teilt man sich die dritte Quelle mit einer örtlichen Käserei, der Landwirtschaft und den Anwohnern von Vittel. Das ist ihr Grundwasser.

Nesquik, Vittel, Maggi – alles Produkte von Nestlé, dem weltgrößten Nahrungsmittelkonzern. Die Doku zeigt, wie es um Fairness, Verantwortung und Produktqualität bei Nestlé steht.

Beitragslänge:
43 min
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Das Problem und die Quelle jeder Kritik: Der Grundwasserspiegel sinkt jährlich um etwa 30 Zentimeter. Die Ortschaft trocknet zunehmend aus. Trotzdem wird das Wasser millionenfach vor allem nach Deutschland verkauft.

Nestlé Waters zu Unrecht am Pranger?

Wir sind seit vielen Jahrzehnten hier in der Region. Wir pumpen mehr Wasser ab als es sich natürlicher Weise regenerieren kann, wodurch der Grundwasserspiegel seit dreißig Jahren jedes Jahr ständig sinkt. Darin ist also nichts Neues.
Ronan Le Fanic, Werksdirektor Nestlé Waters

Dem Konzern ist das Problem nach eigenen Angaben seit 30 Jahren bekannt. Als Reaktion hat Nestlé Waters in den letzten zehn Jahren sein Pumpvolumen um 30 Prozent reduziert. Somit würde man hier mittlerweile sogar weniger entnehmen, als man dürfe.

Außerdem beschäftige Nestlé Waters etwa 1.000 Menschen. Die würden ihren Job verlieren, wenn man sich zurückziehe.

Wir investieren jedes Jahr viel Geld in diese Fabrik. Es gibt also keinen Grund diesen Ort zu verlassen.
Ronan Le Fanic, Werksdirektor Nestlé Waters

Nestlés Vertrag läuft noch bis 2027

Für die Wasserentnahme zahlt Nestlé Waters im Schnitt jährlich 13 Millionen Euro Steuern an Gemeinde und Staat. Für Kritiker wie Bernard Schmitt kein echter Trost.

Er fordert Nestlé auf, sich zumindest aus dem tiefsten Wasseraufkommen zurückzuziehen, damit sich die Quellen wieder regenerieren können und der Grundwasserpegel wieder auf ein Normalhoch steigt. Doch der Vertrag mit dem Lebensmittelgiganten läuft noch mindestens bis 2027.

Die jungen Menschen werden ab 2050 kein Wasser mehr haben. Das ist eine ernste Sache.
Bernard Schmitt, Anwohner und Umweltschützer mit Sitz in der lokalen Wasserkommission

Nestlé weist die Szenarien der Anwohner zurück und möchte so weitermachen wie bisher. Der Konzern beharrt auf seinem Gewohnheitsrecht und den laufenden Verträgen. Auch zur Abfüllung in PET sieht der Konzern aktuell keine Alternativen. Die Geschäftspraktiken von Nestlé in Vittel werden demnach auch in den nächsten Jahren bestehen bleiben.

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