Oliver Blume: VW-Chef und Porsche-Chef in Personalunion

    Blume neuer Volkswagen-Chef:Bademeister im Haifischbecken VW

    von Andreas Linke
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    Oliver Blume ist ab heute der starke Mann in Wolfsburg. Aber auch weiterhin in Zuffenhausen - er soll den Volkswagenkonzern und Porsche in einer Doppelrolle führen.

    Archiv: Oliver Blume
    Porsche-Chef Oliver Blume ist jetzt auch Chef von VW.
    Quelle: dpa

    Das Wort Teamplayer fällt oft, wenn es darum geht, Oliver Blume als Chef zu charakterisieren. Bislang war er das bei Porsche, seit 2015. Er ist Ingenieur, Naturwissenschaftler, eher ruhig und kontrolliert, trotzdem durchsetzungsstark und zielstrebig - sagen Leute, die ihn kennen. 1994 kam er als Trainee in den Konzern.

    Technikfan genießt Vertrauen der Gründerfamilien

    Um die Karriere des 54-Jährigen zu verstehen, sollte man sich daran erinnern, dass Porsche inzwischen eine Tochter des VW-Gesamtkonzern ist. Dessen Mehrheitseigentümer sind die Gründerfamilien Porsche und Piëch. Die Familie schenke dem langjährigen Mitarbeiter Vertrauen, sagt Automobilexperte Stefan Reindl vom IfA in Geislingen.
    Der technikgetriebene Mensch habe gut in das technikgetriebene Unternehmen Porsche gepasst. Vor allem, wie schnell sich der Elektro-Sportwagen Taycan am Markt etabliert hat, sei positiv zu bewerten. Und die Tatsache, welche Ergebnisse Porsche immer wieder zum Gesamtkonzern beisteuere.

    Vorstandschef des Sportwagenbauers Porsche, Oliver Blume.
    Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

    Der 54-Jährige machte in Braunschweig Abitur und studierte dort an der Technischen Universität Maschinenbau - in dem Fach promovierte er auch. Den VW-Konzern mitsamt seinen verschiedenen Marken kennt Blume bestens. Als Trainee startete er 1994 bei Audi, wo er sich hocharbeitete. Nach einer Station bei Seat landete er 2009 als Leiter der Produktionsplanung bei der Marke Volkswagen.

    2013 wurde Blume als Vorstand zur Sportwagentochter Porsche nach Stuttgart berufen. Dort verantwortete er zunächst die Bereiche Produktion und Logistik, ehe er 2015 Vorstandsvorsitzender wurde. Blume richtete Porsche früh auf die Elektromobilität aus und verplante dafür Milliarden, lieferte aber zuverlässig weiter Gewinne ab - Porsche gehört zu den renditestärksten Marken im Konzern. Der Elektrosportwagen Taycan kam vergleichsweise früh auf den Markt. Den problematischen Dieselantrieb strich Blume ganz aus dem Programm.

    2030 will der Sportwagenbauer 80 Prozent seiner Autos als reine Batteriemodelle verkaufen. Bei der Software für die künftigen Autos ließ sich Blume jüngst nicht in das VW-Konzernkorsett zwingen, damit neue Modelle mit eigens weiterentwickelter Software früher auf den Markt kommen können.

    "Ich freue mich sehr, die Porsche AG und den Volkswagen-Konzern gemeinsam zu führen", sagte Blume laut Mitteilung. Sein Fokus liege auf den Kunden, Marken und Produkten. Blume hatte hinter den Kulissen bereits länger als möglicher Nachfolger von Konzernchef Herbert Diess gegolten. In diesem Jahr soll der Sportwagenbauer an die Börse gehen - und in Teilen auch wieder direkt in die Hände der Eigentümerfamilien. Es könnte einer der größten Börsengänge der jüngeren Zeit in Deutschland werden.

    Doppelchef an zwei Standorten

    Doch der Erfolg bei Porsche führt Blume in seine Doppelrolle. Teile von Porsche will die Familie gesondert an die Börse bringen. Die endgültige Entscheidung dazu soll in diesen Tagen fallen. Da kann der bisherige Vorstandsvorsitzende nicht einfach komplett nach Wolfsburg wechseln. Mittelfristig werde das aber schon geschehen, vermuteten Aktienanalysten.
    Bis dahin muss der Teamplayer seine Mitspieler gut einsetzen, um Porsche im Griff zu behalten und den VW-Konzern, der ja als Haifischbecken gilt, in den Griff zu bekommen. Nicht nur das Verhältnis der Manager der vielen VW-Töchter und des Gesamtkonzerns untereinander prägt das Bild. Hinzu kommen noch die Eigentümerfamilien, das Land Niedersachsen mit einer Sperrminorität und vor allem der starke Betriebsrat und die IG Metall.
    Automobilexperte Reindl traut Blume zu, am Beckenrand ein erfolgreicher Bademeister zu werden. Mit seiner Ausgeglichenheit, aber auch mit seiner Konzernerfahrung werde er das "wuppen", so Reindl. Blume könne mit einer neuen Art der Führung Einfluss auf die Konzernphilosophie nehmen.

    VW-Baustellen in der Software

    Die Zahl der Baustellen, die auf Blume in Wolfsburg warten, ist gar nicht so niedrig. Da ist zunächst mal die Software-Tochter Cariad, über deren Misserfolg und letztlich über den Streit darum Blumes Vorgänger Herbert Diess gestolpert ist.
    Verzögerungen bei der Software-Entwicklung bremsen die Markteinführung ganzer Baureihen. Die geplante konzernweite Plattform stockt, Marken wie Porsche und Audi gingen zuletzt wieder eigene Wege. Hinzu kommt, dass Volkswagen in vielen Regionen wie China, Nordamerika und Europa Marktanteile verliert.

    Ausbau Elektrofahrzeuge vorantreifen

    Immerhin hat Diess schon den Umbau zum Konzern für Elektrofahrzeuge in die Wege geleitet. Ein extremer Umbruch, den Blume jetzt weiter führen und moderieren muss. Seine Porsche-Erfahrung wird ihm dabei helfen. Die Zuffenhausener verkauften bereits einen Anteil von 22 Prozent ihrer Fahrzeuge mit Elektro oder Hybridantrieb, bei VW sind es bislang nur acht von hundert.
    Bauern im ganzen Land sorgen sich aufgrund des Klimawandels um ihre Ernte. Ein Bio-Bauer aus NRW gibt den Automobilkonzern VW eine Mitschuld und klagt.20.05.2022 | 1:09 min
    Die Aufgabe für Oliver Blume ist groß. Der Umsatz des VW-Konzerns ist mit rund 250 Milliarden Euro etwa so groß wie das Bruttoinlandsprodukt eines Landes wie Portugal. Man kann davon ausgehen, dass der neue VW-Chef künftig seine Worte noch sorgfältiger wählen wird. Damit er Fettnäpfchen wie kürzlich umgehen kann, als er mit guten Kontakten zu FDP-Chef Lindner prahlte. Dass er den Fehler im Anschluss einräumte, passte dann eher zu ihm.