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Interview

Niedrigwasser und die Folgen : Wie sich die Industrie für Dürrejahre wappnet

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Niedrigwasser auf dem Rhein ist ökonomisch ein echtes Problem. Saskia ‎Meuchelböck vom IfW Kiel hat das Thema untersucht und sagt im Interview, was auf ‎die Wirtschaft zukommt.‎

Historische Dürre und Niedrigwasser am Rhein. Was bedeutet das für Deutschlands wichtigste Wasserstraße? "planet e." zeigt die Folgen für Umwelt, Wirtschaft und die Menschen.

Beitragslänge:
28 min
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ZDFheute: Niedrige Pegel bedeuten weniger Tiefgang, mehr Schiffe mit weniger ‎Ladung, höhere Kosten - besonders bei diesen Treibstoffpreisen. Wann kommt der ‎Punkt, an dem sich das alles nicht mehr lohnt?‎

Saskia Meuchelböck: Das liegt im Ermessen der Logistikunternehmen. Bei Niedrigwasser ‎werden zum Ausgleich der höheren Kosten sogenannte Kleinwasserzuschläge erhoben. Bei ‎einem Pegelstand von unter 40 Zentimetern in Kaub - ein Nadelöhr am Rhein, da der Fluss an dieser ‎Stelle besonders flach ist - wird es für die meisten Binnenschiffe kritisch.

ZDFheute: Der Rhein ist die wichtigste Wassertransportstraße Deutschlands. Was bedeutet das ‎Niedrigwasser für die Industrie?‎

Meuchelböck: Unsere Analysen zu den Folgen des Niedrigwassers auf dem Rhein zeigen, dass ‎die Industrieproduktion in Deutschland in einem Monat mit 30 Tagen Niedrigwasser um etwa ein Prozent ‎zurückgeht.‎ Zwar werden in Deutschland nur rund fünf Prozent der beförderten Güter per Binnenschiff transportiert. ‎

Es handelt sich jedoch größtenteils um Roh- und Grundstoffe wie Kohle, Metallprodukte oder ‎chemische Erzeugnisse. Diese Güter werden häufig in der Produktion als Vorleistungsgüter ‎benötigt.‎ Kommen die Güter nicht mehr bei den Unternehmen an, kann es zu Behinderungen in ‎nachgelagerten Produktionsstufen kommen.

So kann ein Schock in einem kleinen ‎Wirtschaftszweig wie der Binnenschifffahrt beträchtliche Auswirkungen auf die Wirtschaft ‎haben.‎
Saskia Meuchelböck

In diesem Sommer herrscht im Rhein gefährliches Niedrigwasser. Um nicht auf Grund zu laufen, müssen Lastschiffe einen Großteil ihres Frachtraums leer lassen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

ZDFheute: Was machen einzelne Firmen? Wie gehen sie mit der aktuellen Lage um? Hoffen auf ‎Regen ist ja keine Strategie.‎

Meuchelböck: Bereits im Jahr 2018 waren die Pegelstände am Rhein für lange Zeit ‎außergewöhnlich niedrig. Einzelne Unternehmen haben darauf bereits reagiert, um für künftige ‎Niedrigwasserereignisse gewappnet zu sein und zum Beispiel in Schiffe mit niedrigerem Tiefgang ‎investiert. Diese können auch bei niedrigen Pegelständen noch Güter transportieren.‎ Teilweise weichen Unternehmen auch auf andere Transportmittel, zum Beispiel auf Güterzüge, ‎aus. Die Kapazitäten sind allerdings begrenzt und der Umstieg kurzfristig oft kaum möglich.‎

Geisterdorf Aceredo

Kriegsrelikte und Geisterdörfer - Was das Niedrigwasser zum Vorschein bringt 

Wehrmachtsmunition, Kriegsschiffe und Geisterdörfer: Hitze und Niedrigwasser fördern in Europas Flüssen und Seen viele Ruinen zutage. Das dürfte neue "Normalität" werden.

ZDFheute: Wir hatten jetzt vier Dürre-Jahre in kurzer Folge. Niedrigwasser wird häufiger ‎werden. Schauen wir mal 10, 20 Jahre in die Zukunft. Welche Veränderungen und ‎Anpassungsprozesse kommen auf die deutsche Wirtschaft zu?‎

Meuchelböck: Investitionen in die Infrastruktur am Rhein und anderen Flüssen können helfen, ‎künftigen Niedrigwasserperioden zu begegnen. Dazu zählt die Anschaffung von Schiffen mit ‎niedrigerem Tiefgang oder der Ausbau von Ladestellen, die das Ausweichen auf Güterzüge ‎erleichtern.

Der Bundesverkehrswegeplan 2030 sieht vor, an bestimmten Stellen des Rheins die ‎Fahrrinnen zu vertiefen.‎ Darüber hinaus können Prognosen zu Wasserständen helfen, die Planbarkeit zu erhöhen. ‎Unternehmen können dann frühzeitig auf drohendes Niedrigwasser reagieren und zum Beispiel ihre ‎Lagerhaltung erhöhen.‎

Das Interview führte Carsten Meyer.‎

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