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Nord Stream 2 ausgesetzt - Müssen Verbraucher in diesem Winter frieren?

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Die politisch umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 wird in diesem Winter nicht mehr in Betrieb gehen. Droht nun ein Engpass in der Gasversorgung?

Ein Schild mit der Aufschrift "Nord Stream 2"
Die Gas-Pipeline "Nord Stream 2" ist nicht bloß eine Versorgungsleitung - sie ist ein Politikum. Was bedeutet das für Verbraucher?
Quelle: reuters

So schlimm wird es in Deutschland wohl nicht kommen, zumindest solange der Winter nicht zu hart wird. Darin sind sich die meisten Experten einig. Der Grund für die neuerliche Sorge: Vor wenigen Tagen hatte die Bundesnetzagentur das Zulassungsverfahren für die Gaspipeline aus Russland vorläufig ausgesetzt, bis die Betreiberfirma nach deutschem Recht organisiert wird.

Dadurch verzögert sich das Verfahren und damit die Zulassungsfrist, die sonst am 7. Januar abgelaufen wäre. "Das war zu erwarten", sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Denn die EU-Regeln sehen vor, dass Förderung, Lieferung und Betrieb von Gas auf getrennte Unternehmen aufgeteilt werden.

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat die neue Bundesregierung aufgerufen, die Gaspipeline Nord Stream 2 zu stoppen. Er befürchtet zunehmende Abhängigkeiten von Moskau.

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Keine relevanten Gas-Lieferungen vor dem Frühjahr 2022

Die Zertifizierung durch die Bundesnetzagentur aber wäre nur der erste Schritt, erklärt Thomas Engelke, Teamleiter Energie und Bauen des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV). Danach muss auch die EU-Kommission noch der Inbetriebnahme zustimmen - vor dem Frühjahr wären also ohnehin keine relevanten Mengen Gas durch die neue Pipeline nach Europa geleitet worden.

"Deshalb rechne ich nicht mit Auswirkungen auf die Versorgung", sagt Engelke - solange eben der Winter nicht zu hart wird.

Russland drängt auf Zulassung von Nord Stream 2

Dass Russland nun aber Druck ausübe und über andere Transportwege die Lieferungen reduziere, das habe geopolitische Gründe und sei abzusehen gewesen, meint DIW-Expertin Kemfert. Zu Beginn der Woche hatte der staatlich kontrollierte russische Gaskonzern Gazprom keine zusätzlichen Transportkapazitäten für die Pipelines durch die Ukraine und Polen für Dezember gebucht.

Die Pipeline Nord Stream 2 wird, so der Plan, bald über die Ostsee russisches Gas nach Deutschland und Mitteleuropa bringen. So soll die Energieversorgung sichergestellt werden, heißt es.

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Damit wolle Russland Druck auf Deutschland und Europa auszuüben, Nord Stream 2 so schnell wie möglich zuzulassen, glaubt Kemfert:

Die Gazprom-Speicher in Europa sind auffällig leer.
Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)

Westsahara-Konflikt verschärft Gas-Engpässe

Aus Russland kommen Eurostat zufolge gut 41 Prozent der Erdgasimporte, gut 16 Prozent stammen aus Norwegen, knapp acht Prozent aus Algerien. Daneben gibt es noch verschiedene Lieferanten von Flüssiggas (LNG), mit denen Engpässe aufgefangen werden.

Bedenklich ist, dass wegen des Westsahara-Konflikts mit Marokko Algerien die Gaslieferungen für den Nachbarn eingestellt hat - mit der Folge, dass auch Spanien und Portugal kein Gas mehr durch diese Pipeline erhalten. Damit verschärft sich die Versorgungslage also weiter.

Rückschlag für die umstrittene Gaspipeline Nord Stream 2: Die Bundesnetzagentur hat ihr Verfahren zur Zertifizierung vorläufig ausgesetzt. Was bedeutet das jetzt?

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Gaspreise schnellen in die Höhe

Aktuell sind die Gasläger in Europa nur zu etwa 74 Prozent gefüllt, das ist der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Normal seien vor Winterbeginn eher 90 Prozent, sagt Thomas Benedix, Rohstoffexperte der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment. Dieser niedrige Stand sei der wesentliche Grund, warum die Märkte in den letzten Tagen so empfindlich auf die Verzögerung der Zulassung reagiert hätten.

Denn die Preise schossen (wieder einmal) in die Höhe. Die extremen Steigerungen der Großhandelspreise treffen zwar nur die Anbieter, die sich direkt am Markt eindecken. Aber auch die Verbraucher müssten zunehmend hohe Preisanpassungen tragen, sagt Energieexperte Engelke vom VZBV. Wer die höheren Preise schon in der intensiven Heizperiode zu Beginn des Jahres zahlen müsse, werde das besonders spüren.

Verbraucherschützer fordern Entlastung

Damit auch Haushalte mit niedrigen Einkommen die Kosten künftig tragen könnten, müssten diese unterstützt werden, fordern die Verbraucherschützer. Das könne durch die Erhöhung des Wohngeldes oder der Altersgrundsicherung geschehen. Darüber hinaus müsse verhindert werden, dass Haushalten mit geringem Einkommen bei Zahlungsverzug womöglich das Gas oder der Strom gesperrt wird.

Mehr zur politisch umstrittenen Gas-Pipeline Nord Stream 2 finden Sie auf unserer Übersichtsseite:

Nord Stream 2

Nachrichten | Thema - Nord Stream 2 

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