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Interview

Energieexpertin erklärt : Nord-Stream-Stopp: Wird der Strom nun teurer?

Datum:

Als Reaktion auf die Entsendung russischer Truppen in die Ostukraine wird die Ostsee-Pipeline vorerst gestoppt. Was das Nord-Stream-2-Moratorium für Verbraucher bedeutet.

Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 2 in Lubmin
Geht vorerst nicht ans Netz: die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2
Quelle: dpa

Eigentlich sollte die russische Gaspipeline Nord Stream 2 noch in diesem Jahr ans Netz gehen. Nun wurde das Vorhaben vorläufig gestoppt - als Sanktion gegen Russland für die Entsendung von Truppen in die Ostukraine.

Die Sorge vor explodierenden Energiekosten wächst. Nicht zuletzt wegen der Drohung von Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew, dass die "Europäer bald 2.000 Euro pro 1.000 Kubikmeter Gas zahlen".

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Welche Auswirkungen der Stopp für die Energiekosten, -wandel und die Energieversorgung in Deutschland tatsächlich hat, erklärt Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, im Interview mit ZDFheute.

ZDFheute: Bundeskanzler Scholz hat die Zertifizierung von Nord Stream 2 gestoppt. Ist die Pipeline damit endgültig gestoppt?

Claudia Kemfert: Es hängt entscheidend davon ab, wie die Krise nun weitergeht. Sollte sich der Konflikt weiter verschärfen, wird nicht damit zu rechnen sein, dass Nord Stream 2 zertifiziert und in Betrieb gehen wird.

ZDFheute: Welchen Anteil an der Erdgasversorgung hätte Nord Stream 2 gehabt?

Kemfert: Gasimporte aus Russland würden durch die Inbetriebnahme nochmals deutlich steigen. Derzeit importiert Deutschland etwa 55 Prozent seiner Gasimporte aus Russland. Der Anteil würde sich dann auf knapp 70 Prozent erhöhen. Aber:

Wir benötigen diese Pipeline nicht. Wir weisen seit vielen Jahren darauf hin, dass Nord Stream 2 unprofitabel, unnötig, klimapolitisch und geopolitisch schädlich ist.
Claudia Kemfert

Es gäbe genügend andere Möglichkeiten, Gas nach Deutschland zu transportieren. Europa verfügt insgesamt über hohe Flüssiggas-Kapazitäten, auf die auch Deutschland zurückgreifen kann. Wichtig ist jetzt aber, sich so schnell wie möglich von fossilem Erdgas zu verabschieden.

ZDFheute: Müssen die Deutschen nun frieren?

Kemfert: Die Deutschen müssen nicht frieren, weil Nord Stream 2 gestoppt wird. Diese Pipeline hat noch gar kein Gas geliefert. Zudem sind wir am Ende des Winters. Je nachdem wie die Krise weitergeht und dadurch fossile Energielieferungen aus Russland eingestellt werden, muss die Energieversorgungssicherheit beurteilt werden. Im allerschlimmsten Fall kann es dazu kommen, dass die Industrie den Verbrauch drosseln muss.

Das Aus für Nord Stream 2 kam gerade noch rechtzeitig, kommentiert ZDF-Korrespondent Florian Neuhann die Entscheidung der Bundesregierung:

Mecklenburg-Vorpommern, Lubmin: Ein Schild mit der Aufschrift "Nord Stream 2".
Kommentar

Stopp von Nord Stream 2 - Endlich - nach langem Zögern das Aus 

Warum der Stopp von Nord Stream 2 im Angesicht der russischen Eskalation gerade noch rechtzeitig kam. Und was Europa jetzt dringend anpacken muss.

von Florian Neuhann

ZDFheute: Wie kann man die Energie, die Nord Stream 2 geliefert hätte, künftig ersetzen?

Kemfert: Durch erneuerbare Energien. Je schneller wir diese ausbauen und wir Gebäude besser dämmen und Alternativen einsetzen, desto besser.

Um die Klimaziele zu erreichen, muss der Anteil fossiler Energien, auch von Erdgas, sinken.
Claudia Kemfert

Daher haben wir diese Pipeline ohnehin nicht gebraucht, wie wir seit Jahren in zahlreichen Studien nachweisen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

ZDFheute: Rechnen Sie mit deutlichen Auswirkungen auf die deutsche Industrie - vor allem die energieintensiven Branchen?

Kemfert: Die energieintensive Industrie wird von steigenden Energiepreisen für fossile Energien belastet. Die Industrie muss ebenso wegkommen von fossiler Energie.

Erneuerbare Energien wirken preissenkend. Wenn dann noch Energie eingespart wird, können die Kosten dauerhaft sinken.
Claudia Kemfert

Die Regierung muss der Branche helfen, Investitionen in das Energiesparen und den Einsatz von alternativen Energien zu tätigen.

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ZDFheute: Was bedeutet das für die Energiepreise?

Kemfert: Die Gaspreise sind aufgrund der schwierigen Lage ohnehin schon gestiegen. Es ist mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen - aber nicht, weil Nord Stream 2 gestoppt wird, sondern weil es sich generell um eine sehr ernste geopolitische Krise handelt. Ob und wie lange diese anhält, ist ungewiss. Sicherlich werden die Preise für Öl und Gas aber weiter steigen.

ZDFheute: Muss Deutschland nun mit Schadenersatzklagen der beteiligten Firmen rechnen?

Kemfert: Noch ist es zu früh, zu beurteilen, ob es tatsächlich zu Schadenersatzforderungen kommen kann. Sollte die Pipeline niemals in Betrieb gehen, wird vermutlich damit zu rechnen sein.

ZDFheute: Bedeutet der Stopp für Nord Stream 2 also auch eine Chance für die Energiewende?

Kemfert: Der Stopp von Nord Stream 2, aber die gesamte geopolitische ernste Lage, ist eine Chance für die Energiewende. Die beste Antwort auf fossile Energiekriege ist die Energiewende mit dem raschen Ausbau der erneuerbaren Energien und dem Energiesparen.

Es gibt aber auch Risiken, da aufgrund der sehr stark steigenden Öl- und Gaspreise die Energiekosten sehr stark steigen und so die Wirtschaft belasten können.

Damit die Investitionen in das Energiesparen vorankommen muss die Regierung alles dafür tun, der Industrie zu helfen auf dem Dekarbonisierungspfad und die erneuerbaren Energien rasch ausbauen. Erneuerbare Energien und Energiesparen senken die Energiekosten.

Das Interview führte Brigitte Scholtes.

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