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Obst ohne Gift - Wenn Natur Chemie ersetzt

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Pestizidfreier Anbau - Obst ohne Gift - Wenn Natur Chemie ersetzt

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Etwa 70 Kilogramm Obst und Gemüse isst jeder Deutsche im Jahr. Doch ausgerechnet unsere Äpfel und Weintrauben werden mit Pestiziden gespritzt. Oft mehr als zehnmal pro Saison.

Äpfel und Trauben zählen zu den Lebensmitteln, bei denen am meisten Pestizide eingesetzt werden. Dabei geht es auch anders. Mit neuen Sorten und mit der Kraft der Natur.

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In Schleswig-Holstein hat sich der gelernte Bänker und studierte Jurist Harald Quint einen Traum erfüllt und eine eigene Obstplantage aufgebaut. Neue Wege will er gehen und so weit es geht auf chemischen Pflanzenschutz verzichten. Diese Form des Obstanabaus ist für ihn eine Investition in die Zukunft:

Wenn wir wissen, dass wir nur auf Zeit hier sind, dann sollten wir den nachfolgenden Generationen auch möglichst viel erhalten. Und ein fruchtbarer Boden ist dann das Wichtigste.
Harald Quint, Obstbauer

Statt Insektiziden setzt Quint Hühner ein, die schädliche Insekten unter den Obstbäumen wegpicken. Seine Äpfel und Pflaumen sehen zwar nicht makellos aus, aber sie schmecken gut und im eigenen Hofladen kann er sie verkaufen. "Wenn ich meine Früchte an einen Großhändler liefern würde, müsste ich gut ein Drittel aussortieren, bloß weil sie optisch nicht passen, dabei schmecken sie tadellos." 

Lebensmittelverschwendung, weil die Optik nicht passt

Weltweit wird etwa ein Drittel aller Lebensmittel vernichtet. Viele kommen gar nicht in den Handel, weil sie nicht den selbstgesetzten optischen Kriterien der Supermärkte entsprechen.

Das hat Michael Dusong in Neuchatel in der Schweiz schon lange geärgert. Deshalb hat er einen Online-Versandhandel für hässliche Früchte gegründet. Seine "Ugly Fruits" holen Mitarbeiter bei den Bauern ab und verschicken sie direkt an die Kunden.

Sehen Sie hier die plan b-Doku "Zu gut für den Müll":

In Deutschland landen im Jahr mehr als 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, weltweit sind es über eine Milliarde. "plan b" zeigt Vorreiter, die gegen den Verschwendungswahnsinn kämpfen.

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Und Dusong geht noch einen Schritt weiter. Gemeinsam mit sieben Mitstreitern hat er eine Volksinitiative gegründet und erfolgreich Unterschriften gesammelt: für eine pestizidfreie Schweiz.

Schon in wenigen Monaten soll es eine Volksabstimmung über den zukünftigen Einsatz der chemischen Pflanzenschutzmittel geben. Sie könnte Auswirkungen auch auf andere europäische Länder haben: "Wir haben auch jetzt schon viel bewegt, weil wir die Menschen zwingen, über Pestizide an Lebensmitteln nachzudenken.

Selbst wenn wir keine Mehrheit bekommen sollten, haben wir in den Köpfen schon viel verändert.
Michael Dusong

Discounter: Bio-Obst als Ware zweiter Klasse

Auch Jutta Kienzle von der Uni Stuttgart-Hohenheim kämpft seit Jahren dafür, Bio-Obst mit kleinen Macken gesellschaftsfähig zu machen. Im Discounter werden die Früchte aufgrund ihrer optischen Natürlichkeit fast immer als Waren zweiter Klasse angeboten - trotz der höheren Preise, die Biobauern verlangen müssen, um über die Runden zu kommen.

Kienzle will in einem bundesweiten Geschmackstest beweisen, dass makellose Äpfel nicht besser schmecken als Früchte mit kleinen Schalenfehlern: "Optisch einwandfreies Obst ist nicht die beste Wahl, weil der Verbraucher sich damit um gute, vielfältige Geschmackserlebnisse bringt und weil optisch einwandfreies Obst auch eine Reduzierung der Artenvielfalt bedeutet."

Denn ohne Pestizide sind makellose Früchte nicht herzustellen.
Jutta Kienzle

Teuer oder billig: Die WISO-Kollegen vergleichen Bio-Gurken mit Gurken aus konventionellem Anbau.

Weinbau: Cabernet Blanc ohne Pestizide

Winzer Klaus Rummel aus Landau in der Pfalz hat schon vor 30 Jahren erkannt, dass der ständig steigende Pestizideinsatz im Weinanbau keine zukunftsfähige Lösung sein kann. Gemeinsam mit einer Rebschule hat er angefangen, neue, pilzwiderstandsfähige Weinsorten zu züchten.

Inzwischen kann er erstaunliche Erfolge vorweisen. Zwei Weinsorten haben es geschafft und werden inzwischen auch von anderen Winzern aus ganz Europa nachgefragt: "Früher wurde ich als Spinner belächelt, heute soll ich Vorträge halten über pilzwiderstandsfähige Weinsorten. Ich glaube ich habe dann doch etwas richtig gemacht", erzählt der Winzer stolz, wenn er seinen Cabernet Blanc anbietet.

Auch im französischen Weinbau wurden oft Pestizide eingesetzt. Sehen Sie einen Bericht unserer ZDF-Korrespondentin Christel Haas:

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