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Gefährlicher Online-Handel - Verbraucherschützer fordern schärfere Regeln

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Immer wieder werden bei Amazon, Ebay, Wish und Co. gefährliche Produkte angeboten. Einmal vom Markt genommen, tauchen sie wenig später wieder auf - nur mit anderen Markennamen.

Immer wieder tauchen auf Shopping-Portalen unter neuem Namen Produkte auf, die eigentlich wegen Sicherheitsmängeln bereits vom Markt genommen wurden.

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Florian Wanner erinnert sich. Vor gut einem Jahr stand sein Haus in Flammen. Er musste alles komplett renovieren. Schuld war ein Akku-betriebener Baustrahler, der sich im entladenen Zustand plötzlich selbst entzündet hat. So zumindest steht es in einem Brandgutachten, das seine Versicherung in Auftrag gab.

Den Baustrahler hatte er günstig bei Ebay gekauft. Ein Importprodukt aus Fernost, aber dennoch sicher, dachte Florian Wanner: "Wenn die Bewertung gut ist, bestellt man das halt und man geht eigentlich davon aus, dass das sicher ist." Ein Trugschluss, wie Studien zeigen.

Online-Produkte mit Sicherheitslücken

Viele Produkte, die es im Online-Handel zu kaufen gibt, haben Sicherheitsmängel. Sechs europäische Verbraucherorganisationen haben bei Amazon, Wish, Ebay, Aliexpress und LightInTheBox insgesamt 250 Produkte gekauft und in Laboren testen lassen. "Wir waren schockiert über das Ergebnis", erzählt Sylvia Maurer von Europäischen Verbraucherverband BEUC.

Man kann sagen, dass zwei Drittel aller Produkte so gefährlich sind, dass sie in Europa eigentlich nicht verkauft werden dürfen. Das heißt, sie sind illegal in Europa auf den Markt.
Sylvia Maurer, Europäischer Verbraucherverband

Laut der Untersuchung sind krebserregende Stoffe in Baby-Spielzeugen keine Ausnahme, chemische Grenzwerte waren teilweise über das Zweihundertfache überschritten. Eine Powerbank ist im Test durchgeschmort. Auch der überwiegende Teil der getesteten USB-Ladekabel fiel durch die Sicherheitsprüfungen. "Wir haben in manchen Produktgruppen nicht ein einziges legales Produkt gefunden."

Dabei ist das Problem lange bekannt. Im Jahr 2018 hatten sich die Vertreter der vier großen Online-Marktplätze AliExpress, Ebay, Rakuten und Amazon freiwillig dazu verpflichtet, mehr auf Produktsicherheit zu achten. Im Beisein der damaligen EU-Kommissarin für Verbraucherschutz, Vĕra Jourová, unterschrieben sie den "Safety Pledge". Doch mehr als eine Absichtserklärung ist davon nicht übriggeblieben.

Gefährliche Haartrockner bei Amazon - Konzern reagiert auf ZDF-Recherche

Wie eine Recherche von Frontal zeigt, werden selbst Produkte, die Behörden wegen Sicherheitsmängeln bereits vom Markt genommen haben, auf den gleichen Shopping-Portalen kurze Zeit später wieder angeboten - nur unter anderem Markennamen. Ein zurückgerufener Fön der Marke "Pluie Soleil" taucht bei Amazon wieder auf und heißt nun "DFGOTOP".

Ein gefährlicher Fön der Marke "Skey" wird umgelabelt in "F350". Beide Haartrockner können einen elektrischen Schlag verursachen und sind auf "Safety Gate“ gelistet, einer öffentlich zugänglichen EU-Datenbank mit gefährlichen Produkten, deren Verkauf europäische Marktüberwachungsbehörden verboten haben.

Frontal konfrontiert Amazon mit den Testergebnissen. Der Konzern schreibt, die Kundensicherheit habe oberster Priorität und hat die Produkte vorläufig vom Markt genommen.

Frontal21 deckt auf, wie Bewertungen bei Amazon, Google und Co. systematisch gefälscht werden:

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Verbraucherschützer kritisieren lasche Haftungsregeln

Doch Händler, deren Produkte vom Verkauf gesperrt wurden, eröffneten einfach neue Shops, kritisiert Sylvia Maurer. "Es gibt heutzutage ganz wenige Verpflichtungen, dass Online-Marktplätze eigentlich prüfen müssen, wer bei ihnen Produkte verkauft". Die Händler sitzen meist in Fernost und sind im Schadensfall für Verbraucher kaum zu erreichen.

Amazon, Ebay und Co. berufen sich auf eine rein technische Vermittlerrolle zwischen Verbraucher und Händler und fühlen sich für die Produkte nicht verantwortlich. "Online-Marktplätze sind ein großer Teil der Lieferkette", hält Michaela Schröder, Leiterin für Recht und Handel bei der Verbraucherzentrale Bundesverband, dagegen.

Sie diktieren die Vertragsbedingungen und haben eine enorme Marktmacht. Deshalb müssten sie im Schadensfall mithaften. Doch in Brüssel finden diese Forderungen bisher kein Gehör. Die EU-Kommission hat gerade einen Gesetzesentwurf zur Novellierung der Produktsicherheitsrichtlinie vorgelegt. Darin sind Online-Marktplätze weiterhin von der Haftung ausgenommen.

Der Button zur Bestätigung eines Einkaufs in einem Onlineshop auf einem Computermonitor

Kriminalität bei Bestellungen - So leicht wird es Online-Betrügern gemacht 

Betrug beim Online-Shopping sei bei vielen Anbietern noch viel zu einfach. Ein verurteilter Serienbetrüger berichtet ZDFheute, wo dringend nachgebessert werden müsste.

von Sven Rieken
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