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Zu viele Sicherheitslücken - Justiz bei Betrug im Onlinehandel überlastet

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Das Onlinegeschäft boomt. Damit wächst auch der Anteil der Bestellbetrugsdelikte. Das bringt die Strafverfolgungsbehörden an Grenzen. Sie kritisieren laxe Sicherheitsvorkehrungen.

Der Button zur Bestätigung eines Einkaufs in einem Onlineshop auf einem Computermonitor
Die Fälle von Onlinebetrug steigen, die Zahl der aufgeklärten Fälle sinkt.
Quelle: dpa

Das Schema ist immer gleich: Kriminelle bestellen in Onlineshops mit einer gestohlenen Identität oder gehackten Bezahldaten. Die Lieferung fangen sie ab.

Bestellbetrug: Polizei kann nur jede dritte Tat aufklären

Eine exklusive Auswertung der Polizeistatistiken aller 16 Bundesländer durch ZDFzoom zeigt einen klaren Trend: steigende Fallzahlen und sinkende Aufklärungsquoten. Im Schnitt konnte die Polizei in Deutschland 2019 nur jede dritte Tat aufklären. In Berlin lag die Aufklärungsquote sogar nur bei 12 Prozent - bei einer Fallzahl von rund 19.000.

Stefan Teller vom Landeskriminalamt (LKA) Berlin spricht von einem Massendelikt. Um die oft gut organisierten Cyberkriminellen zu fassen, braucht es Schwerpunktstaatsanwaltschaften und Polizeispezialermittler mit entsprechenden IT-Kenntnissen.

Bestellbetrug ist deutschlandweit zu einem Massenphänomen geworden. 2019 registrierten die Landeskriminalämter 57 000 Fälle. Doch im Schnitt kann die Polizei nur jede dritte Tat aufklären.

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Identität wird im Onlinehandel oft nicht überprüft

In Deutschland wird etwa jeder dritte Onlinekauf per Rechnung - und ohne Vorkasse - abgewickelt. Diese Zahlungsmethode ist bei Käufern sehr beliebt. Dabei wird jedoch die tatsächliche Identität des Bestellers im Regelfall nicht überprüft, sondern nur Daten bei Auskunfteien, wie zum Beispiel der Schufa, abgefragt.

Mit einem gestohlenen Namen und Geburtsdatum lässt sich diese Sicherheitsabfrage der Händler oft sehr einfach umgehen. Geschädigt werden dabei nicht nur die Händler, sondern auch diejenigen, deren Identität missbraucht wurde. Sie müssen belegen, dass sie die Bestellungen nicht getätigt haben.

"Starke Kundenauthentifzierung" erst ab 2021

Bestellbetrüger missbrauchen häufig aber auch gestohlene Zahlungsdaten von Paypal-Konten oder Kreditkarten. Bislang fehlte bei diesen Bezahlmethoden oft eine "starke Kundenauthentifizierung". Der Kunde muss sich doppelt identifizieren, z.B. über eine per SMS verschickte TAN. Erst ab dem 1.1.2021 ist die "starke Kundenauthentifizierung" bei allen Online-Zahlungsvorgängen Pflicht.

Staatsanwälte fordern bessere Verifizierungsverfahren

Rudolf Hausmann von der Vereinigung Berliner Staatsanwälte befürchtet, dass durch den stark wachsenden Onlinehandel auch der Bestellbetrug zunehmen wird. Er kritisiert die laxen Sicherheitsvorkehrungen, die dazu führten, dass die Justiz überfordert sei.

Doku | ZDFzoom -
Bei Anruf Abzocke - Betrug aus dem Callcenter
 

Wenn das Telefon klingelt, sind immer häufiger Betrüger am anderen Ende der Leitung. Sie bieten Zeitungen, Strom- oder Mobilfunkverträge an, hinter denen aber meist teure Abo-Fallen stecken.

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Hausmann stuft Bestellbetrug als ein Delikt mit geringem Entdeckungsrisiko für die Täter ein. "Je einfacher es den Tätern gemacht wird, umso weniger Spuren hinterlassen sie in der Regel. Und das wiederum bedingt, dass unsere Aufklärungsquote in dem Bereich dann relativ dürftig ist."

Branchenverband fürchtet Umsatzeinbußen

Der Oberstaatsanwalt fordert deshalb, dass Onlinehändlern höhere Sicherheitsstandards gesetzlich vorgeschrieben werden, um den Betrug zu erschweren. Bei Rechnungskauf sei zum Beispiel der Einsatz des elektronischen Personalausweises in einem Verifizierungsverfahren denkbar.

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e.V. (bevh) hingegen ist skeptisch: Mehr Sicherheitsabfragen würden Kunden verschrecken und bedeuteten Umsatzeinbußen für den Onlinehandel. Angesichts von Milliardenumsätzen im E-Commerce bewegten sich die Zahl der Betrugsfälle im Promillebereich.

Politik sieht keinen Handlungsbedarf

Die Bundesregierung sieht keinen akuten Handlungsbedarf. Das Bundesministerium für Finanzen verweist auf die ab 2021 auch für Zahlungsdienstleister wie Paypal vorgeschriebene starke Kundenauthentifizierung. Diese erschwere den Missbrauch von gestohlenen Bezahldaten. Doch wie Onlinehändler den Verkauf abwickelten - ob per Vorkasse oder Rechnung - sei ihnen freigestellt.

Das Bundesministerium für Wirtschaft setzt auf freiwillige Lösungen. Online-Händler könnten die Instrumente der europäischen eIDAS-Verordnung - wie sichere elektronische Signaturen - jederzeit einsetzen, um Besteller zu identifizieren. Eine Verpflichtung dazu gäbe es bislang aber nur im Bereich der öffentlichen Verwaltung.

Eine Person tippt auf einem Laptop am 14.02.2020

Internet-Kriminalität -
Wo beim Onlinekauf die Fallen lauern
 

Festtagseinkäufe im Online-Shop sind gerade schwer angesagt. Doch beim Kauf im Netz schlagen gar nicht so selten Betrüger zu. Vorsicht ist geboten.

von Peter Welchering
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