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Fischbestände und Fangmengen - Ostsee-Fischerei in der Krise

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Experten zeichnen ein düsteres Bild zur Lage der deutschen Ostsee-Fischerei. Die EU will die Fangmengen neu festlegen - und weiter reduzieren. Einigen Arten droht das Aussterben.

Archiv: Ein Fischer fährt am 21.03.2014 mit vollen Stellnetzen mit Hering über den Greifswalder-Bodden zurück zum Hafen in Greifswald-Wiek
Die Bestände der beiden Brotfische der deutschen Ostseefischerei - Dorsch und Hering der westlichen Ostsee - sind in schlechtem Zustand.
Quelle: dpa

Es steht nicht gut um die deutsche Ostseefischerei. Über Jahre sind die wichtigsten Bestände eingebrochen und mit ihnen die zulässigen Fangmengen. Anfang der Woche stehen den Fischern die nächsten Hiobsbotschaften ins Haus - dann wollen die zuständigen EU-Minister über die Fangmengen für das kommende Jahr entscheiden. "Für die deutsche Fischerei ist es katastrophal", sagt Christopher Zimmermann. Er leitet das Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock und berät im Rahmen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) auch die EU-Kommission.

Wir haben in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge empfohlen, die Heringsfischerei einzustellen.
Christopher Zimmermann, Thünen-Institut für Ostseefischerei

Hering-Fangmenge radikal reduziert

Erstmals habe man zudem empfohlen, die Dorschfischerei in der westlichen Ostsee soweit zu verringern, dass es nur noch für Beifang, aber nicht mehr für eine zielgerichtete Dorschfischerei reicht.

Beim Hering der westlichen Ostsee wurde die erlaubte Fangmenge laut Zimmermann von 2017 bis 2021 um 94 Prozent verringert. Sollten die EU-Agrar- und Fischereiminister der ICES-Empfehlung folgen, käme es beim Dorsch der westlichen Ostsee zu einer Reduzierung seit 2017 um mehr als 95 Prozent.

Die Folgen für die Fischer sind verheerend. Nach Angaben der Anrainerländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wurden zuletzt etwas über 400 Berufsfischer an der Ostsee gezählt. 2010 waren es 650, Anfang der 90er Jahre mehr als 1.300. Beide Länder bieten bereits Abwrackprämien für Fischkutter. Fischereigenossenschaften werden abgewickelt.

Während in den deutschen Gebieten der westlichen Ostsee die Fischbestände enorm zurückgegangen sind, haben die skandinavischen Länder kaum Probleme. Woran liegt das?

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7 min
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WWF: Ostsee ist überfischt

Geht es nach Stella Nemecky, gibt es vorerst so gut wie gar keine deutsche Ostseefischerei mehr. "Wir haben seit über 20 Jahren eine legalisierte Überfischung in der Ostsee", kritisiert die Fischereiexpertin der Umweltorganisation WWF. Der Klimawandel und Überdüngung durch die Landwirtschaft spielten eine Rolle. "Aber die Überfischung ist primärer Treiber." Man könne auch nicht auf Sprotte oder Plattfische wie Scholle umsteigen, denen es vergleichsweise gut geht. "Weil in allen Fällen auch Dorsch und Hering rausgenommen werden."

Selbst die von der EU-Kommission vorgeschlagene Herabsetzung der maximalen Tagesfangmenge für Angler von fünf auf einen Dorsch pro Tag reicht ihrer Meinung nach nicht aus:

Wir brauchen jeden Fisch.
Stella Nemecky, WWF-Fischereiexpertin

Europäische Lösung wichtig

Es gebe Netze, die etwa 80 Prozent der Dorschbeifänge beim Plattfischfang verhinderten. Allerdings sei deren Nutzung immer noch nicht verpflichtend. Zudem sei die deutsche Schollenquote sehr niedrig. "Und deswegen ist es finanziell und von der Masse her keine Alternative für das, was da bei Dorsch und Hering wegbricht", sagt Zimmermann. Die Dänen hingegen könnten ihre Quote gar nicht ausschöpfen.

Auch an anderer Stelle hakt es bei der Regulierung, erklärt Peter Breckling, Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes. Während deutschen Fischern beim Hering der westlichen Ostsee immer geringere Fangmengen zugestanden würden, fischten etwa Norweger in deutlich größerem Umfang vom selben Bestand - nur an anderer Stelle. Der Hering wandert, unter anderem auch in den Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen. Daher sei ein Fangstopp deutschen Fischern nicht zu vermitteln.

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