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Papierkrise - Das unerwünschte Drama der Verlage

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Aufregung, Furcht, Verzweiflung - spannender Stoff mit großen Gefühlen, würden Verlagsmanager wohl urteilen, wenn es nicht ihre eigenen wären: bei der Suche nach Papier.

Es gibt Bücher, die erscheinen nicht, da es kein Papier gibt, um sie zu drucken. Ein Grund: Der Online-Handel benötigt mehr Verpackungsmaterial, statt Buch wird Karton produziert - ganze Papierfabriken haben sich umgestellt. Außerdem herrscht Holzmangel.

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Es gibt zu wenig Papier am Markt. Europaweit und in allen Bereichen. Das gilt für Verpackungen, aber noch viel mehr für sogenanntes, grafisches Papier, das alle Papierarten einschließt, die Buch- und Zeitungsverlage für ihre Druckerzeugnisse benötigen.

Zu wenig Papier - vor der Buchmesse und dem Weihnachtsgeschäft

Die Situation trifft die Branche am denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Das vierte Quartal im Jahr ist vor allem für den Buchhandel das entscheidende. Zwischen Frankfurter Buchmesse und Weihnachtsgeschäft werden die Umsätze gemacht, die über den Erfolg und Misserfolg des gesamten Geschäftsjahres entscheiden werden. Und jetzt mangelt es am Papier. "Um die Beschaffung von Papier musste ich mich in all meinem Berufsjahren nicht wirklich kümmern. Das haben vorwiegend die Druckereien erledigt", sagt Florian Enns vom Rowohlt Verlag in Hamburg:

Doch jetzt nimmt es über 50 Prozent meiner Arbeitszeit in Anspruch. An manchen Tagen fühle ich mich eher wie ein Broker denn als Verlagsmanager.
Florian Enns

Das rare Papier wird immer teurer

Besonders große Sorgen machen den Buchverlagen die Nachdrucke. Der Buchmarkt ist wechselhaft. Ein Interview, ein gewonnener Buchpreis kann die Nachfrage nach einem Werk, nach einem Autor, nach oben schießen lassen. Bisher haben die Verlage darauf mit schnellen Nachdrucken reagiert. Doch der Mangel an Papier macht diese gewohnten Bestellwege nahezu unmöglich. Druckereien haben große Vorräte, doch diese sind für Vorbestellungen reserviert, also somit vergeben.

"Im Moment retten uns unsere alten, seit Jahren bestehenden Geschäftsbeziehungen zu Papierherstellern und wir bekommen das Papier, das wir bestellen - wenn auch zu stark erhöhten Preisen", sagt Robert Höllein von Europas größtem Buchdrucker CPI. Dort werden täglich 700.000 Exemplare gedruckt, von kleinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen bis zu Bestsellern in Millionenauflage.

Nach dem Corona-Lockdown fehlt es an Altpapier

Die Gründe für den jetzigen Papiermangel und den enormen Preissteigerungen, die bei speziellen grafischen Papieren bis zu 70 Prozent betragen können, sind vielfältig. Der Buchmarkt war jahrelang leicht rückläufig, nach Corona zog er um zirka 0,9 Prozent an. Verlage verzögerten ihre Neuauflagen bis zum Ende der Corona-Beschränkungen, um ihre Novitäten mit Lesungen und Marketingmaßnahmen begleiten zu können. Doch während den Lockdowns verzichteten viele Firmen auf Flyer, die Anzeigenseiten der Zeitungen wurden dünner, wodurch weniger Altpapier anfiel.

Kundin blättert in einem Roman in einem Buchladen

Mehr Menschen greifen zum Buch - Lesend durch die Pandemie 

Die Corona-Pandemie mit Shutdowns und Ausgangsbeschränkungen hat auch dazu geführt, dass die Menschen mehr lesen.

Doch grafisches Papier wird zu 80 Prozent aus Altpapier hergestellt. Die anderen 20 Prozent sind frischer Zellstoff. Dieser wird vor allem aus Südamerika und Asien importiert. Allein die Containerpreise haben sich vervierfacht. Wie alle Branchen leidet auch der Papiermarkt an den aktuellen Schwierigkeiten in der Logistik, am Mangel an LKW und den dazugehörigen Fahrern. Es gibt auch marktimmanente Probleme. Schon vor der Corona-Krise haben Papierhersteller auf den boomenden Online-Handel reagiert und ihre Fabriken auf Verpackungspapier umgestellt. "Diese Kapazitäten sind nun umgewandelt und werden es meiner Einschätzung auch bleiben", sagt Robert Höllein, CPI-Druckerei.

Cover, Seite, Buchrücken: Bücher werden wieder simpler

Seiner Meinung muss sich die Branche langfristig auf höhere Preise und eine Knappheit an Spezialpapieren einstellen. Wichtig wird dabei sein, dass Verlage verstärkt auf Standartpapiere setzen, wenn sie nicht Lieferzeiten von sechs Monaten riskieren wollen.

"Das sehe ich mit Unbehagen. Wir mögen es eigentlich raffinierte Ideen in die Buchpappen einfließen zu lassen - das geht gerade nicht." sagt der Verleger Jo Lendle vom alten Carl Hanser Verlag in München. Er schreibt selbst Bücher. Als Verleger muss er nun deutlich stärker ins Risiko gehen.

Bei Büchern mit Sonderausstattungen brauchen wir deutlich längere Vorläufe und drucken einfach ins Blaue hinein.
Jo Lendle

Hoffen dürfen die Verleger bei dieser Risikokalkulation auf die Treue ihrer Leser - und deren Bereitschaft für ein Buch mit dem richtigen Stoff auch gutes Geld zu zahlen.

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