Junge Menschen in Energiekrise: Tränen bei der Abrechnung

    Energiekrise und junge Menschen:Bei der Abrechnung "in Tränen ausgebrochen"

    von Cornelia Braun
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    Seit dem russischen Angriffskrieg wird das Gas knapp, die Energiekosten steigen. Wie belasten die Preise junge Menschen? Ein Student, eine Auszubildende und eine Mutter berichten.

    Thermostat einer Heizung auf 1
    Viele junge Menschen wissen nicht, wie sie die steigenden Energiekosten ohne Rücklagen bewältigen sollen. (Symbolbild)
    Quelle: Imago

    Claudia, Auszubildende (21)

    Als die letzte Nebenkostenabrechnung kam, bin ich total in Tränen ausgebrochen. 1.000 Euro Nachzahlung. Ich wusste nicht, was ich machen soll. Das Geld habe ich nicht. Seitdem ich 20 bin, wohne ich in einer WG. Bislang hat mein Ausbildungsgehalt als Erzieherin immer fürs Leben gereicht. Wenn die Miete vom Konto ging, hatte ich ungefähr 350 Euro übrig. Klar ist das nicht viel, aber es war machbar. Jetzt nicht mehr.

    Kein Abend in der Bar mit Freunden, kein Essen gehen mehr. Seit Monaten bin ich nicht mehr unterwegs. Wenn ich jetzt einmal im Monat etwas machen will, muss ich rechnen. Meistens bleibe ich doch zuhause. Dadurch sind leider auch Freundschaften kaputt gegangen.

    Claudia, Auszubildende

    In letzter Zeit habe ich häufiger Angstzustände und Panikattacken. Reicht mein Geld für die Drogerieprodukte oder muss ich bis Ende des Monats warten? Das macht mir Angst. Ich habe das Gefühl, es wird immer mehr und alles wird immer teurer.
    Claudia
    Claudia macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Ausgehen kann sie sich gerade nicht mehr leisten.
    Quelle: privat

    Ich versuche, positiv zu bleiben. Nächstes Jahr bin ich mit meiner Ausbildung fertig und verdiene mehr, aber es fällt mir schwer. Wer sagt mir, dass nächstes Jahr nicht noch einmal so hohe Nebenkosten kommen?

    Sabrina, Mutter (33)

    Müssen wir uns eine neue Wohnung suchen? Das dachte ich mir sofort, als ich den Brief unseres Anbieters mit den kommenden Preiserhöhungen gelesen habe. Ich war hilflos und gleichzeitig sauer. Mein Mann und ich haben uns zusammengesetzt und nachgerechnet.

    Bis zum Herbst werden sich die Energiepreise für unser Einfamilienhaus mehr als verdreifacht haben. Wir müssen dann mit einem Abschlag von etwa 750 Euro rechnen.

    Sabrina, Mutter

    Dass wir es im Winter in unserem Haus kaum über 20 Grad geheizt kriegen, liegt an der schlechten Dämmung. Dafür war die Miete ziemlich gering. Wir haben uns nie große Sorgen um Geld gemacht. Dass die Energiekosten uns so hart treffen, hat mich schockiert. Mein Mann ist Softwareentwickler, ich arbeite als Laborassistentin, bin allerdings gerade in Elternzeit. Was ist mit Familien oder Alleinerziehenden, die weniger verdienen?
    Sabrina
    Sabrina und ihre Familie suchen nach einer neuen Wohnung, die alte können sie sich nicht mehr leisten.
    Quelle: privat

    Im Januar kommt unser zweites Kind zur Welt. Am liebsten wollen wir davor schon umziehen. Erst dachten wir, wir könnten in eine Einliegerwohnung bei meiner Familie ziehen. Die müsste man aber komplett renovieren. Und 70 Quadratmeter sind einfach zu klein. Jetzt müssen wir uns von vorne auf die Suche machen.

    Joshua, Student und Bundesjugendvorstand ver.di (25)

    Ich habe keinen Plan, wie es für uns als WG weitergehen soll, wenn die Energiepreise ansteigen. Mit einem Job neben dem Studium habe ich die Miete gut finanziert bekommen, bislang zumindest. In letzter Zeit ist es für mich vom Geld her schon enger geworden. Dann kam eine hohe Nachzahlung. Das war nicht überraschend, aber wenn ich Richtung Winter schaue, habe ich ein ungutes Gefühl.
    Student und Mitglied im Bundesvorstand von Verdi, Joshua
    Joshua und seine WG wollen Energie sparen. Er findet, die Preiserhöhungen treffen die Falschen am härtesten.
    Quelle: privat

    Unsere Altbau-WG ist schlecht gedämmt. Wir heizen mit Gas, wir kochen mit Gas. Unser Warmwasser läuft über eine Elektrotherme. Als die Nebenkostenabrechnung kam, haben wir uns alle an den Küchentisch gesetzt. Wir sind unsere Geräte in der Wohnung durchgegangen und haben den Verbrauch gecheckt.

    Irgendwann kam die Idee auf, im Winter nur ein WG-Zimmer tagsüber zu heizen. Da könnten wir dann zusammen hocken, lernen und arbeiten. Das ist zwar ein Anfang, kann aber auch nicht die Lösung sein.

    Joshua, Student

    Natürlich möchten wir Energie sparen. Wenn ich daran denke, dass wir junge Menschen uns solche Gedanken machen, während Großunternehmen Mengen an Energie verbrauchen, macht es mich einfach nur wütend. Am Ende trifft es die am härtesten, die eh nichts oder wenig haben.

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