ZDFheute

"Für Deutschland wird Mitgliedschaft teurer"

Sie sind hier:

Wirtschaft zum EU-Deal - "Für Deutschland wird Mitgliedschaft teurer"

Datum:

Die einen sehen einen Gewinn für Deutschland, die anderen sehen vor allem den hohen Preis, den Berlin nun zahlen müsse: So reagiert die Wirtschaft auf die Einigung der EU.

Die 27 EU-Staaten haben das größte Haushalts- und Finanzpaket der EU-Geschichte beschlossen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Nach zähen Verhandlungen haben sich die EU-Staaten im Kampf gegen die Corona-Krise auf das größte Finanzpaket in ihrer Geschichte geeinigt. Die am frühen Dienstagmorgen erzielte Vereinbarung hat ein Volumen von rund 1,8 Billionen Euro.

Ökonomen sagten dazu in ersten Reaktionen:

Marcel Fratzscher, DIW

"Das Programm könnte der Grundstein sein für eine europäische Fiskalunion, denn es gesteht erstmals explizit ein, dass fiskalische Transfers nötig sind, um Europa voranzubringen - und das dafür auch die gemeinsame Aufnahme von Schulden sinnvoll ist. Auch wenn hierzulande viele erst einmal jammern werden, ist der getroffene Kompromiss ein großer Gewinn, gerade auch für Deutschland."

Friedrich Heinemann, ZEW

"Das Problem fehlender Wettbewerbsfähigkeit und geringer Wachstumsperspektive in Ländern wie Italien kann nicht mit Transfers und Krediten aus Brüssel gelöst werden. Hier helfen nur umfassende Reformen der Arbeitsmärkte, der öffentlichen Verwaltung und des Bildungs- und Innovationssystems."

Die EU-Staaten haben sich auf ein Rekord-Finanzpaket verständigt. Zu großen Strukturreformen sei der Gipfel aber dennoch nicht fähig gewesen, meint ZDF-Korrespondent Stefan Leifert.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Ulrich Wortberg, HELABA

"Die in der Vergangenheit häufig kritisierte EU hat Handlungsfähigkeit bewiesen, auch wenn die Einigung erst nach tagelangem Streit erreicht werden konnte. Wichtig ist es, dass die Zuschüsse in zukunftsorientierte Projekte investiert werden. Der Umbau in eine digitale und klimafreundlichere Wirtschaft könnte beschleunigt und langfristiges Wachstumspotenzial generiert werden."

Jörg Krämer, Commerzbank

"Das Volumen des Wiederaufbaufonds ist riesig. Es kann durchaus einen Beitrag zur Wiederbelebung der europäischen Wirtschaft leisten. Allerdings darf man sich nicht zu viel davon versprechen. Erstens führt das Programm erst in den kommenden Jahren zu Auszahlungen, wenn die Corona-bedingten wirtschaftlichen Einbrüche weitgehend wettgemacht sein sollten. Zweitens kann ein solches Programm nur dann helfen, wenn es auf fruchtbaren Boden fällt. Das kann für Länder wie Italien bezweifelt werden, die sich in der Vergangenheit gegen notwendige, durchgreifende Reformen gesperrt haben."

"Europa hat gezeigt, dass es neue Wege in einer ganz besonderen Situation bereit ist zu gehen", erklärte Bundeskanzlerin Merkel bei ihrer Pressekonferenz in Brüssel.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Gabriel Felbermayr, Institut für Weltwirtschaft

"Für die Nettozahler, besonders für Deutschland, das im Unterschied zu den 'sparsamen Vier' keine Erhöhung seines Rabattes durchgesetzt hat, wird die EU-Mitgliedschaft teurer. Ich gehe davon aus, dass ungefähr ein Fünftel der Zuwendungen netto von Deutschland finanziert werden muss. Es ist fraglich, ob die EU-Mitgliedschaft dadurch auch wirklich wertvoller wird."

Thomas Gitzel, VP Bank

"Wenn die EU nun nicht rückzahlbare Zuschüsse verteilt, fließen auch keine Zins- und Tilgungszahlungen. Die EU bleibt im schlimmsten Falle auf diesen Schulden sitzen. Das könnte dann der Eintritt in eine Schuldenunion sein. Die 'Sparsamen Vier' legen also den Finger in die Wunde."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.