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Sanktionen laufen ins Leere : Wie Russland das Öl-Embargo der EU umgeht

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Die EU will verhindern, dass Putin weiter Öl verkauft, um seine Kriegskasse zu füllen. Doch russische Tanker pumpen ihre Ladung einfach um - eine Spurensuche in Griechenland.

Die ZDF-Redaktion frontal zeigt, wie russische Ölgeschäfte trotz Sanktionen weitergehen.

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Wir sind in Griechenland, denn am südlichsten Ausläufer des europäischen Kontinents geschieht Merkwürdiges. Seit Frühjahr sichten Küstenbewohner russische Öltanker im Lakonischen Golf. So etwas habe es früher nie gegeben, berichten uns Fischer.

Was die Tanker in ihrem Fanggebiet wollen, können die Fischer nur vermuten.

Es waren drei Tanker 17, 18 Meilen draußen, tauschten Benzin, Öl oder was auch immer aus. Die einen gaben oder nahmen.
Costas Roubakos, griechischer Fischer

Seit Russland die Ukraine überfallen hat, will die EU verhindern, dass Putin weiter Öl verkauft, um seine Kriegskasse zu füllen. Brüssel hat deshalb Sanktionen beschlossen.

Ab Dezember darf auf dem Seeweg kein Öl aus Russland mehr in die EU importiert werden. So soll Putin geschwächt werden, doch klappt das auch? Das wollen wir vor Ort überprüfen.

Ship to Ship - Öl umpumpen auf offenem Meer 

Über Wochen haben wir die Routen russischer Öltanker über Internettracker verfolgt.  Die Datenrecherche brachte ein überraschendes Ergebnis.

Vor allem im Lakonischen Golf außerhalb griechischer Hoheitsgewässer liegen seit Wochen auffällig viele Öltanker. Laut Routentracker kommen viele der Schiffe aus russischen Schwarzmeerhäfen.

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Sie fahren erst durch den Bosporus und dann die griechische Küste entlang. Was die Tracker auch verraten: Regelmäßig liegen zwei Tanker über Stunden nebeneinander. Das ist mehr als ungewöhnlich. 

Analysten des größten Schiffsversicherers Lloyd gehen davon aus, dass die Russen vor der griechischen Küste sogenannte STS-Operationen vollziehen, um die Herkunft des sanktionierten Öls zu verschleiern.

STS steht für Ship-to-Ship-Transfer - Öl wird auf hoher See von einem zum anderen Tanker wird Öl umgepumpt. Ein Weg, um Sanktionen zu umgehen.

Griechische Firmen liefern die Logistik

Was wir bislang nur auf Bildschirmen sehen konnten, wollen wir auf dem Meer überprüfen und heuern einen Skipper an. Als er erfährt, was wir vorhaben, zeigt er uns im Hafen Schlepperboote einer griechischen Firma.

Die fahren Ausrüstung wie große schwarze Fender zu den Tankern. Die sehen aus wie große schwarze Ballons und schützen die Bordwände der Tanker, wenn sie nebeneinander liegen. Unser Skipper behauptet, er sei selbst bei solchen STS-Operationen dabei gewesen. "Russische Tanker, alles Russen", sagt er auf unsere Frage nach STS-Transfers.

Er zeigt uns Fotos von russischen Tankern, angeblich beim Umpumpen von Öl. Doch auf unserer ersten Fahrt raus in den Lakonischen Golf können wir das Umpumpen von Öl nicht filmen.

Die griechische Regierung ist angeblich hilflos

Dass vor der griechischen Küste russische Tanker Öl auf andere Schiffe umladen, um es - vorbei an Sanktionen weltweit - zu verkaufen, beschäftigt auch griechische Parlamentsabgeordnete.

Wir sind verabredet mit Stavros Arachovitis, dem ehemaligen Landwirtschaftsminister. Unmittelbar nach dem Beginn des Ukraine-Krieges seien erstmals große Tanker in den Lakonischen Golf eingedrungen.

Das Problem ist, dass kein Land überprüfen kann, was außerhalb der sechs Meilen passiert: Woher das Öl kommt und wo es hingeht.
Stavros Arachovitis, ehemaliger griechischer Landwirtschaftsminister

Griechenland hat EU-Sanktionspläne gezielt aufgeweicht

Die griechische Regierung erklärte jüngst, gegen das Umpumpen von Öl auf hoher See könne sie nichts machen. Zur Wahrheit gehört, dass die griechische Regierung die EU- Sanktionen gegen Russland während der Verhandlungen aufweichte.

Ursprünglich wollte Brüssel den Ölhandel mit Russland komplett blockieren. Schiffe, die einem Europäer gehören, sollten gar kein russisches Öl mehr transportieren dürfen. Doch die Reedernation setzte durch, dass es nicht so weit kam. Und so transportieren nach Angaben der NGO "Global Wittnes" vor allem Tanker griechischer Reeder weiterhin russisches Öl rund um den Globus.

Auf ihrem Sondergipfel haben die EU-Staaten das sechste Sanktionspaket gegen Russland geschnürt. So sollen vorerst nur russische Öl-Lieferungen über den Seeweg unterbunden werden.

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Konfrontation mit dem Megafon

Wenige Tage später fahren wir noch einmal raus, in der Hoffnung doch noch mit der Kamera zu dokumentieren, wie russische Tanker Öl umpumpen, um so Sanktionen zu umgehen. Wir haben ein schnelleres Boot gechartert und so die Chance näher ranzufahren.

Der Routentracker hatte angezeigt, dass zwei Tanker sehr nah beieinander liegen und die Geschwindigkeit reduziert haben. Wir vermuten, dass sie einen Ship-to-Ship-Transfer planen und fahren hin. Wir haben Glück.

Ölflecken sind aus der Drohnenperspektive auf dem Meer zu sehen

Wenige Seemeilen weiter, etwa in der Mitte des Lakonischen Golfs, finden wir die zwei Tanker. Sie sind gerade dabei Öl umzupumpen. Wir können die Schläuche zwischen den Tankern gut erkennen. Per Megafon versuchen wir Kontakt aufzunehmen und rufen auf Englisch: "Hallo, hier spricht Arndt Ginzel vom Zweiten Deutschen Fernsehen. Pumpen Sie russisches Öl um?"

Antworten bekommen wir nicht. Dafür aus der Drohnenperspektive zu sehen: Ölflecken, die das Meer verschmutzen. Die Sanktionen gegen Putins Krieg, vor der Küste Griechenlands laufen sie ins Leere.

Montage: Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj vor einem Blick auf das zerstörte Mariupol

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Ein paar Meilen weiter dokumentieren wir den nächsten Ship-to-Ship-Transfer. Beteiligt ist ein Tanker der russische Staatsreederei SCF. Die steht wegen des Ukraine-Krieges unter Sanktionen. Das Schiff hatte zuletzt im russischen Ölhafen Ust-Luga gelegen. Auch hier versuchen wir mit der Besatzung über Megafon zu sprechen - als Antwort dröhnt nur das Schiffshorn. 

Arndt Ginzel und Christian Rohde sind Reporter in der ZDF-Redaktion frontal.

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29.09.2022
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