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Rentenvorbild Schweden? - "Alle bekommen eine Art Grundrente"

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Mit der bevorstehenden Pensionierung der "Babyboomer" in den kommenden Jahren gerät das Rentensystem in Deutschland ins Wanken. Das müsste aber nicht sein, wie Schweden zeigt.

Mit der bevorstehenden Pensionierung der sogenannten Babyboomer in den kommenden Jahren gerät das Rentensystem in Deutschland gehörig ins Wanken – und damit auch der Generationenvertrag.

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Deutschland steht vor einem nie gekannten demografischen Wandel, der das Rentensystem wanken lassen wird. Das Problem: Immer weniger Junge müssen in Zukunft immer mehr Renten finanzieren. Das Umlagesystem Rente wird an seine Grenzen stoßen. Das müsste nicht so sein, wie der Blick nach Schweden zeigt.

Reformen bereits vor Jahrzehnten umgesetzt

Das skandinavische Land baute sein Rentensystem wegen des demografischen Wandels bereits vor 35 Jahren um. Lange bevor die Überalterung der Gesellschaft zum Problem wurde. An der Universität von Stockholm begleitete Professor Eskil Wandensjö diesen Prozess. 

"Wir hatten ein Überalterungsproblem und die Leute, was ja schön ist, lebten immer länger", erklärt der Sozialforscher und Arbeitsökonom, "daher haben wir in den späten achtziger Jahren das System radikal reformiert. So gibt es einen Rententeil, wie bei euch, aber auch einen kapitalgedeckten Teil. Wenn du in Rente gehst, bekommst du nun einen Teil vom Wohlfahrtsstaat und einen von deinem angesparten Abgabesystem."

Und es läuft sehr gut, auch für die Leute, die nicht so viel gearbeitet haben. Alle bekommen eine Art Grundrente.
Eskil Wandensjö, Arbeitsökonom

Wie in Deutschland setzt sich das Rentensystem in Schweden aus drei Säulen zusammen. Die staatliche Rente als Umlageverfahren, Betriebsrenten und die private Vorsorge. Mit der staatlichen Rente finanziert Schweden eine Volksgrundrente, die für alle Bürger*innen etwa gleich hoch ist. Der entscheidende Unterschied zu Deutschland ist die sogenannte Prämienrente.

Die Prämienrente, der entscheidende Unterschied

Für die Prämienrente zieht der Staat 2,5 Prozent des Bruttoeinkommens automatisch ein. Das Geld wird an Kapitalmärkten angelegt. Jeder Beitragszahler kann die Anlage aus einem Portfolio selbst aussuchen. Etwa den staatlich verwalteten AP7-Fonds, den Sjunde Allmänna Pensionfonds oder privatwirtschaftliche Fonds.

Die meisten Schweden entscheiden sich für die staatliche Fondslösung. So baut der schwedische Staat Vermögen auf, welches dem Arbeitnehmer zum Eintritt in die Rente zur Verfügung steht. Der Vorteil: Das investierte Geld wächst, im Idealfall durch die Entwicklung der Kurse, an.

Und der schwedische Staatsfonds ist erfolgreich. In den letzten Jahren wurde ein durchschnittliches Plus von rund 14 Prozent pro Jahr erzielt. 2020 gelang zudem der Aufstieg zu einem der größten Pensionsfonds Europas, mit rund 60 Milliarden Euro.

Schweden arbeiten bis maximal 68

Ergänzend zu der zusätzlichen kapitalgedeckten Prämienrente hob die schwedische Regierung das Renteneintrittsalter auf 68 an.

Und das Renteneintrittsalter wird noch steigen. Anders lässt sich der demografische Wandel nicht kompensieren. Ihr müsst auch Veränderungen im System vornehmen.
Eskil Wandensjö

Ohnehin arbeiten viele Rentner*innen nach der Verrentung weiter. Bessern so ihren Lebensabend auf, Ingar Danielsson etwa. Die 69-Jährige hat 1.100 Euro Rente. Für ein paar Stunden in der Woche managt sie in einem Vorort von Stockholm die Rezeption eines deutschen Baumarktes.

Weil es ihr Spaß macht, wie sie erzählt. "Ich habe mich bei einer Vermittlungsagentur für Rentner angemeldet und da hatten die diesen Job. Ich kriege noch weiterhin Jobangebote, aber hier gefällt es mir sehr gut und ich werde bleiben, so lange wie ich darf."

Rentner in Schweden gefragte Arbeitskräfte

Das zusätzliche Gehalt wird nicht auf die Rente angerechnet - wie etwa in Deutschland, wo nur Minijobs steuerfrei sind. Für die Arbeitgeber sind die Pensionäre ein Gewinn. Jüngere Kandidaten fehlen oft und die Rentner kosten sie weniger Steuern, erklärt die Assistentin der Geschäftsleitung, Regina Frölen:

Mit ihrer Erfahrung und die Kinder sind aus dem Haus. Und es ist natürlich auch das Finanzielle, der Arbeitgeberanteil ist dann auch niedriger.
Regina Frölen, Assistentin der Geschäftsleitung eines Baumarkts

Nicht allen Rentner*innen in Schweden geht es blendend, bei Frauen und Migranten will das Land nachsteuern, weil ihre Renten auch in Schweden meist sehr klein ausfallen. Aber das schwedische Rentensystem muss nicht mit Steuergeldern gestützt werden, wie letztes Jahr in Deutschland mit 106 Milliarden Euro.

Altersarmut gibt es kaum. Der demografische Wandel wurde aufgefangen, die junge Generation entlastet. Reformen und Einschnitte, die Deutschland noch vor sich hat - wenn der Staat auch in Zukunft sein Versorgungsversprechen einhalten will.

Seniorin hält ihren Rentenbescheid in der Hand

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von Stephanie Gargosch
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