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Schweinepest: "Infektion ist hochtödlich"

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Virologe Mettenleiter - Schweinepest: "Infektion ist hochtödlich"

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Thomas Mettenleiter ist nicht überrascht, dass die Schweinepest hier angekommen ist. Wichtig sei es jetzt, das infizierte Gebiet schnell abzuriegeln, sagt der Virologe zu ZDFheute.

Zum ersten Mal in der Geschichte ist die Afrikanische Schweinepest bei einem Wildschwein in Deutschland nachgewiesen worden. Professor Thomas Mettenleiter zum Umgang mit dem Virus.

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5 min
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ZDFheute: Was bedeutet es aus Virologen-Sicht, dass die Afrikanische Schweinepest jetzt in Deutschland angekommen ist?

Mettenleiter: Es ist ja nun nicht ganz überraschend, dass es dieser Erreger nun auch nach Deutschland geschafft hat. Die Ausbreitung seit 2007 im sowohl europäischen als auch asiatischen Raum, die war doch schon sehr bemerkenswert. Ende des letzten Jahres hat er sich innerhalb Polens an die Westgrenze ausgebreitet, mit einem Fall, der zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernt war.

Jetzt ist nun zum ersten Mal in der Geschichte Afrikanische Schweinepest in Deutschland nachgewiesen worden.

ZDFheute: Worauf kommt es jetzt bei der Seuchenbekämpfung in Brandenburg an, damit sich die Afrikanische Schweinepest nicht weiter ausbreitet?

Mettenleiter: Wichtig ist es, jetzt sehr schnell das infizierte Gebiet festzustellen, das heißt festzustellen, ob das ein Einzelfall ist, oder ob sich die Infektion schon ausgebreitet hat und dann dieses infizierte Gebiet entsprechend einzugrenzen. Das ist das A und O der Bekämpfung. Es kann funktionieren, das haben uns die Kolleginnen und Kollegen in der Tschechischen Republik und in Belgien gezeigt. Auch dort gab es solche einzelnen Einträge, die aber dann durch sehr konsequente Durchführung der Maßnahmen auch wieder eliminiert werden konnten.

ZDFheute: Wie erfolgt denn die Ansteckung unter den Schweinen und wie schnell geht das? Müssen wir jetzt mit einer rasanten Ausbreitung rechnen?

Mettenleiter: Das ist zwar ein hochpatogener, also krank machender Erreger, aber kein hochansteckender Erreger. Die Infektion geht direkt von Tier zu Tier über Sekrete und Exkrete, auch Blut hat eine hohe Infektiosität. Aber es ist nicht so, wie zum Beispiel die Maul- und Klauenseuche, wo es dann wie ein Lauffeuer durch die Population geht. Mit was wir rechnen müssen, ist, dass es zunächst lokal zu einer Ausbreitung kommt. Die müssen wir - möglichst früh - versuchen zu stoppen.

ZDFheute: Wie gefährlich ist denn die Afrikanische Schweinepest für Schweine und gibt es Therapiemöglichkeiten?

Mettenleiter: Es gibt im Moment weder Prävention noch Therapiemöglichkeiten, es gibt keinen Impfstoff, es gibt keine Medikamente. Die Infektion ist für Schweine - sowohl für Wildschweine als auch für Nutzschweine - hochtödlich, die Letalität liegt bei über 90 Prozent.

Fast alle infizierten Tiere sterben auch an dieser Infektion.

ZDFheute: Und welche Symptome zeigen diese Tiere?

Mettenleiter: Sie zeigen allgemeine Krankheitssymptome: Sehr schnell sehr hohes Fieber, sie werden dann lethargisch, wenn man sich das genauer anguckt, dann gibt es Organveränderungen, es gibt Blutungen und letztendlich sterben die Tiere an einer generalisierten Infektion.

ZDFheute: Welche wirtschaftlichen Folgen kann die Pest jetzt für Deutschland haben?

Mettenleiter: Die wirtschaftlichen Folgen sind zweierlei: Zum einen haben wir jetzt ja die Wildschweinepest. Die hat Auswirkungen auf den Handel: nicht so sehr innerhalb der Europäischen Union - hier gibt es Regionalisierungskonzepte - aber wie Drittstaaten auf diesen Fall jetzt reagieren, das bleibt abzuwarten.

Wichtig ist, dass dieser Erreger nicht in Hausschweinebestände eindringt. Dafür sind die Biosicherheitsmaßnahmen in den Schweinehaltungen von überragender Bedeutung. Es gibt eine Schweinhaltungs-Hygieneverordnung, die Basis-Biosicherheitsmaßnahmen vorschreibt. Wir empfehlen jedem Schweinehalter, lieber darüber hinauszugehen, um die Biosicherheitsmaßnahmen zu verbessern, umfassender zu gestalten, zu optimieren.

ZDFheute: Was würde passieren, wenn der Erreger in einen Hausschweinbestand kommt?

Mettenleiter: Die entsprechenden Restriktionen sind deutlich schärfer, wenn er in einen Hausschweinebestand eindringt. Dann tritt das normale Prozedere der Tierseuchenbekämpfung in Kraft, das heißt die infizierten Bestände und infektionsgefährdeten Bestände müssen unter Umständen getötet werden.

Das Interview, das wir hier in Auszügen wiedergeben, führte Susanne Seidl, ZDF-Studio in Schwerin.

Nach Fall in Brandenburg -
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