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Engpässe in Schlachthöfen - Für die Masttiere "eine Katastrophe"

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Große Schlachthöfe mussten wegen Corona-Ausbrüchen schließen. Masttieren geht es nun noch schlechter als eh schon. Im Extremfall müssen gesunde Tiere getötet und entsorgt werden.

Bis zu 30.000 Schweine werden normalerweise täglich bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück geschlachtet. Doch seit dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik stehen die Bänder still. Das stellt die zuliefernden Schweinezüchter vor Platzprobleme.

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Die Situation ist verfahren. Gleich zwei große Schlachthöfe mussten wegen Corona-Ausbrüchen dicht machen: Der Tönnies-Schlachthof im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück und auch der Putenschlachtbetrieb Geestland in Wildeshausen in Niedersachsen. Die Schließung bringt die streng durchgetakteten Lieferketten der Branche durcheinander.

Tierarzt: "Katastrophe für Mastschweine"

"Gehen Sie mal davon aus, dass wegen der Betriebsschließung bei Tonnies derzeit täglich rund 20.000 Schweine weniger geschlachtet werden können", sagt Holger Vogel, der Präsident des Bundesverbands der beamteten Tierärzte im Gespräch mit ZDFheute. Andere Schlachtbetriebe könnten nur begrenzt einspringen, weil sie keine Kapazitäten in Reserve halten.

"Da bleiben die Tiere in den Ställen stehen, aber sie nehmen weiterhin zu, weil sie natürlich gefüttert werden. Es wird viel zu eng im Stall", so Vogel.

Das ist eine Katastrophe, denn ein Mastschwein hat sowieso schon nur einen Quadratmeter Lebensraum. Das ist schon an der Grenze zur Artgerechtheit.
Holger Vogel, Präsident des Bundesverbands der beamteten Tierärzte

Seit den Corona-Fällen in der Schlachterei Tönnies steht neben den Arbeitsbedingungen in der Branche auch die industrielle Tierhaltung im Fokus. Doch wie funktioniert artgerechte Tierhaltung? ZDF-Reporterin Christina Iglseder hat einen Bauern in …

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Engpässe bei Geflügel noch gravierender

Das Problem ist bei Geflügel noch gravierender, weil Zuchtputen und Masthähnchen schneller wachsen und eine noch kürzere Lebensdauer haben: "Die Gesundheit von Masthähnchen ist nur auf rund 30 Tage angelegt", sagt Vogel. "Danach kippen sie um, haben zum Beispiel Herz- und Kreislaufkrankheiten oder Beinschäden."

Allein bei Geestland werden normalerweise rund 40.000 Puten pro Tag geschlachtet. Züchter konnten den Ausfall bislang teilweise kompensieren, weil andere Schlachtbetriebe einsprangen. "Aber es geht nicht auf Dauer, dass in anderen Schlachtbetrieben länger gearbeitet wird", sagt Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft.

Was auf Schlachthöfen passiert, bleibt oft im Verborgenen, versteckt hinter meterhohen Mauern. Der Dokumentarfilm "Regeln am Band" von Filmemacherin Yulia Lokshina liefert nun seltene Einblicke in das Leben der meist osteuropäischen Arbeiter.

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Außerdem seien immer noch zu viele Tiere in den Ställen, sagt Ripke zu ZDFheute. "Wir haben die Welle, die wir vor uns herschieben, kleiner gemacht, aber nicht aufgelöst." Sind die Schlachthöfe länger außer Betrieb, müssten notfalls gesunde Tiere gekeult und entsorgt werden. Das sei jedoch auch für die Züchter ein enormer wirtschaftlicher Schaden.

Krisengipfel mit Julia Klöckner

Noch hat es solche Notschlachtungen offenbar nicht gegeben. Die Lage werde für die Mäster zwar enger, aber noch könnten die Landwirte die Tiere ein paar Tage länger in den Ställen halten, sagt der Marktexperte der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Matthias Quaing.

Um die verfahrene Situation aufzulösen, hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner heute am frühen Abend Branchenvertreter sowie die Landwirtschaftsminister von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu einem Krisengespräch geladen. Auch Ripke wird daran teilnehmen. Seine Forderung:

Wir müssen dafür sorgen, dass die Schlachtbetriebe nur im äußersten Notfall geschlossen werden. Wir sind systemrelevant.
Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft
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