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Seeleute unter Billigflaggen - Die Sklaven der Weltmeere

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Die "Rhosus" lief 2013 mit ihrer gefährlichen Ladung Ammoniumnitrat unter der Billigflagge von Moldau in den Hafen von Beirut ein: ein Faktor, der mit zur Katastrophe führte.

"ZDFzoom" hat zahlreiche Missstände der Arbeits- und Lebensbedingungen von Seeleuten aufgedeckt. Viele deutsche Reedereien lassen ihre Schiffe in Billiglohnländer ausflaggen.

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Das Schiff durfte im Herbst 2013 aufgrund technischer Mängel nicht weiterfahren. Für die Transportarbeitergewerkschaft (ITF) stellt sich dabei die Frage nach der Mitverantwortung des Flaggenstaats Moldau, in dem das Schiff registriert war:

Es gibt Staaten, die kassieren einfach nur das Geld und helfen damit skrupellosen Unternehmern, Schiff und Besatzung bis aufs Äußerste auszunehmen.
Sven Hemme, ITF-Inspektor

Viele Seeleute, die unter Billigflaggen fahren, werden nach Informationen der Transportarbeitergewerkschaft schlecht bezahlt und haben so gut wie keine Rechte. Matrosen verbringen oft Monate an Bord eines Schiffes, außerdem ist medizinische Hilfe meist weit weg. Auch Todesfälle an Bord gibt es. 

Antigua Barbuda und Liberia als Flaggenstaaten beliebt

Im Jahr 2000 fuhren von 1.850 Schiffen der deutschen Handelsflotte 38 Prozent (717 Schiffe) unter deutscher Flagge. 2012 sind von insgesamt 3.784 Schiffen 530 in Deutschland registriert - nur noch 14 Prozent.

Zu den beliebtesten Flaggenstaaten deutscher Unternehmen gehören laut Deutschem Reedereiverband Antigua Barbuda und Liberia. Beim Ausflaggen wird zunächst eine Briefkastenfirma in einem Billigflaggenland gegründet. Dieses Land tritt als Eigentümer auf, das Schiff bekommt eine neue Flagge.

Mit dem Corona-Pandemie-Ausbruch und dem Rückgang des Welthandels habe sich die Lage ausgeflaggter Schiffe weiter verschärft.

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An Bord gelten Regeln des Flaggenstaats

An Bord gelten die Regeln des Flaggenstaats: zumeist schlechtere Sicherheitsstandards und eine schlechtere soziale Absicherung als auf Schiffen, die unter deutscher Flagge fahren. Ein zusätzlicher Trick: Für jedes Schiff wird ein Unternehmen gegründet, das als Vertragspartner der Seeleute dient.

Obwohl die deutsche Bundesregierung seit 2015 die Förderung deutscher Reedereien mit massiven Steuererleichterungen erweitert hat, kehrte kaum ein Schiff zur deutschen Flagge zurück: "Klar haben wir uns versprochen, die Zahl der Schiffe unter deutscher Flagge zu stabilisieren - nach Möglichkeit sogar wieder nach oben zu treiben. Das Gegenteil ist eingetreten", erklärt der Maritime Beauftragte der Bundesregierung, Norbert Brackmann.

Trotz Steuererleichterung flaggen deutsche Reeder weiter aus

Zählt man alle Vergünstigungen zusammen, fördert der Staat die deutschen Reedereien jährlich mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Dennoch: einmal ausgeflaggt, kommt kaum ein Schiff zurück. Dirk Max Johns, der bis 2019 Mitglied der Geschäftsführung des Verbandes Deutscher Reeder war, kennt die Hintergründe: "Wir befinden uns in keinem globalen Handelskrieg, der es jetzt notwendig macht, deutsche Güter mit deutschen Schiffen zu transportieren."

Man hat als Reeder auch keinen Vorteil, wenn man die deutsche Flagge hat - deshalb bekomme ich nicht die Ladung von Volkswagen oder Mercedes.
Dirk Max Johns

Heutzutage könne man nur durch niedrige Personalkosten sparen, nicht durch niedrige Steuern. Und genau hier hat das Ausflaggen konkrete Auswirkungen: Auf ausgeflaggten Schiffen gelten eben keine deutschen Arbeitsschutzbestimmungen und kein deutscher Tariflohn mit Urlaubs- und Krankengeld.

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