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Kaeser nennt Klimaprotest "grotesk"

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Siemens-Hauptversammlung - Kaeser nennt Klimaprotest "grotesk"

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Siemens-Chef Joe Kaeser steht bei der Hauptversammlung in München unter massivem Druck. Dieser kommt vor allem von Umweltschützern - aber nicht nur.

Umwelt oder Umsatz? Es sind turbulente Zeiten für das Unternehmen Siemens. Die Hauptversammlung in München wird begleitet von Protesten Hunderter Klimaschützer, die gegen eine Siemens Beteiligung an einem Kohlekraftwerk in Australien protestieren.

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Mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, schwächeren Neuaufträgen und demonstrierenden Umweltschützern startet Siemens am heutigen Mittwoch in eine voraussichlich turbulente Hauptversammlung.

Klimaprotest gegen Bergwerksprojekt in Australien

Bereits vor Beginn der Veranstaltung protestierten mehrere Umweltschutz-Gruppen mit rund 300 Menschen vor der Münchner Olympiahalle, in der das Aktionärstreffen stattfindet. Hauptsächlich richten sich die Proteste gegen ein riesiges Kohlebergbauprojekt in Australien im Wert von rund 18 Millionen Euro. Siemens liefert eine Signaltechnikanlage für eine Bahnstrecke, über die der indische Energiekonzern Adani Kohle von einem geplanten riesigen Bergwerk in Australien zum Hafen transportieren wird. Die Kohle soll in Kraftwerken in Indien verfeuert werden.

Zahlreiche Klimaaktivisten protestieren vor der Münchener Olympiahalle, wo die Siemens-Hauptversammlung stattfindet. Die Proteste richten sich gegen die Klimapolitik des Konzerns.

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Siemens-Chef Joe Kaeser widersprach der Annahme der Aktivisten, dass eine Absage von Siemens das ganze Bergwerksprojekt zu Fall bringen könnte. Die gelieferte Signaltechnik sei "für die Inbetriebnahme der umstrittenen Mine irrelevant". Der Siemens-Chef bezeichnete den Umgang mit dem Auftrag aber als Fehler: "Wären wir noch einmal in der Situation, in der wir frei entscheiden könnten, fiele sie sicher anders aus."

Kaeser: "Sind Zielscheibe zahlreicher Umweltaktivisten geworden"

Kaeser zeigte weitgehend Unverständnis für die Proteste von Klimaschützern. Es mute "schon fast grotesk an, dass wir durch ein Signaltechnikprojekt in Australien zur Zielscheibe doch zahlreicher Umweltaktivisten geworden sind", sagte er. Zudem betonte er, dass die Lieferung für die Mine "irrelevant" sei.

Archiv: Joe Kaeser, aufgenommen am 05.02.2020 bei der Jahreshauptversammlung von Siemens in München
Siemens-Chef Joe Kaeser.
Quelle: Reuters

Manche Investoren aber werfen Kaeser vor, dieses Streitthema durch widersprüchliche Botschaften selbst befeuert zu haben. "Bei solchen Themen kann man nicht gewinnen, weil der Anspruch, den viele haben auf der anderen Seite, ein legitimer ist", sagte Kaeser. "Nur: Ein Anspruch alleine schafft noch keine Lösungen."

Den größten unternehmerischen Handlungsbedarf sieht Kaeser im Energiegeschäft. Die Windenergie-Tochter Siemens Gamesa hatte im ersten Quartal rote Zahlen geschrieben. Siemens hatte am Dienstag angekündigt, die Anteile des Minderheitsaktionärs Iberdrola übernehmen zu wollen, mit dem es in der Vergangenheit immer wieder Streit gegeben hatte. Nun hofft Kaeser, dass "das Management wieder mehr Kapazität hat, sich mit der Verbesserung der Ertragskraft näher zu befassen".

Hofreiter gegen Kohleprojekt, Habeck zeigt Verständnis

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte das Aus für das umstrittene Kohleprojekt des Technologiekonzerns in Australien. "Ich hoffe sehr, dass die Aktionäre und Geschäftsführung von Siemens heute ihrer Verantwortung für den Schutz des Planeten gerecht werden und dem Kohleprojekt in Australien die Unterstützung verweigern", sagte Hofreiter der Nachrichtenagentur AFP. "Für Siemens wäre das finanziell ein kleiner Schritt, für das Weltklima dagegen ein enormer Gewinn", fügte er hinzu.

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck äußerte indes Verständnis für Kaesers Haltung. "Ich nehme Herrn Kaeser ab, dass er die Entscheidung über die Signalanlage für die Kohlemine in Australien nicht leichtfertig getroffen hat", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" vom Mittwoch. "Dennoch glaube ich, dass es sicher besser gewesen wäre, auf etwas Geld zu verzichten, um gesellschaftlichen Zielen treu zu bleiben." Habeck forderte die Wirtschaft insgesamt zu mehr Nachhaltigkeit auf. "Wir müssen auch die Unternehmenswelt neu denken", sagte er.

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