ZDFheute

Kaeser: "Es wird eine Zeit nach Corona geben"

Sie sind hier:

Siemens-Chef - Kaeser: "Es wird eine Zeit nach Corona geben"

Datum:

Siemens-Chef Kaeser sieht den Konzern in der Corona-Krise gut aufgestellt. Im Interview spricht er über die Zeit danach - und über die Notwendigkeit, sich politisch einzumischen.

Wegen der Coronakrise erwartet Siemens einen moderaten Umsatzrückgang. Siemens-Chef Kaeser sieht dennoch positiv in die Zukunft, Wiederaufbaupläne werden bereits entwickelt.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

ZDFheute: Viele Dax-Unternehmen kennen in diesen Tagen nur das Wort "Gewinnwarnung" - wie sieht es bei Siemens aus?

Joe Kaeser: Wir haben deutlich gemacht, dass wir heute statt einem moderaten Anstieg einen moderaten Umsatzrückgang haben werden für das Geschäftsjahr. Aber wir haben auch gesagt, dass es eine Zeit nach Corona geben wird. 

Das Logo von Siemens. Archivbild

Nach Gewinneinbruch wegen Corona -
Siemens kippt Prognose - Zahlen aber "robust"
 

Die Corona-Pandemie zwingt Siemens, seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr zu kippen. Konzern-Chef Kaeser sieht das aber entspannt.

Es  gab eine gewaltige Konzern-Neuausrichtung in den letzten zwei Jahren - davon profitieren wir jetzt. Und wir sind genau in den Gebieten, die nach dem Wiederaufbau und Wiederaufschwung kommen werden, gut aufgestellt. Deshalb denken wir auch heute schon ganz aktiv darüber nach, wie wir den Wiederaufbau aktiv mitgestalten und natürlich davon profitieren können.

ZDFheute: Sie sagten kürzlich: "Wir stehen ganz hinten in der Reihe hilfsbedürftiger Unternehmen" - das heißt keine Hilfe vom Staat, Siemens stemmt das ganz allein?

Ja, wir stemmen das ganz allein, dank hervorragender Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Kaeser: Wir haben sehr, sehr hart gearbeitet in den letzten Jahren, um das Unternehmen neu auszurichten auf die Zukunft und die nächste Generation. Es hat mir auch viel Kritik eingebracht in einer Zeit, in der Bequemlichkeit ein bisschen überhand nahm.

ZDFheute: Herr Kaeser, Sie werden bald Aufsichtsrat der dann ausgegliederten Energiesparte Siemens-Energy sein. Dem Bereich Energie fällt bei der Bewältigung des Klimawandels eine Schlüsselrolle zu. Welche Akzente wollen, können und müssen Sie da setzen?

Über die Folgen der Corona-Krise für die Wirtschaft hat dieses ZDFspezial berichtet:

Deutschland droht eine schwere Rezession.

Beitragslänge:
11 min
Datum:

Kaeser: Der Vorschlag ist da, Aufsichtsratsvorsitzender zu werden. Das wird dann zu gegebener Zeit zu entscheiden sein.

Die Energietechnik ist ein sehr, sehr spannendes Gebiet, da die Welt immer noch einen extremen Energiemangel hat. Über eine Milliarde Menschen hat überhaupt keinen Strom, 1,5 Milliarden haben teuren, schmutzigen Strom.

Noch im Februar hatte Siemens mit massiven Vorwürfen von Umweltschützern und Aktionärsvertretern zu kämpfen:

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Diese Neuausrichtung von konventionell zu erneuerbar ist natürlich auch ein riesiger Strukturwandel. Der wird nicht an den Menschen vorübergehen. Hier muss es zwangsläufig Restrukturierungen geben, was natürlich unschön ist.

ZDFheute: Joe Kaeser - bisher hieß das: Der "politische CEO". Gilt künftig die Formel "Joe Kaeser - der politische Aufsichtsrat"?  

Kaeser: Ich glaube, der Vorstandsvorsitzende von Siemens, der Verantwortung hat für eine Marke, die die ganze Welt kennt, eine Marke die für "Made in Germany", für Ingenieurskunst, für Zuverlässigkeit steht, der ist zwangsläufig in der Mitte der Gesellschaft und des politischen Interesses.

Zweitens ist es so, dass viele Dinge unseres Produktspektrums - große Aufträge - auch von nationalem Interesse sind. Deshalb müssen Politik und Wirtschaft eng zusammenarbeiten, wenn es darum geht, die Interessen Deutschlands und deutscher Unternehmen und ihrer Mitarbeiter in der Welt zu vertreten.

Sehen Sie hier das ZDFspezial zum Kriegsende vor 75 Jahren:

Am 8. Mai vor 75 Jahren endete das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte - der Zweite Weltkrieg war vorbei.

Beitragslänge:
69 min
Datum:

Sollen sich Vorstandsvorsitzende in politische Debatten einmischen? Meine Antwort ist: Es kommt darauf an. Das ist mir gerade heute, an diesem Tag wichtig; 75 Jahre nach der Befreiung der Welt von einem nationalsozialistischen Regime, das einen Kulturbruch nie dagewesenen Ausmaßes verursacht hat.

So etwas darf nie wieder passieren. Dafür müssen alle von uns sorgen, die den Anspruch haben, auch Führung zu übernehmen.

Wenn es um Ausgrenzung, Antisemitismus und Ungerechtigkeit in der Welt geht, dann müssen wir die Stimme erheben.

Wir haben das nicht gemacht vor über 80 Jahren, oder es viel zu spät gemacht, und das geht gar nicht. Es ist ja auch eine große Debatte, ob der 8. Mai ein Feiertag sein soll. Das muss man natürlich prüfen und es liegt auch nicht an mir, das zu bewerten. Ich würde mir wünschen, dass der 8. Mai ein Gedenktag wird, an dem die Welt und gerade wir in Deutschland daran denken, wie furchtbar dieses Unheil war und daran denken, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Das Interview führte Peter Aumeier vom ZDF-Landesstudio in Bayern.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.