Sie sind hier:

Sipri-Bericht zu Rüstung - Militärausgaben so hoch wie im Kalten Krieg

Datum:

Die globalen Militärausgaben sind so hoch wie seit 1988 nicht. Dan Smith, Direktor des Friedensforschungsinstituts Sipri, spricht von einem "ziemlich brutalen Gesamtbild".

Verladung von Bundeswehrpanzern
Verladung von Bundeswehrpanzern (Archivfoto) - auch Deutschland gab mehr Geld für die Bundeswehr aus.
Quelle: dpa

Von einem "ziemlich brutalen Gesamtbild" spricht Dan Smith, der Direktor des Internationalen Friedensforschungsinstituts Sipri in Stockholm, mit Blick auf die neuesten Zahlen der globalen Militärausgaben.

Der Grund: Laut Sipri haben die Staaten dieser Welt im Jahr 2020 insgesamt etwa 1.981.000.000.000 US-Dollar für ihr Militär ausgegeben - fast zwei Billionen US-Dollar also für die Gehälter von Armeeangehörigen, Waffenarsenale und Kampfeinsätze.

Sipri-Bericht - Waffenlieferungen bleiben auf hohem Niveau 

Die Rüstungsexporte der USA, Frankreichs und Deutschlands steigen, während der Umfang weltweiter Waffenlieferungen unverändert hoch bleibt.

Videolänge
1 min
von Juliane Marie Schreiber

Aufrüstung um fast jeden Preis

Das sind die höchsten Militärausgaben seit 1988, als sich der Kalte Krieg dem Ende zuneigte. Auf ZDFheute-Nachfrage sagt Sipri-Direktor Smith, dass es einen schon "sprachlos machen" könne, mit welcher Dynamik die Militärausgaben wachsen:

Während die Pandemie die Wirtschaft schwächt, steigen die Militärausgaben schneller als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt im vergangenen Jahrzehnt.
Dan Smith, Sipri-Direktor

Zu den Hauptgründen hierfür zählen Konflikte zwischen rivalisierenden Mächten, die angestrebte Modernisierung der Waffenarsenale, expansives Machtstreben oder auch die Angst von Autokraten vor einem Aufbegehren der eigenen Bevölkerung.

USA steigern Militärausgaben kräftig weiter

Das mit Abstand größte Militärbudget haben mit 778 Milliarden US-Dollar weiterhin die USA, die damit aktuell einen Anteil von rund 39 Prozent an den weltweiten Militärausgaben halten.

Grafik: Die 15 größten Militärnationen der Welt
Quelle: Internationales Friedensforschungsinstitut "Sipri", Stockholm, 2021

Mit Abstand folgen:

  • China (mit geschätzt 252 Milliarden US-Dollar)
  • Indien (72,9 Milliarden US-Dollar)
  • Russland (61,7 Milliarden US-Dollar
  • Großbritannien (59,2 Milliarden US-Dollar)

Als Hauptgrund für die wieder gestiegenen Militärausgaben der USA, Chinas und Indiens benennt Sipri-Forscher Nan Tian "wahrgenommene Bedrohungen" und starkes wirtschaftliches Wachstum in der Zeit vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie.

Flugzeugträger "USS Theodore Roosevelt". Archivbild

Studie zu Verteidigungsausgaben - USA geben für Rüstung am meisten aus  

Die USA geben für ihre Verteidigung viel mehr aus als ihre großen Rivalen Russland und China. Das zeigt die neue Rangliste des Instituts für Strategische Studien (IISS).

China will militärisch zu den USA aufschließen

Die USA könnten es sich demnach leisten, in die Modernisierung ihres Atomwaffenarsenals zu investieren. Ebenfalls auf Basis einer florierenden Wirtschaft verkünden die Chinesen in offiziellen Statements, zu den USA militärisch bis 2049 aufschließen zu wollen. In der Konsequenz stiegen Chinas Militärausgaben zum 26. Mal in Folge.

Indien wiederum ringt mit den pakistanischen und chinesischen Nachbarn um Einfluss in der Region. Diese Konflikte sorgen für ein zusätzliches Wettrüsten in Asien, das die Sipri-Forscher mit Sorge beobachten.

Hohe Kriegskosten zwingen Saudi-Arabien zum Umdenken

In anderen Regionen der Welt zeichnet sich ein gegenteiliger Trend ab. So hat etwa Saudi-Arabien seinen Militäretat 2020 um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf geschätzt 57,5 Milliarden US-Dollar gekürzt.

Das Land, das in vielen Jahren zuvor stark aufgerüstet hatte und dessen Militär seit 2015 in den Krieg im Jemen verwickelt ist, klagt über die finanziellen Lasten des Militäreinsatzes und setzt in dem Konflikt inzwischen stärker auf Diplomatie als auf Waffen.

Fast alle OPEC-Staaten sparen beim Militär

Als einen Hauptgrund für Einschnitte in Militärbudgets sieht Sipri-Forscher Nan Tian das Erodieren der wirtschaftlichen Basis. Dies sei aktuell in vielen Ländern des Mittleren Ostens zu beobachten. Ebenso haben neben Saudi-Arabien fast alle weiteren Mitgliedsstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ihre Militärbudgets gekürzt.

Viele von diesen OPEC-Mitgliedern müssen mit einem stark gesunkenen Erdöl-Einkommen umgehen, das zuvor Haupteinnahmequelle war.
Nan Tian, Sipri-Forscher

Staaten wie Russland, Brasilien und Südkorea haben 2020 pandemiedingt deutlich weniger Geld in ihr Militär investiert als ursprünglich geplant.

Archiv: Schützenpanzer des Typs Marder werden auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Bayern) auf einen Zug verladen.

Verteidigungsausgaben - Und plötzlich sind es über 1,5 Prozent 

Wegen der Rezession durch die Corona-Krise erreicht Deutschland schon in diesem Jahr die 1,5-Prozent-Grenze bei den Verteidigungsausgaben - deutlich früher als geplant.

von Florian Neuhann, Berlin

Deutschland investiert etwa 50 Milliarden Euro ins Militär

Dagegen haben fast alle Mitgliedsstaaten des Verteidigungsbündnisses NATO ihre Militärbudgets deutlich angehoben. Deutschlands Ausgaben für die Bundeswehr etwa stiegen auf etwa 50 Milliarden Euro.

Sipri zufolge liegt die Bundesrepublik damit hinter Saudi-Arabien und vor Frankreich auf Rang sieben der Staaten mit den weltweit höchsten Militäretats.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.