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Einwanderung befördert sozialen Wohnbau

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Fünf Jahre "Wir schaffen das" - Einwanderung befördert sozialen Wohnbau

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Mehr als eine Million Einwanderer binnen kurzer Zeit: Vor fünf Jahren befürchteten viele Deutsche neue "Parallelgesellschaften". Stadtplaner ziehen heute eine andere Bilanz.

Hamburg: Eine Baustelle für Sozialwohnungen vor dem Richtfest. Dreistöckiger Rohbau umringt von einem Baugerüst.
Eine Baustelle, auf der 182 Wohnungen entstehen, aufgenommen vor dem Richtfest für das Gebaeude.
Quelle: dpa

Ein kurzer Rückblick: Wer im September 2015 die Kommentarlandschaft der sozialen Medien überflog, konnte dort mit Blick auf die große Zahl von Einwanderern unter anderem lesen: "Die integrieren sich nicht! Die bilden eine Parallelgesellschaft." Manch einer befürchtete "Kriminellen-Ghettos" oder einen "völligen Kollaps" des Wohnungsmarkts in den Metropolen.

Bis 2015 ist beim sozialen Wohnungsbau viel versäumt worden

Stadtplaner und Architekten sahen die Debatte um das mittel- und langfristige Unterbringen der vielen Einwanderer als Startsignal, um kostengünstigen und sozial integrierten Wohnbau vor allem in den Städten wieder voranzubringen. Denn dort hatte sich lange viel zu wenig getan.

Carmen Mundorff von der Architektenkammer Baden-Württemberg brachte es 2015 so auf den Punkt: "Für Menschen mit wenig Geld hat der Markt aktuell vielerorts nichts zu bieten - da ist in den vergangenen Jahren viel versäumt worden."

Wohnungsmarkt in Ballungsräumen noch immer hart umkämpft

Und heute? In vielen Metropolen ist der Wohnungsmarkt für Studenten, Arbeiter und Angestellte noch immer eng und hart umkämpft. Auch viele einkommensschwache Senioren bangen um ihre sichere Unterkunft. Asylsuchende haben dort wenig Chancen auf eigene vier Wände.

Sommer 2015: Hunderttausende Menschen kommen nach Deutschland, auch ins brandenburgische Templin.

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"Vor allem in wirtschaftsstarken Ballungsräumen ist der Wohnungsmarkt weiterhin stark angespannt, sodass dort viele Geflüchtete noch immer in großen, eng belegten Erstunterkünften untergebracht sind, obwohl sie längst Aufenthaltsgenehmigungen haben, arbeiten gehen und sich eine eigene Wohnung mieten könnten", berichtet Christine Degenhart, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer.

Großstädte für viele Einwanderer attraktiver als "flaches Land"

Gleichzeitig klagen viele mittelgroße und kleinere Städte oder auch Dörfer über großen Wohnungsleerstand. Ein Ausweg? Einwanderer lassen sich auch dort nieder, aber Großstädte üben auf die Mehrheit schlicht einen größeren Reiz aus, erklärt Degenhart:

Metropolen sind für viele Geflüchtete so attraktiv, weil sie Arbeitsmöglichkeiten und Anschluss zu einer Community versprechen.
Christine Degenhart, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer

Stadtplaner und Architekten versuchen, das Beste daraus zu machen, etwa durch das "Verdichten stabiler Stadtteile". Der zusätzliche Druck durch die Migrationswelle 2015 habe indes einen nachhaltigen positiven Effekt gehabt. So sagt Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg:

Die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland war offensichtlich der entscheidende Katalysator für die Wahrnehmung des Wohnungsmangels durch die Politik
Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg

"Damit wurde der sozial integrierte Wohnungsbau zum sozial- und baupolitischen Thema fast aller Parteien", ergänzt Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer Nordrhein-Westfalens.

Bund, Länder und Kommunen sind mit verschiedenen Programmen inzwischen wieder deutlich aktiver dabei, sozialen Wohnraum zu schaffen, der idealerweise integrativen Charakter hat
Christine Degenhart, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer

Expertin sieht keine Ghettobildung in Deutschland

Viele Kommunen arbeiten laut Christine Lemaitre, dem geschäftsführenden Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, derzeit an "hochwertigen Projekten und achten auf eine sozial ausgewogene Mischung der Bewohner: Jung und Alt, unterschiedliche Einkommen und Herkunft".

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise hat Bundeskanzlerin Merkel den Satz gesagt: "Wir schaffen das!" Genau fünf Jahre ist das her. Ein Satz mit vielen politischen und gesellschaftlichen Folgen.

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"Eine Ghettoisierung ausgelöst durch die Flüchtlingsbewegungen sehen wir in Deutschland nicht", sagt Lemaitre. Die Großaufgabe "Integration" sieht sie aber keineswegs abgeschlossen:

Die große Herausforderung war, ist und bleibt, ausreichend bezahlbaren Wohnraum in den deutschen Ballungsgebieten zu schaffen.
Christine Lemaitre, dem geschäftsführenden Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

Wie es vorbildlich funktionieren könne, zeigen laut Lemaitre Wohnquartiere wie Vauban im badischen Freiburg oder das Heilbronner Stadtquartier Neckarbogen. Dort stünden nachhaltiges Bauen auf dichtem Raum, Bürgerbeteiligung und sozial verträgliches, integratives Wohnen im Einklang miteinander.

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