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Energiepreise : Bleiben die Kosten für Gas und Strom so hoch?

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Schock für viele Verbraucher zu Jahresbeginn: Die Kosten für Strom und Heizen sollen steigen, teilweise um bis zu 100 Prozent. Woran das liegt - und ob der Trend anhält.

Ein Stromzähler.
Ein Blick auf den Stromzähler - viele müssen sich auf hohe Energiekosten einstellen.
Quelle: Sina Schuldt/dpa/Symbolbild/Archiv

Viele Gas- und Stromkunden trauen ihren Augen nicht, wenn sie dieser Tage die Post von ihren Energieversorgern öffnen. Satte Preiserhöhungen werden angekündigt - in manchen Fällen um mehr als 100 Prozent.

Die Versorger geben sich unschuldig. Es seien die gestiegenen Beschaffungspreise, die sie an die Endverbraucher weitergeben müssten, heißt es immer wieder zur Begründung.

Die Großhandelspreise sind schuld

Und ein Blick an die Börsen zeigt, dass hier tatsächlich die Preise bereits im vergangenen Jahr durch die Decke gegangen sind.

Inwieweit die jeweiligen Versorger hiervon betroffen sind, entscheidet aber auch deren Einkaufsstrategie. Denn: Wer für Jahre und Monate im Voraus langfristig am sogenannten Terminmarkt einkauft, den treffen die aktuellen Preiseskapaden zunächst nur wenig.

Die aktuell hohen Gaspreise treffen Millionen Menschen. Verbraucherinnen und Verbrauchern bleibt nur, Preise zu akzeptieren oder nach einem billigeren Anbieter zu suchen.

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Die Gründe sind vielseitig

Vieles hängt am Gas, da Gas nicht nur zum Heizen, sondern auch in ganz erheblichem Umfang zur Stromproduktion eingekauft werden muss. Doch Gas wollen und brauchen im Moment viele - offenbar zu viele. Vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) heißt es:

Weltweit steigt aufgrund der konjunkturellen Erholung die Nachfrage nach Vorprodukten und Rohstoffen.
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

"Während es vor Corona ein zeitlich versetztes Wirtschaftswachstum in den unterschiedlichen Weltregionen gab, wurde dieses durch die konjunkturelle Erholung durch Corona synchronisiert", heißt es vom BDEW weiter.

Dies führt in allen Weltregionen gleichzeitig zu einer erhöhten Nachfrage nach Rohstoffen und lässt die Preise international steigen.
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

Hinzu komme, dass sich auch der Preis für CO2-Zertifikate in den vergangenen 24 Monaten mehr als verdoppelt habe.

Gasverband: Müssen auch andere Quellen anzapfen

Aber auch die Marktmacht einzelner Player spiele beim Preis eine entscheidende Rolle, analysiert Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Der Gaspreis ist vor allem durch die geopolitischen Streitigkeiten insbesondere mit Russland gestiegen.
Claudia Kemfert

Diese Abhängigkeit von einzelnen Gasproduzenten sieht auch Charlie Grüneberg vom Gasverband "Zukunft Gas" kritisch und spricht sich für Schiffslieferungen von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus den USA aus.

"Das ständig verfügbare Pipeline-Gas wird preislich immer knapp unter flexiblen LNG liegen, sinkt der Preis für LNG, sinkt auch der Spotmarkt-Preis für Pipeline-Gas", so Grüneberg.

Wir fordern schon länger, die Erdgasbezüge in Deutschland zu diversifizieren.
Charlie Grüneberg, Gasverband "Zukunft Gas"
Interview

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Grüne Energie drückt den Preis

Claudia Kemfert hat vor allem die langfristige Perspektive im Blick. "Fakt ist: Fossile Energien werden teurer, sei es, weil die Weltmärkte durchdrehen oder weil die Politik sie absehbar teurer machen wird." Die Lösung heiße daher eine "Abkehr von fossilem Erdgas durch eine konsequente Energiewende mit erneuerbaren Energien und Energiesparen".

Und tatsächlich: Energie aus Windkraft und Solar ist inzwischen vergleichsweise billig. "Je schneller wir die Energiewende mit mehr Energiesparen und erneuerbaren Energien umsetzen, desto geringer können die Energiekosten werden", resümiert Kemfert.

Erstmal bleibt's aber teuer

Für Charlie Grüneberg hingegen ist die Energiewende noch ein langer Weg. "Wenn seit Januar (und dem Abschalten von drei weiteren AKWs) weniger, und ab 2023 gar keine Energie aus Kernkraft zur Verfügung steht, wird es mehr Nachfrage nach Energien aus anderen Quellen geben", so Grünberg.

Windkraft und Solarenergie seien zwar "zwei stark wachsende Quellen, konnten 2021 aber beispielsweise lediglich 16,1 Prozent des bundesdeutschen Primärenergiebedarfs decken."

Deutschland werde also noch "einige Zeit auf Gas angewiesen sein, vor allem wenn die Bundesrepublik früher als geplant aus der Kohleverstromung aussteigen will." Ein bisschen Hoffnung macht Grüneberg dennoch:

Wir erwarten noch einige Zeit stark schwankende Preise. Wird der Februar und der weitere Verlauf des Winters eher mild, wird sich das auch entspannend auf die Preissituation auswirken.
Charlie Grüneberg

Der Streit um die deutsch-russische Gaspipeline Nord Stream 2 - mehr dazu im Video:

Die Pipeline Nord Stream 2 wird, so der Plan, bald über die Ostsee russisches Gas nach Deutschland und Mitteleuropa bringen. So soll die Energieversorgung sichergestellt werden, heißt es.

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