Ende des Tankrabatts: Wieso Ölkonzerne jetzt abkassieren

    Ende des Tankrabatts:Wieso Ölkonzerne jetzt abkassieren

    Christian Thomann-Busse
    von Christian Thomann-Busse
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    Haben Mineralölkonzerne das Ende des Tankrabatts genutzt, um schnell kurzfristig ihre Gewinne zu pushen? Der Verdacht liegt zumindest nahe - und Stellungnahmen sind rar.

    2 Stunden nach Ende Tankrabats weist eine Tankstelle in Berlin bereits erhöhte Preise aus.
    Zwei Stunden nach Ende Tankrabats weist eine Tankstelle in Berlin bereits erhöhte Preise aus.
    Quelle: dpa

    "Hat jemand diese Karawane von Tanklastern gesehen, die in der Nacht zu Donnerstag die leeren Tankstellen versorgt hat? Es war wohl kein Tropfen günstiger Sprit mehr da – anders als zu Beginn des Tankrabatts, als noch teurer Sprit für drei Wochen in den Tanks lagerte."
    Natürlich hat sie niemand gesehen, die Tanklaster-Karawane. Was Twitter-User Michael da zur Sprache bringt, bewegt nicht nur die Social-Media-Community.

    War der billige Sprit zum Ende des Tankrabatts wirklich verkauft?

    Die zentrale Frage, die im Raum steht: Wie kann es sein, dass zu Beginn des Tankrabatts die Preise nur zögerlich gefallen waren – zum Ende der Aktion aber pünktlich um Mitternacht durch die Decke gingen?
    Für den allmählichen Preisrückgang Anfang Juni gab es immerhin eine plausible Erklärung: In den Tanks war noch der "teure", nicht subventionierte Sprit. Und der musste erst mal ohne Verluste an den Markt weitergegeben werden. Hieß es.
    Aber waren nun – zum Ende des Rabatts – die Vorräte an "billigem" Sprit überall wirklich um Punkt Mitternacht aufgebraucht, so dass eine sukzessive Preisanpassung wie drei Monate zuvor unmöglich war?

    Spritpreise steigen wieder
    :Worauf Sie beim Tanken jetzt achten sollten

    Seit Donnerstag gibt es keine Steuersenkung mehr auf Benzin und Diesel. Das macht sich direkt an den Tankstellen bemerkbar. Hier Tipps, wie trotzdem gespart werden kann.
    Der Preis für Superbenzin und Diesel ist an einer Anzeigetafel in der Nacht nach dem Umschalten zu einem höheren Preis an einer Tankstelle in München angezeigt.

    Der Branchenverband findet das logisch

    Was also, wenn nicht der Griff nach schnellem Geld, könnte hinter der Preisentwicklung für Benzin und Diesel stecken? Die Mineralölkonzerne halten sich bislang bedeckt.

    Ende August haben die Autofahrerinnen und Autofahrer den Tankrabatt richtigerweise noch einmal voll ausgenutzt. Die hohe Nachfrage hat wie erwartet dazu geführt, dass die meisten Tankstellen nicht mehr viel steuervergünstigtes Benzin und Diesel im Angebot hatten.

    Branchenverband en2x

    "Seit Donnerstag gelte wieder die reguläre Energiesteuer, und dies bedeute, dass "für Benzin knapp 30 Cent und bei Diesel rund 14 Cent höhere Steuern, die die Mineralölwirtschaft an den Staat abführen muss". Die Preise seien, so ein Sprecher des Verbands en2x, "nach unseren Beobachtungen aber weniger stark gestiegen als die nunmehr wieder geltenden Energiesteuersätze".

    Die Benzinpreise schleichen unbemerkt nach oben

    Womit en2x ein Thema nicht erwähnt: die schleichenden Erhöhungen der Spritpreise in den Tagen zuvor.

    Wir hatten in den letzten zwei Wochen bereits deutlich steigende Preise bei Benzin und Diesel.

    Katharina Luca, ADAC

    Der Tankrabatt in Deutschland ist wieder Geschichte, die Preise für Diesel und Benzin sind nach oben geschnellt. Wie teuer ist das Tanken in Frankreich und Österreich?01.09.2022 | 2:03 min
    Natürlich gebe es derzeit auch Sonderfaktoren, die man berücksichtigen müsse: beispielsweise Lieferschwierigkeiten aufgrund des Niedrigwassers, eine höhere Nachfrage nach Heizöl oder auch die Umstellung zahlreicher Unternehmen von Gas auf Öl als Energieträger.

    ADAC findet das Vorgehen "unverschämt"

    Aber: "Für uns ist es schon fast unverschämt den Verbrauchern gegenüber, die Preise für Benzin und Diesel jetzt so zu erhöhen", so die ADAC-Sprecherin. Für den Automobilclub bleibe die Preisentwicklung sehr intransparent. "Wir setzen jetzt verstärkt unsere Hoffnung aufs Bundeskartellamt das aufzuklären."
    Die Wettbewerbshüter in Bonn haben das Geschehen bereits im Blick, wollen aber ein vorschnelles Urteil vermeiden.

    Wir gehen davon aus, dass wir kommende Woche, wenn sich die Situation eingerüttelt hat, so viele Erkenntnisse haben, dass wir dazu ein Statement abgeben können.

    Ein Sprecher des Bundeskartellsamts

    Unstrittig sei, dass der Treibstoffmarkt generell vom Rocket-and-Feather-Effekt getrieben sei: Preissteigerungen an den Rohstoffmärkten werden umgehend mit Raketenstart umgesetzt, bei sinkenden Ölpreisen fällt der Spritpreis hingegen nur sanft wie eine Feder.

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