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Tönnies-Antrag auf Hilfen erntet Kritik

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Nach Corona-Quarantäne - Tönnies-Antrag auf Hilfen erntet Kritik

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Dem Fleischbetrieb Tönnies wird vorgeworfen, die Gesundheit der Menschen einer gesamten Region gefährdet zu haben. Nun bittet die Firma um staatliche Hilfe. Das stößt auf Kritik.

Mitarbeiter in Schutzmasken sind vor dem Stammsitz der Fleischfirma Tönnies im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück zu sehen.
Tönnies wird vorgeworfen, das Risiko von Coronavirus-Infektionen unter Mitarbeitern durch schlechte Arbeitsbedingungen erhöht zu haben.
Quelle: Reuters

Der Schlachtbetrieb Tönnies hat die Erstattung von Lohnkosten für die Zeit der Corona-Quarantäne beantragt, eine Entscheidung die weiter auf Kritik stößt.

Die Signalwirkung einer solchen Forderung sei bedenklich, so Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). "Ich habe dafür wenig Verständnis", sagte sie der "Bild am Sonntag". Durch die Vorfälle sei eine ganze Region in Mitleidenschaft gezogen worden.

Der Ärger der Bürger darüber wird durch das jetzige Vorgehen sicherlich nicht kleiner werden.
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner

Erstattung von Lohnkosten grundsätzlich möglich

Der Schlachtbetrieb Tönnies und weitere Subunternehmer haben beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe Anträge auf Erstattung von Lohnkosten durch das Land Nordrhein-Westfalen gestellt.

Hintergrund sind die Quarantäne-Maßnahmen, die nach dem massiven Corona-Ausbruch unter Tönnies-Arbeitern am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück verhängt wurden. Das Infektionsschutzgesetz sieht nach Angaben der Behörden eine Erstattung vor, wenn Gesundheitsämter einen Betrieb schließen und Quarantäne anordnen.

Der Schlachtbetrieb Tönnies darf nach drei Wochen Schließung wieder öffnen. Zunächst werden Teile der Verwaltung in Betrieb genommen. Die Produktion bleibt noch geschlossen.

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1 min
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Eine 'Region in Geiselhaft'

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hält einen gesetzlichen Anspruch der Firma Tönnies und ihrer Subunternehmer für möglich, mahnte aber in der "Bild am Sonntag": "Ich würde mir anstelle von Herrn Tönnies und seinen Geschäftspartnern sehr genau überlegen, was man den Bürgerinnen und Bürgern in Nordrhein-Westfalen eigentlich noch alles zumuten will."

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg forderte das Unternehmen auf, jetzt die Verantwortung zu übernehmen, die es zuvor beim Gesundheitsschutz habe vermissen lassen. "Dafür wurde schon eine ganze Region in Geiselhaft genommen. Ich finde es unanständig, sich auch noch auf Kosten der Steuerzahler schadlos halten zu wollen."

'Nur leere Worte'

Für Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sind die Anträge von Tönnies Beweis dafür, dass die Ankündigungen des Unternehmens "nur leere Worte waren und man kein Vertrauen in die Unternehmensführung haben kann". Es sei dreist, wie Tönnies jetzt abkassieren wolle.

"Wer auf ein System der Ausbeutung setzt, die Gesundheit von Menschen riskiert und selbst in der Mitverantwortung für angeordnete Quarantänemaßnahmen steht, sollte sich mit dem Ausreizen von möglichen Erstattungsansprüchen besser zurückhalten", so Hofreiter.

Nach massenhaften Corona-Infektionen bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies diskutiert ganz Deutschland über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Werkvertragmitarbeitern.

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