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Wissen, was man kauft - Wie mehr Transparenz für Kunden entsteht

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Verbraucher fragen immer genauer nach, fordern Transparenz statt Geheimnistuerei. Wie kann man herausfinden, wer was produziert? Und unter welchen Bedingungen?

Archiv: Ein Arbeiter sortiert Kaffeebohnen, aufgenommen am 25.06.2019 in Simbabwe
Quelle: Reuters

Die kleine Hamburger Rösterei hat sich einen kämpferischen Namen gegeben: Quijote, wie die Romanfigur. Der Ritter von der traurigen Gestalt, der verrückt genug ist, gegen Windmühlen zu kämpfen.

Für manche mag Andreas Felsens Unternehmensphilosophie ebenso aussichtslos klingen: vollkommene Transparenz. "Das hat jetzt nichts mit irgendeiner utopischen Spinnerei zu tun", sagt der Kaffeeröster, "das funktioniert hier tatsächlich sehr pragmatisch und gut."

Weltmarktpreis liegt unter Produktionspreis

Quijote verarbeitet jedes Jahr 1.800 Säcke Kaffeebohnen aus Mittel- und Südamerika. Oberstes Prinzip: Gerechtigkeit - in einer Branche, die für Ausbeutung berüchtigt ist. Für Andreas Felsen ist Kaffee mehr als eine Frage des Geschmacks. Kaffee ist Verantwortung:

Die Qualität des Kaffees, die machen nicht wir hier als Kaffeeröster. Für die Qualität des Kaffees sind die Bauern und Bäuerinnen verantwortlich, die den Kaffee anbauen.

Aber, so Andreas Felsen weiter, "der Weltmarktpreis bewegt sich seit vielen Monaten bei ungefähr einem Dollar für ein Pfund Rohkaffee. Das funktioniert nicht. Die Produktionskosten in Mittelamerika und Südamerika, wo wir den Großteil unseres Kaffees herbekommen, liegen bei 1,30 Dollar bis 1,40."

Sehen Sie hier die ganze plan B-Dokumentation "Wissen, was man kauft - Mehr Transparenz für Kunden"

Beitragslänge:
30 min
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Voller Kosteneinblick für die Kunden

Quijote zahlt drei Dollar pro Pfund. Und sorgt so für sichere Arbeits- und Lebensverhältnisse in den Kaffeeländern. Dies, und noch viel mehr, wird auf der Website von Quijote offengelegt. Sogar die eigenen Röstprofile sind kein Geschäftsgeheimnis, ebensowenig wie alle Geschäftsbeziehungen, Verträge und Zahlen – bis hin zu den Gehältern.

"Wir haben keinen Chef", sagt Quijote-Gründer Andreas Felsen, den hier alle Pingo nennen, "und wir haben keine Angestellten." Auch sonst ist das Geschäftkonzept ungewöhnlich:

Wir sind zwölf gleichberechtigte Leute. Wir entscheiden alles zusammen auf Vollversammlungen. Und: Wir erhalten alle denselben Lohn.
Andreas Felsen, Kaffeeröster

"Wir haben uns selber limitiert auf den hamburgischen Durchschnitts-Lohn von 4.400 Euro momentan. Das ist das, was wir verdienen. Mehr wollen wir alle gar nicht haben," erläutert Andreas Felsen noch.

Ziel: Transparenz als Selbstverständlichkeit

Der 47-Jährige will von seinem Hamburger Hinterhof aus nicht weniger als den globalen Kaffeehandel revolutionieren. Deshalb gründete er eine Initiative, die andere Röstereien mit ins Boot holen will:

"'The Pledge' ist eine Selbstverpflichtung oder ein Versprechen von mittlerweile ziemlich vielen und sehr renommierten Kaffeeröstereien, immer zu veröffentlichen: Was zahlen sie an die Bauern? So dass das nachvollziehbar ist: Was für einen Kaffee kaufe ich denn da? Und ist das nun Ausbeutung oder nicht? Das könnte sehr viel sagen über die Leute, die nicht bereit sind, transparent zu sein."

Burger mit Rote Beete: Das Patty sieht aus wie Fleisch, schmeckt wie Fleisch und „blutet“ sogar – ist aber vegetarisch. Der Markt für Fleischersatzprodukte wächst rasant.

Fleischkonsum -
Eine Revolution auf dem Teller
 

Hygieneskandal, Gammelfleisch und Massentierhaltung. Fleisch hat einen schlechten Ruf. Mehr und mehr Erzeuger wollen etwas ändern und setzen auf Handwerk, Qualität und Transparenz.

von Christian Dezer

Auch "Große" Kaffee-Unternehmen steigen um

Der Quijote-Gründer versucht, auch die großen Player von seinem Ansatz zu überzeugen – und stößt bei Tchibo auf offene Ohren. Das Unternehmen unterstützt weltweit Fairtrade-Projekte und bezahlt dort stabile Löhne über Weltmarktniveau plus Prämien. Rund ein Viertel des Tchibo-Kaffees ist Bio- oder Fairtrade-zertifiziert.

Und erste Vorzeigeprojekte setzen auch auf Transparenz. "Es ist noch nicht perfekt", sagt Gina Staschke, die an neuen Produktideen arbeitet. "Deswegen sagen wir ja auch: Wir sind auf dem Weg."

Für unsere Fast Fasion bauen Bauern zum Beispiel in Indien Baumwolle an. Ein Geschäft, von dem sie kaum leben können. Das Textilunternehmen Dibella geht andere Wege.

Beitragslänge:
2 min
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Entscheidend ist, was Kunden wollen

Bio-Qualität, faire Arbeitsbedingungen und volle Transparenz – eine Rezeptur, für die eine wachsende Zahl von Menschen bereit ist, mehr auszugeben. Kaffeeröster Andreas Felsen setzt auf Rückenwind durch die Kunden und Kundinnen.

Denn ihre Nachfrage entscheidet mit, welcher Kaffee in die Regale kommt: "Ganz alleine können wir nichts verändern. Es ist ganz klar, dass wir nur mit anderen zusammen die Welt des Kaffees verändern können."

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