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Klimawandel und Trockenheit - Tunesien: Wirtschaftsfaktor Wasser

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Wasser ist rar in Tunesien. Das nordafrikanische Land gehört zu den wasserärmsten der Welt. Und es ist ein Wirtschaftsfaktor - daher ist Hilfe gefragt.

Stausee Sidi Saad, Tunesien
Marode Anlagen: Stausee Sidi Saad in Tunesien
Quelle: Brigitte Scholtes

Der Klimawandel und eine wachsende Bevölkerung verschärfen das Problem der Wasserknappheit in Tunesien: Um bis zu 1,5 Grad Celsius könnten die Temperaturen in den nächsten 30 Jahren steigen, was längere Trockenperioden zur Folge hätte. Bis etwa 2030 dürfte die verfügbare Ressource an Frischwasser in Tunesien von 440 auf 360 Kubikmeter pro Einwohner und Jahr sinken. Zum Vergleich: Der globale Durchschnitt liegt bei 5.921 Kubikmeter.

Schon jetzt kann man im Süden Tunesiens beobachten, welche Auswirkungen die Dürre hat. Etwa in der Region Kairouan. Nahe dem Dorf El Khol ist der See trockengefallen. In den vergangenen sechs Monaten hat es nicht geregnet. Das Wasser des Sees dient eigentlich der zusätzlichen Bewässerung der Felder, so können die etwa 200 Dorfbewohner auch andere Kulturen wie etwa Kartoffeln anbauen. Die Olivenbäume bringen fünfmal so viel Ertrag.

Wasser ist ein Wirtschaftsfaktor

Mehr Wasser bedeutet für die Bewohner mehr Einkommen. Früher hätten sie auch als Tagelöhnerinnen gearbeitet, berichtet Najoua Dhaflouai. Sie leitet eine Organisation zur Unterstützung der Bäuerinnen. Nun aber verarbeiten sie die Ernten zum Beispiel zur typischen Gewürzpaste Harissa, verkaufen Gewürze und Bio-Olivenöl - sogar bis nach Europa.

Najoua Dhaflouai
Unterstützt Bäuerinnen: Najoua Dhaflouai
Quelle: Brigitte Scholtes

Staubecken gibt es, aber sie sind zum Teil marode. Deshalb sollen Kleinstspeicherbecken instandgesetzt, Pumpen und Leitungssysteme gebaut werden. Sie können helfen, Wasserressourcen effizienter zu nutzen. Bisher gelingt das nicht. Denn wenn Regen fällt, dann häufig so stark, dass die Böden erodieren und das Dorf abgeschnitten ist. "Dann leben wir wie auf einer Insel", sagen die Frauen des Dorfes. Von außen können sie nicht mehr versorgt werden, die Kinder können nicht zur Schule gehen.

Deutschland unterstützt Tunesien massiv

Es erfordert hohe Investitionen, die Wasserversorgung effizienter zu machen. Das wäre auch von großer Bedeutung für die sozioökonomische Entwicklung. Denn eine unzureichende Wasserversorgung hält auch Industrie und Gewerbe von Investitionen ab. Das kann der staatliche Wasserversorger Sonede allein nicht leisten. Deshalb helfen Entwicklungsbanken aus dem Ausland. Und das nicht erst seit dem "Compact with Africa", ein Pakt, den die G20-Länder vor drei Jahren beschlossen haben. Ziel der Kooperation mit Afrika ist es, die Bedingungen für private Investitionen und Beschäftigungsmöglichkeiten in Afrika gemeinsam mit den afrikanischen Ländern zu verbessern.

Tunesien ist dabei eines der Länder, um das die Bundesregierung sich verstärkt bemüht. So fließt in den Wassersektor die Hälfte der 3,1 Milliarden Euro, die die staatliche Entwicklungsbank KfW im Auftrag des Entwicklungsministeriums in Tunesien investiert. Denn vier Fünftel des Wassers in dem nordafrikanischen Land werden in der Landwirtschaft verbraucht, auch wenn dort nur ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts erzeugt wird.

In die Förderung fallen auch Maßnahmen wie Bewässerung, Hochwasserschutz, die Entsalzung von Brack- und Meerwasser. So ist seit Mai 2018 auf der Urlaubsinsel Djerba die erste Meerwasserentsalzungsanlage Tunesiens in Betrieb. Die Urlaubsinsel lebt vom Tourismus, sie ist wichtig für die gesamte Volkswirtschaft des Landes.

Trinkwasser ist ein kostbares und knappes Gut - weltweit. Trotzdem verschmutzen, verschwenden und vergiften wir diese Ressource, die viele für den Rohstoff des 21. Jahrhunderts halten.

Beitragslänge:
27 min
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Djerba hat eine Meerwasserentsalzungsanlage bekommen

Djerba leidet unter großem Wassermangel, weil neben den Einheimischen auch noch die Touristen in den zahlreichen Hotels versorgt werden müssen. Die Insel hatte kaum Frischwasser zur Verfügung, sondern wurde zum Großteil vom Festland aus beliefert - die Trinkwasserqualität aber war sehr schlecht. 75 Millionen Euro hat die Meerwasserentsalzungsanlage gekostet, zu vier Fünfteln finanziert von der KfW. Einen großen Nachteil hat Meerwasserentsalzung jedoch: Sie ist teuer und sehr energieintensiv. Deshalb bemüht man sich auf Djerba um hohe Energieeffizienz, etwa über Energierückgewinnung.

Die Bevölkerung sei zunächst noch skeptisch gewesen, erzählt Jaleleddine Henchiri, Präsident des Tourismusverbands auf Djerba. Schließlich habe sie jahrelang unter der schlechten Qualität des Wassers gelitten. Und der Unmut gegenüber den Touristen sei ebenfalls groß gewesen: "Wenn das Wasser zwischenzeitlich einmal abgestellt wurde, dann führte die lokale Bevölkerung das auch auf die Touristen und ihren intensiven Wasserverbrauch zurück", sagt Henchiri. Diese negative Stimmung habe sich dann auch auf die Qualität des Service in den Hotels ausgewirkt. "Das haben wir nun in den Griff bekommen." Weitere Meerwasserentsalzungsanlagen an der tunesischen Küste sind schon in Planung, etwa in Gabes, Sfax oder in Sousse.

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