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US-Konzern macht Schluss mit Rauchern

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Raucher als Mitarbeiter? - US-Konzern macht Schluss mit Rauchern

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Das US-amerikanische Unternehmen U-Haul stellt als eine der ersten Firmen weltweit keine Raucher mehr ein. Diese Entscheidung sorgt für heftige Diskussionen.

So mancher liebt die 5-minütige Zigarettenpause am Arbeitsplatz. Ein Unternehmen in den USA will nicht nur das verbieten, sondern rauchende Bewerber gar nicht erst aufnehmen.

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Schlechte Nachrichten für Raucher auf Jobsuche: in den USA kann Nikotinkonsum künftig ein Ausschlusskriterium bei der Bewerbung sein. Bei dem Umzugsunternehmen U-Haul mit rund 30.000 Mitarbeitern heißt es seit dem 01. Februar: egal ob Zigaretten, Vapingprodukte oder moderne E-Varianten – wer diese nutzt, hat zumindest bei U-Haul keine Chance auf einen Job.

Kostenfaktor Raucher

Mit der neuen Anti-Raucher-Regel ist U-Haul nach eigenen Angaben Pionier. In einer Pressemitteilung heißt es, das Unternehmen wolle damit "eine Kultur des Wohlbefindens aufbauen und die Gesundheit der Mitarbeiter fördern". Experten vermuten hinter der Maßnahme allerdings vor allem eine clevere Sparmaßnahme.

Denn: In den Vereinigten Staaten fallen für rauchende Mitarbeiter bis zu 6.000 Dollar höhere Krankenkassenbeiträge pro Jahr an. Die amerikanische Arbeitsrechtlerin Karen Buesing erklärt: "Die Kosten für das Gesundheitssystem in den USA betragen rund 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, in anderen Ländern sind sie nur halb so hoch. Von diesen 20 Prozent fallen etwa Zwei Drittel der Ausgaben beim Arbeitgeber an."

Raucher sind da ein zusätzlicher Kostenfaktor, denn sie sind häufiger und länger krank.
Karen Buesing, amerikanische Arbeitsrechtlerin

Sinnvoller Schritt oder dreiste Diskriminierung?

Nur noch Nichtraucher - mit dieser Entscheidung  hat sich U-Haul ins Zentrum einer heftigen Social-Media-Debatte katapultiert. In den sozialen Netzwerken findet ein wahrer Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern der Regelung statt.

Während einige Nutzer sie als sinnvollen Schritt "im Kampf gegen das Nikotin" feiern und sich bei U-Haul bedanken, machen andere ihrem Ärger über die Maßnahme so richtig Luft.

Sie sehen darin vor allem eine "erneute Niederlage für die persönliche Freiheit" und werfen dem Konzern vor, Menschen aus sozial schwachen Verhältnissen zu benachteiligen.

Zwei Personaler schauen sich in einem Konferenzraum in Berlin während eines Vorstellungsgesprächs die Bewerbungsmappe einer Bewerberin an (gestellte Szene).
"Rauchen Sie?" Bei U-Haul gehört diese Frage ab jetzt zum regulären Bewerbungsgespräch.
Quelle: Picture Alliance

Kritik an Anti-Raucher-Offensive

Denn: unter Geringverdienern finden sich überdurchschnittlich viele Raucher, gleichzeitig sind sie besonders häufig auf Arbeitssuche. Kritiker fürchten, dass diese Menschen daher besonders stark von U-Hauls Anti-Raucher-Offensive betroffen sein könnten. Die kategorische Ablehnung von Rauchern sei deshalb ein klarer Fall von Diskriminierung.

Karen Buesing sagt dazu: "In den USA funktionieren Anti-Diskriminierungsgesetze auf der Basis von bestimmten Kriterien wie Hautfarbe oder Geschlecht. Rauchen gehört nicht dazu, somit sind Raucher auch nicht Teil einer geschützten Klasse". Von einer juristischen Perspektive betrachtet, sei U-Hauls Vorgehen somit nicht diskriminierend, sondern völlig legitim.

Unangekündigte Nikotintests

In den 21 der 50 US-Bundesstaaten, in denen die Anti-Raucher-Regelung arbeitsrechtlich erlaubt ist, gehört die Frage "Rauchen Sie?" ab jetzt in jedes Bewerbungsgespräch bei U-Haul. Lügen ist zwecklos, denn mit der Unterschrift unterm Arbeitsvertrag erklären sich die Mitarbeiter mit unangekündigten Nikotintests einverstanden: per Urin-, Blut- oder Haarprobe.

Für Kritiker wie Edgar Ndjatou ist das ein eindeutiger Eingriff in die Privatsphäre. Er berät mit seiner Non-Profit-Organisation "Workplace Fairness" Menschen auf Jobsuche und sieht in U-Hauls Vorgehen eine mögliche Gefahr:

Ich mache mir Sorgen darüber, was passiert, wenn sich dieser Trend durchsetzt.
Edgar Ndjatou, NGO Workplace Fairness

In Zukunft könne es dann vielleicht sein, dass Arbeitgeber entscheiden, Leute, die zum Beispiel gerne Fastfood essen, einfach nicht mehr einzustellen. "Oder, noch lächerlicher, bei der Auswahl grundsätzlich danach zu gehen, was potenzielle Mitarbeiter noch so alles in ihrer Freizeit tun!"

Anti-Raucher-Regel in Deutschland nicht durchsetzbar

In Deutschland sei U-Hauls Vorgehen nicht denkbar, sagt Arbeitsrechtler Prof. Dr. Michael Fuhlrott. Zwar dürften auch hier Firmen vorgeben, ob am Arbeitsplatz geraucht werden darf oder nicht, eine generelle Regel, die Mitarbeitern das Rauchen verbietet, verstoße aber gegen das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers.

Auch Nikotintests und Fragen nach dem Nikotinkonsum des Bewerbers seien bis auf wenige Ausnahmen unzulässig, weil die Entscheidung zu rauchen eine rein private sei und die Berufsfähigkeit nicht beeinflusse. Fuhlrott sagt auch: "Bei solchen Fragen darf der Bewerber im Gespräch lügen – sollte sich später herausstellen, dass er die Unwahrheit gesagt hat, kann der Arbeitsvertrag im Nachhinein nicht angefochten werden!"

Zumindest in den USA aber gilt U-Hauls neue Anti-Raucher-Regel erstmal. Noch ist nicht klar, ob das Unternehmen mit dem kategorischen Ausschließen von Rauchern einfach nur voll im Trend liegt und wie immer mehr Firmen aktiv die Gesundheit der Mitarbeiter fördert; oder ob Maßnahmen wie unangekündigte Nikotintests insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Datenschutzdebatte ein weiterer Schritt in Richtung "Gläserner Mensch" sein könnten.

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