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Trend aufs Land - "Das Dorf kann auf alle Fälle Innovation"

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Dörfersterben und Bevölkerungsboom in Großstädten - diese Entwicklung in Deutschland schien lange manifestiert. Eine Studie kommt nun zu dem Ergebnis: Daran ändert sich was.

Das Abendlicht lässt die idyllische Ortschaft in Bayern aufleuchten.
Landleben und günstiger Wohnraum in Bayern. (Symbolbild)
Quelle: dpa

Die Menschen ziehen aus der Stadt aufs Land, seit einigen Jahren schon. Catherina Hinz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung stellt fest: Da verändert sich was.

makro: Jahrzehntelang zog alles in die Städte, ländliche Regionen erlitten einen steten Aderlass. Ist dieser Trend gebrochen?

Catherina Hinz: Noch immer ziehen junge Menschen für ihre Ausbildung in die Städte. Doch wenn sie in das Alter kommen, wo sie eine Familie gründen wollen, interessieren sich wieder mehr für ein Leben auch jenseits der Metropolen. Bei den innerdeutschen Umzügen gewinnen aktuell vor allem die Umlandregionen wieder, während die Großstädte Einwohner verlieren. Abgelegene ländliche Regionen können bislang aber kaum davon profitieren.

Der Wunsch auf ein Leben im Grünen hat sich durch den Corona-Lockdown bei Familie Jakobs verstärkt. Das Landleben punktet mit mehr Natur, weniger Lärmbelastung und günstigeren Wohn- und Mietpreisen.

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Das Leben in einem Dorf oder einer Kleinstadt erscheint - ein guter Internetzugang vorausgesetzt - durchaus attraktiv.

Mit unserer aktuellen Studie wollen wir - Berlin-Institut und Wüstenrot Stiftung - unter anderem zeigen, dass diese "neue Landlust" für einige Gemeinden in entlegenen Regionen eine Chance sein kann, Menschen zurückzugewinnen, die in den letzten Jahrzehnten in die Ballungsräume gezogen sind.

makro: Welche Rolle spielen hierbei die Digitalisierung und der Wandel von Unternehmenskulturen?

Hinz: Die Digitalisierung und der Wandel hin zu mehr ortsunabhängigem Arbeiten kann als Umzugshelfer dienen. Bislang konzentrieren sich Hochschulen und die Jobs für Hochqualifizierte in den Städten, weswegen die Menschen dort auch leben. Wer aufgrund von neuen Homeoffice-Regeln zukünftig nicht mehr täglich ins Büro muss, denkt eventuell eher darüber nach, seinen Traum vom Landleben auch umzusetzen.

makro: Wie vertragen sich hippe, digitale Städter mit alteingesessenen Landbewohnern? Das klingt auch nach Konflikten!

Hinz: Da stoßen sicher zum Teil auch Welten aufeinander. Wie gut die neuen und eingesessenen Bewohner miteinander klarkommen, ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Viele der Stadtflüchtigen hinter den Initiativen und Projekten, die wir für unsere Studien "Digital aufs Land" und "Urbane Dörfer" untersucht haben, möchten sich einbringen und suchen aktiv Kontakte. Niedrigschwellige Begegnungsmöglichkeiten - wie beim Dorffest - helfen, sich näherzukommen.

Aber die Impulse gehen ja nicht nur von Menschen aus, die bislang in der Stadt gelebt haben. Die Akteure des Wandels sind vielerorts langjährige Dorf- und Kleinstadtbewohner. Sie sind fest verwurzelt und betreiben Bauernhöfe, Handwerksbetriebe oder Gästehäuser. Sie sehen, das sich das Landleben modernisieren muss und entwickeln daher auch ihr eigenes Geschäftsmodell weiter.

makro: Kreative Ideen, aus denen Start-ups und letztlich Arbeitsplätze hervorgehen, brauchen doch idealerweise ein Umfeld von Austausch und geistiger Befruchtung. In den Metropolen ist das gegeben. Wie schlägt sich hier das Land? Kurzum: Kann das Dorf Innovation?

Hinz: Das Dorf kann auf alle Fälle Innovation. Es bietet vielleicht nicht die vielfältigen Begegnungs- und Austauschräume. Dafür bietet es im Unterschied zu vielen Städten oft mehr Gestaltungs- und Freiräume, sowohl im Hinblick auf tatsächlichen Platz, aber auch im Hinblick darauf, was an Ideen alles möglich ist.

Das Interview führte Carsten Meyer.

Corona hat vieles auf den Kopf gestellt. Leben, Lernen, Arbeiten. Nach Monaten ‎im Lockdown werden vielen die eigenen vier Wände zu eng und die Stadt ‎zu voll. Also nix wie raus?

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