ZDFheute

Ohne Sitte und Anstand?

Sie sind hier:

VW-Dieselskandal - Ohne Sitte und Anstand?

Datum:

Verheimlichen, vertuschen, verschleppen. Die Strategie von Volkswagen geht trotz des BGH-Urteils zum Dieselskandal auf.

Kommentar: Peter Kunz zu VW
Kommentar: Peter Kunz zum Urteil gegen Volkswagen.
Quelle: ZDF/epa

Was würde eigentlich mit einem mittelgroßen Unternehmen passieren, wenn es wegen vorsätzlich sittenwidriger Schädigung verurteilt wird, nebenbei noch ein rassistisches Video auf den Werbemarkt wirft - und zwei seiner Topmanager erkaufen sich für ein paar lächerliche Millionen Straffreiheit, weil sie doch gar keine Ahnung haben, was in ihrem Unternehmen so passiert und welche Folgen es haben könnte? Die Firma würde vermutlich kaum noch einen Fuß in den Markt bekommen.

Ganz anders bei Volkswagen. Der Konzern ist schließlich systemrelevant. Ein Wort, dass gerade groß in Mode ist. Und das auch als Entschuldigung dienen wird, demnächst mithilfe der Politik - Stichwort Abwrackprämie 2.0 - wieder viel Geld der Steuerzahler einzusammeln, damit genau derselbe Steuerzahler damit wieder Produkte auch bei Volkswagen kaufen kann. Womit sich wiederum Milliarden verdienen lassen, um ein überholtes Mobilitätskonzept (dazu gehören die gern gekauften SUVs) noch ein wenig zu verlängern. Und die Strafen beim nächsten Skandal? Die zahlt man dann wieder … davon.

VW muss Käufern manipulierter Dieselautos grundsätzlich Schadenersatz zahlen. Der Bundesgerichtshof entschied, dass Kunden bei Rückgabe des Autos ein solcher Anspruch zusteht. Das Urteil ist eine Richtschnur für ca. 60.000 weitere Schadensersatzklagen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Manager-Boni bleiben unangetastet

VW hat also das perpetuum mobile erfunden! Sitte und Anstand als Bremse sind bei diesem Fortbewegungsmittel rausgenommen. Eine Art von "Abschaltlogik", um das Wort zu benutzen, mit dem Volkswagen in seinem Kommentar zum BGH-Urteil das Dieselvergehen umschreibt.

In den derzeitigen Diskussionen um die aktuellen, auch dem Virus geschuldeten Probleme der Autoindustrie ist den Managern in Wolfsburg wichtiger, dass ihre Boni für das vergangene Jahr unangetastet bleiben und die Besitzerfamilien Porsche und Piech nicht auf Dividendenausschüttung verzichten müssen.

Systemrelevanz und die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen - ein Muskel, mit dem sich argumentativ jeder in die Knie zwingen lässt, auch ein großer Anteilseigner wie das Land Niedersachsen, das eine Sperrminorität an Volkswagen hält.  

Götterdämmerung in der Walhalla Wolfsburg

Warum werden mögliche Corona-Subventionen für die Autobauer nicht an einen klaren Katalog mit Bedingungen für zukunftsgerechtere Produktlinien geknüpft? Warum glaubt man, abgehobene Automanager seien unverzichtbar, nur weil sie sich selbst dafür halten? Warum hängen wir alle noch so sehr am Fetisch Auto, dass es uns schwerfällt zu begreifen, dass die Götterdämmerung längst eingesetzt hat? Vor allem in der Walhalla Wolfsburg, aber auch in München oder Stuttgart. Mit Diesel-Thermofenstern zur Abgasregulierung kennen sich ja alle ganz gut aus.

Rassismus-Vorwürfe gegen Volkswagen: Nach heftiger Kritik an einem Werbespot für den neuen Golf hat sich der Autobauer für das Video entschuldigt und möchte Hintergründe aufklären.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

EuGH-Urteil könnte teuer für VW werden

Der Bundesgerichtshof hat fünf Jahre nach Bekanntwerden des Dieselbetruges jetzt die Verbraucherrechte gestärkt. Volkswagen hatte vorher - nicht ohne Tricks und Finten - noch schnell einen Vergleich mit der Mehrzahl der Geschädigten abgeschlossen, sodass der finanzielle Schaden beherrschbar blieb. Nach dem BGH-Urteil wäre es nun wohl viel teurer geworden.

Vorstandsvorsitzender Herbert Diess sowie Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ließen ihren Arbeitgeber in der letzten Woche außerdem neun Millionen Euro zahlen, um nicht mehr mit Vorwürfen der Marktmanipulation rund um den Diesel belangt werden zu können. Gerade nochmal rausgekommen aus der Nummer?

Vielleicht nicht. Denn es steht ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus, das im schlimmsten Fall auch Volkswagens neuere Dieselmotoren zum Schummelaggregat erklären könnte. Die europäische Generalanwältin plädiert in diese Richtung. Bei einem entsprechenden Luxemburger Schuldspruch würden die industriepolitischen Folgen und die zu erwartende Prozessflut den großen deutschen und auch anderen europäischen Herstellern den Motor abwürgen.

VW und der Dieselskandal - eine Chronologie

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Freie Fahrt für Autowelt

Deren Lobby wird also sicher daran arbeiten, dass die EU-Justiz nicht in Stimmung kommt, allzu frei und unbedacht zu urteilen. Auch unabhängige Richter haben das Gesamtwohl im Auge. So werden wir aller Voraussicht nach weiterhin damit leben, den Managern der Autowelt trotz moralischer Empörung und der einen oder anderen Gerichtsentscheidung nicht zu sehr ins Lenkrad zu fassen.

Denn ihre Hybris hat solides Wissen zur Geschäftsgrundlage: Wir sitzen alle zusammen im selben systemrelevanten Fahrzeug, wir fressen ihnen aus der Hand. Deutschland kann nicht so einfach aufs Auto verzichten. Noch lange nicht.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.