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Für wen sich die Diesel-Entschädigung lohnt

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Volkswagen-Entschädigungszahlung - Für wen sich die Diesel-Entschädigung lohnt

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Die Musterfeststellungsklage lässt Volkswagen platzen, Betroffene sollen aber trotzdem entschädigt werden. 830 Millionen Euro stehen dafür bereit - doch lohnt sich das Angebot?

Nach dem Ende der Vergleichsgespräche zur Diesel-Musterklage will VW Dieselfahrer*innen eigenständig entschädigen. Ist das Angebot von VW für Verbraucher eine gute oder schlechte Idee?

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Am 18. September 2015 wurde es offiziell: Systematisch hatte Volkswagen in Diesel-Fahrzeugen mit dem Motor vom Typ EA 189 eine Betrugssoftware verbaut. In rund 10 Millionen verkauften Fahrzeugen weltweit.

Während Kunden in den USA danach schnell und großzügig entschädigt wurden, schauten die Betroffenen in Deutschland lang in die Röhre. Keinen müden Cent zahlte der Volkswagen-Konzern bislang freiwillig den hierzulande Geschädigten - und das genau 1.611 Tage lang.

Volkswagen zahlt 830 Millionen Euro an Entschädigungen

Am letzten Freitag dann die Wende: Volkswagen lässt die Vergleichsverhandlungen im Musterfeststellungsverfahren platzen, will aber dennoch zahlen. Die rund 400.000 Verbraucher, die sich für die Musterfeststellungsklage beim Bundesamt für Justiz registriert haben, sollen entschädigt werden:

Dafür sind wir bereit, einen Gesamtbetrag von 830 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.
Volkswagen-Cheflobbyist Thomas Steg

Entschädigung soll 15 Prozent des Kaufpreises betragen

Inzwischen ist klar: Je nach VW-Fahrzeug will der Konzern zwischen 1.350 und 6.257 Euro an die beteiligten Kunden der Musterfeststellungsklage zahlen. Das soll circa 15 Prozent des damaligen Kaufpreises der jeweiligen Fahrzeuge entsprechen.

Volkswagen-PKW beim Händler
Volkwagen will Besitzer von betroffenen Diesel-Fahrzeugen entschädigen.
Quelle: dpa

Ein Rechenbeispiel laut VW sieht so aus:

Ein Kleinwagen Skoda Fabia mit dem betroffenen Dieselmotor, Baujahr 2008, bekäme den Mindestbetrag von 1.350 Euro. Den heutigen Restwert des Autos setzt Volkswagen demnach bei 3.000 bis 4.000 Euro an. Und sieht das Angebot daher als fair an.

Der Höchstbetrag von 6.257 Euro soll - dem Vernehmen nach - zum Beispiel für ein VW-SUV der Modellreihe "Touareg" gezahlt werden, also ein beim Kauf sehr hochpreisiges Auto.

Volkswagen-Einmalzahlung - annehmen oder nicht?

Doch wer sollte die Einmalzahlung annehmen - und wer lieber abwarten? Christoph Herrmann von "Finanztest" verfolgt das Geschehen seit Jahren. Er sagt: von Fall zu Fall kann sich das lohnen. Für den Experten scheint die Zahlung in folgenden Situationen attraktiv:

  • Wer nicht sicher ist, dass er seine Rechte korrekt beim Bundesamt für Justiz angemeldet hat, um an der Musterfeststellungsklage teilzunehmen,
  • wer seinen Wagen schon sehr lange fährt und der deswegen damit rechnen muss, dass er in einem herkömmlichen Verfahren nur noch sehr wenig Geld bekommt,
  • wer im Augenblick schnell Geld braucht.

Auch der ADAC hält das Vergleichsangebot von VW für akzeptabel, heißt es aus München auf WISO-Nachfrage. Der Auto-Klub ist einer der Verbandskläger in der Musterfeststellungsklage zu Volkswagen.

Welche Fahrzeuge sind für die Volkswagen-Zahlungen qualifiziert?

Die Vergleichszahlung bekommt nicht jeder, der einen Diesel-Motor vom Typ EA 189 besitzt. Bestimmte Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Die finden sich schon jetzt auf der vom Konzern betriebenen Seite "vergleich.volkswagen.de". Wer die dort genannten fünf Fragen alle mit "Ja" beantworten kann, habe demnach einen Anspruch:

  1. Haben Sie einen von der Dieselthematik betroffenen Volkswagen EA 189 erworben?
  2. Haben Sie sich zur Musterfeststellungsklage im Klageregister angemeldet?
  3. Hatten Sie beim Erwerb des Fahrzeugs ihren Wohnsitz in Deutschland?
  4. Haben Sie ihr Fahrzeug vor dem 1. Januar 2016 gekauft?
  5. Sind Sie aktuell privater Eigentümer des Fahrzeugs?

Verbraucherzentrale will Musterfeststellungsklage weiterführen

Der andere Kläger im Musterfeststellungsverfahren, der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), ist wenig begeistert von dem Vorschlag. Vom Volkswagen-Angebot rät der Bundesverband zwar nicht grundsätzlich ab, betont aber lieber mögliche Vorteile, wenn Betroffene an der Musterfeststellungsklage festhalten - und vorerst kein Geld annehmen.

Wer bei der Musterfeststellungsklage bleibt, erhält sich die Möglichkeit, dass unter Umständen der BGH verbraucherfreundlich entscheidet und daraufhin eine deutlich höhere Entschädigungszahlung möglich ist als das, was VW nun in Aussicht stellt.
Ronny Jahn, Jurist des VZBV

Schadenersatz wird erst im Mai verhandelt

Wer dem juristischen Weg weiter folgen will, muss sich aber noch gedulden. Denn nach VZBV-Angaben will sich der Bundesgerichtshof erst im Mai mit der Schadenersatzfrage grundsätzlich befassen.

Wie und wie schnell dazu entschieden wird, ist noch unklar. Laut Einschätzung des VZBV ist eine Entscheidung noch am 5. Mai ebenso denkbar wie eine erst Monate später erfolgende Entscheidung.

Ab Ende März will VW soweit sein, den Betroffenen ein individuelles Angebot für die Einmalzahlung vorzulegen.

Mario Shabaviz arbeitet in der ZDF-WISO-Redaktion.

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