Landtagswahl in Niedersachsen: Ringen um Zukunft von VW

    Landtagswahl in Niedersachsen:Ringen um Zukunft von VW

    Oliver Deuker
    von Oliver Deuker
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    Es hießt: Wenn VW hüstelt, hat Niedersachsen eine Grippe. Der Autobauer ist der größte Arbeitgeber im Land. Der Konzern spielt also auch im Landtagswahlkampf eine Rolle.

    Volkswagen Werk in Wolfsburg
    Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der VW-Aktien.
    Quelle: dpa

    Vom Teilezulieferer bis zur Bäckerei, die VW beliefert, sind laut einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie 340.000 Erwerbstätige direkt oder indirekt in der niedersächsischen Autoindustrie beschäftigt.
    Ob das zukünftig so bleibt, ist die Frage, denn VW ist in einem gewaltigen Umbauprozess, hin zur Elektromobilität. In den Montagehallen werden tausende Stellen überflüssig, denn der Stromer besteht aus deutlich weniger Teilen als der Verbrenner.

    Blume neuer Volkswagen-Chef
    :Bademeister im Haifischbecken VW

    Oliver Blume ist ab heute der starke Mann in Wolfsburg. Aber auch weiterhin in Zuffenhausen - er soll den Volkswagenkonzern und Porsche in einer Doppelrolle führen.
    von Andreas Linke
    Archiv: Oliver Blume

    Bei Volkswagen ist die Batterie-Produktion bald Trumpf

    Aber auch neue Jobs werden hinzukommen, allen voran für gut ausgebildetes IT-Personal.

    Unser Anspruch ist, wir wollen die Chancen nutzen, Stichwort Batteriewirtschaft.

    Stephan Weil, sächsischer Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat

    Bis 2024 soll in Salzgitter eine Produktion von Lithium-Ionen-Batteriezellen entstehen. Die Jobverluste will SPD-Politiker Weil so niedrig wie eben möglich halten, wohl wissend, dass das Geschäftsmodell einiger Zulieferbetriebe absehbar nicht mehr funktionieren wird.

    Ich möchte, dass Niedersachsen auch in Zukunft ein Autoland ist, aber klimaneutral.

    Stephan Weil, sächsischer Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat

    Der VW-Konzern stellt aufgrund des Ukraine-Konflikts seine Geschäfte mit Russland vorerst ein. Sowohl die Fahrzeug-Produktion vor Ort als auch Exporte ins Land werden mit sofortiger Wirkung gestoppt.03.03.2022 | 1:59 min

    Althusmann: Porsche-Börsengang generiert zusätzliche Liquidität

    Für Niedersachsens Wirtschaftsminister und Herausforderer Bernd Althusmann (CDU), der ebenfalls im VW-Aufsichtsrat sitzt, ist der erfolgreiche und sozialverträgliche Umstieg auf die Elektromobilität von zentraler Bedeutung.
    Dazu freut er sich über den Porsche-Börsengang: "So wird VW zusätzliche Liquidität für die Bewältigung des Transformationsprozesses der Automobilbranche generieren."

    Davon profitieren letztlich auch die niedersächsischen Standorte und ihre Beschäftigten.

    Bernd Althusmann, CDU-Politiker und VW-Aufsichtsrat

    Gelungenes Börsendebüt
    :Porsche-Aktien: Was taugen sie wirklich?

    Porsche ist erfolgreich an der Börse gestartet. Aber was taugt die neue Aktie wirklich. Das sollten Kleinanleger und andere Interessierte jetzt wissen.
    von Stephanie Barrett
    Porsche
    FAQ

    Grünen-Politikerin Hamburg: VW kann Mobilität revolutionieren

    Die Grünen und Autos – kein ganz leichtes Verhältnis. Sollte Spitzenkandidatin Julia Willie Hamburg auf die Regierungsbank kommen, will sie VWs Entwicklung zum Mobilitäts-Konzern beschleunigen: "Mehr Mobilität auf Abruf, Shuttle-Flotten, Carsharing, autonomes Fahren."

    Niedersachsen sollte zu einem Pionier bei der Neuerfindung des Öffentlichen Personennahverkehrs werden.

    Julia Willie Hamburg, Grünen-Politikerin

    VW habe die Power und das Geld, sich mit Start-ups zusammenzutun, um die Mobilität zu revolutionieren. Wichtig ist der Grünen Spitzenkandidatin darauf zu achten, dass der ländliche Raum künftig bei der Anbindung nicht mehr abgehängt wird.

    Stefan Birkner: Fokus auf E-Mobilität Fehler

    Stefan Birkner, Spitzenkandidat, Landes- und Fraktionsvorsitzender der FDP Niedersachsen würde einiges anders machen bei VW. "Wir setzen uns dafür ein, dass keine Mitglieder der Landesregierung in Aufsichtsräten der wirtschaftlichen Beteiligungen des Landes vertreten sind. Die Interessen des Landes sollen zukünftig fachlich geeignete Bevollmächtigte in den Aufsichtsräten vertreten und neben der Landesregierung auch dem Landtag Rechenschaft ablegen."
    Dazu kritisiert Birkner Entscheidungen des Aufsichtsrates:

    Es wäre wichtig gewesen, für Technologieoffenheit einzutreten und die alleinige Ausrichtung auf Elektromobilität zu verhindern.

    Stefan Birkner, FDP-Politiker

    Abhängigkeit zwischen Konzern und Landtag

    Volkswagens Einfluss auf Niedersachsen ist immens, es geht um Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, aber auch um Dividenden. Denn das Land Niedersachsen hält rund 20 Prozent der VW-Aktien.
    Damit wiederum hat der Großaktionär Niedersachsen allerdings auch beträchtlichen Einfluss auf den VW-Konzern. Es ist eine gegenseitige Abhängigkeit, das wissen beide Seiten.
    Oliver Deuker ist Korrespondent im ZDF-Landesstudio Niedersachsen.
    Alle Nachrichten zur bevorstehenden Landtagswahl:

    Nachrichten | Thema
    :Landtagswahl in Niedersachsen

    Niedersachsen hat gewählt: Klarer Wahlsieger des Abends ist laut vorl. Endergebnis SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil. Die FDP ist nicht im neuen Landtag vertreten. Alles zur Wahl.
    Archiv: Der Niedersächsische Landtag, aufgenommen am 07.08.2017 in Hannover

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