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CO2-freier Sprit als Klimaretter?

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Grüner Wasserstoff - CO2-freier Sprit als Klimaretter?

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Wasserstoff gilt als das Öl von morgen. Ob er seiner Rolle als Wunderwaffe gegen den Klimawandel tatsächlich gerecht wird, erklärt Forscher Roland Dittmeyer im makro-Interview.

Roland Dittmeyer, Leiter des Instituts für Mikroverfahrenstechnik (IMVT) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) steht vor einer Forschungsanlage, mit der mittels "Power-to-X"-Technologien aus Luft und Ökostrom CO2-neutraler Kraftstoff erzeugt werden kann.
Im November 2019 hat Roland Dittmeyer die e-Fuel-Forschungsanlage am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Betrieb genommen.
Quelle: DPA

makro: Ist der ganze Hype um Wasserstoff, den wir zurzeit erleben, ausreichend gerechtfertigt?

Roland Dittmeyer: Ich denke schon, dass der gerechtfertigt ist, weil Wasserstoff eine zentrale Rolle in diesem auf erneuerbaren Energien beruhenden Energiesystem einnehmen wird. 

makro: Wir reden seit Jahrzehnten über Wasserstoff als großem Hoffnungsträger. Warum sollte jetzt der Durchbruch kommen?

Dittmeyer: Die Mehrheit der Menschen realisiert inzwischen, dass wir ernsthaft gegen den Klimawandel vorgehen müssen. Es gibt also genug politischen Druck. Auf der anderen Seite haben wir heute die Situation, dass wir erneuerbaren Strom so günstig wie noch nie herstellen können. Mit dem erneuerbaren Strom können wir über Elektrolyse grünen Wasserstoff erzeugen und das setzt eine andere Dynamik in Gang als wir sie in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben.

makro: Welche Rolle spielt die e-Fuel-Forschungsanlage, die Sie am KIT verantworten, im Kampf gegen den Klimawandel?

Dittmeyer: Die Anlage wandelt CO2 aus der Luft in einen flüssigen Kraftstoff um, den wir so in der vorhandenen Infrastruktur nutzen können. Das heißt, die Fahrzeugtechnologie muss nicht auf elektrisch umgerüstet werden. Und mit diesem Kraftstoff, den wir auf diese Art und Weise produzieren, können wir Segmente im Transport und in der Industrie nachhaltig machen, CO2-frei machen, für die es anderweitig kaum Lösungen gibt. Dabei denke ich zum Beispiel an Langstreckenflüge, Schwerlasttransporte, Containerschifffahrt. Von daher leistet diese Technologie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Er ist nicht grün sondern farblos. Aber wenn Wasserstoff als Energieträger der Zukunft eine solche haben soll, muss er „grün“, also aus erneuerbaren Energien hergestellt werden.

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makro: Was bräuchten Sie, um aus diesem Labor eine reale Zukunftsgeschichte zu machen?

Dittmeyer: Für die nächsten Schritte brauchen wir Akteure, die bereit sind, Geld zu investieren. Unternehmerischen Mut, weniger kurzfristiges Gewinnstreben. Und wir brauchen die richtigen politischen Rahmenbedingungen dafür: So etwas wie eine Beimischquote, so etwas wie einen CO2-Preis, der dann dafür sorgt, dass insbesondere am Anfang, wenn es um die Markteinführung geht, wirtschaftliche Geschäftsmodelle überhaupt machbar sind.

makro: Sprechen wir über den zeitlichen Horizont: Wann ist der strombasierte, umweltfreundliche Kraftstoff ein Massenprodukt?

Dittmeyer: Ein Massenprodukt heißt: Wir haben davon Millionen Tonnen - das wird sicherlich noch ungefähr ein Jahrzehnt dauern, denke ich. Denn dafür muss man große Anlagen bauen, die haben einfach eine gewisse Laufzeit, da müssen Verträge geschlossen werden, da braucht es eventuell internationale Abkommen. Deswegen versuchen wir, mit anderen Konzepten für dezentrale Anwendungen im kleineren Maßstab schneller kleinere Marktnischen zu bedienen. Auch um überhaupt Vertrauen in diese Technologie zu schaffen.

makro: Was halten Sie von der nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung?

Dittmeyer: Ich finde die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung gut. Mir wäre allerdings noch lieber gewesen, sie wäre schon etwas eher gekommen. Aber ich finde sie gut, weil sie ein klares Bekenntnis zum grünen Wasserstoff macht. Das ist aus meiner Sicht die einzige Form, die perspektivisch wirklich nachhaltig ist.

Das Interview führte Eva Schmidt.

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