Global CEO Survey: Firmenchefs sehen Zukunft pessimistisch

    Global CEO Survey 2023:Firmenchefs sehen Zukunft pessimistisch

    Susanne Biedenkopf
    von Susanne Biedenkopf
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    Zum 26. Mal wird auf dem Weltwirtschaftsforum der Global CEO Survey vorgestellt. Firmenchefs weltweit wurden befragt. Ergebnis: Ein pessimistischer Blick auf die nahe Zukunft.

    Schweiz, Davos: Arbeiter gehen vor der Hauptlobby im Kongresszentrum.
    Bei dem viertägigen Treffen in den Schweizer Alpen diskutieren fast 2700 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über Lösungen für internationale Probleme.
    Quelle: Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

    In Krisenzeiten, wie wir sie gerade erleben, hat vor allem Pessimismus Hochkonjunktur. So überrascht es nicht, dass der 26. Global CEO Survey, den die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC im Rahmen des Weltwirtschaftsforums veröffentlicht, von rasant gewachsenem Pessimismus gezeichnet ist.
    4.500 CEOs aus 71 Ländern haben an der Umfrage teilgenommen. 73 Prozent der Unternehmenslenker*innen rechnen mit einem Rückgang des Weltwirtschaftswachstums. Noch vor einem Jahr waren es nur 15 Prozent. Nur 18 Prozent glauben an eine Steigerung des Weltwirtschaftswachstums.
    In Deutschland ist der Pessimismus noch ausgeprägter. Hier gehen 82 Prozent von einem Rückgang aus, im Vorjahr waren es 19 Prozent.

    Nur ein Drittel der CEOs in Deutschland rechnet mit Wachstum

    Sorgenvoll ist bei vielen auch der Blick auf das eigene Unternehmen:
    • Nur 35 Prozent der deutschen CEOs sind zuversichtlich, dass ihr Unternehmen in den kommenden Monaten wächst.
    • Nur 42 Prozent der CEOs sind das weltweit.
    Im Interview mit dem ZDF betont Petra Justenhoven, Sprecherin der Geschäftsführung von PwC Deutschland, jedoch, dass die Stimmung zwar abgestürzt sei, die mittelfristige Zukunftsperspektive aber durchaus besser bewertet werde.
    Mehr als die Hälfte der CEOs weltweit - 59 Prozent - geht demnach davon aus, dass ihr Unternehmen in den nächsten 3 Jahren wachsen wird; das sind acht Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Ungeachtet der zahlreichen Krisen und Herausforderungen, so Justenhoven, halten die CEOs an ihren Strategien für die Zukunft fest.
    Dennoch beunruhigen die hohe Inflation und andere Entwicklungen auch die CEOs:
    • 39 Prozent gaben an, dass die Inflation ihr Unternehmen sehr stark gefährdet (weltweit: 40 Prozent).
    • 31 Prozent sehen geopolitische Konflikte als Gefahr (weltweit: 25 Prozent). Knapp dahinter liegen Cyber-Risiken und der Klimawandel.
    Es ist eine doppelte Belastung, die den Unternehmenschefs das Leben schwer macht, sagt Petra Justenhoven. Während sie die Folgen der vielen derzeitigen Krisen zu managen haben, müssten sie ihre Unternehmen gleichzeitig "am langen Ende" strategisch für die Zukunft aufstellen. Justenhoven spricht von einem "doppelten Imperativ". Man könnte auch sagen: Die Zukunft ist jetzt.

    Mehrheit der Unternehmen will Investitionen verlangsamen

    Einfach ist das nicht, denn die vielfältigen Herausforderungen haben konkrete Folgen. 92 Prozent der CEOs in Deutschland sagen, dass sie aufgrund der aktuellen Marktlage die Betriebskosten reduzieren werden, oder dies schon getan haben (weltweit: 85 Prozent). 91 Prozent gaben an, dass sie die Preise anheben werden oder schon erhöht haben (weltweit: 80 Prozent).
    Die Konsequenzen daraus:
    • 88 Prozent suchen alternative Zulieferer (weltweit: 75 Prozent),
    • 67 Prozent sagen, dass sie Investitionen verlangsamen werden (weltweit: 54 Prozent).
    Das ist umso brisanter, weil Digitalisierung und Energiewende enorme Investitionen erfordern werden. Weltweit sagen denn auch 39 Prozent der CEOs, dass das eigene Unternehmen in zehn Jahren nicht mehr wirtschaftlich tragfähig sein wird, wenn der derzeitige Kurs beibehalten wird. In Deutschland sind es 27 Prozent.

    Investitionen vor allem in neue Technologien

    Annähernd die Hälfte der CEOs sieht die größten Gefahren für den Erfolg ihrer Unternehmen in Unterbrechungen der Lieferketten, neuen Kundenpräferenzen, technischen Veränderungen und auch zunehmenden regulatorischen Auflagen.
    Regulierung, so Petra Justenhoven, könne Transparenz schaffen, doch die Fülle der neuen regulatorischen Anforderungen sei für die Unternehmen fraglos eine große Belastung. Das Thema käme gleich nach dem Fachkräftemangel an zweiter Stelle.
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    Investitionen planen Unternehmen in Deutschland vor allem in neue Technologien. 86 Prozent in Deutschland gaben an, im kommenden Jahr in die Automatisierung von Prozessen und Systemen zu investieren (weltweit: 76 Prozent). Die Einführung alternativer Energien nannten 61 Prozent (weltweit: 34 Prozent).
    Erheblichen Investitionsbedarf sehen die deutschen CEOs auch im Bereich Nachhaltigkeit:
    • 51 Prozent planen, in die Dekarbonisierung des eigenen Geschäftsmodells zu investieren,
    • 41 Prozent wollen finanzielle Mittel zur Anpassung der Lieferketten freimachen.

    Statt Krisen managen, wollen CEOs lieber Zukunft entwickeln

    Die wachsenden Herausforderungen meistern, dabei die Zukunft gestalten und der Zeit voraus sein - das ist, so heißt es in der Studie, ein Balanceakt, der mit dem eigenen Kalender beginnt.
    Die CEOs sind mit der Einteilung ihres Zeitplans offensichtlich nicht besonders glücklich. Den größten Teil ihrer Zeit verbringen sie mit der Steuerung des aktuellen Geschäfts.
    Wenn sie ihren Zeitplan umschreiben könnten, würden sie mehr Zeit auf die Entwicklung von neuen Strategien und die zukünftigen Herausforderungen verwenden.
    Helfen könne da, so Petra Justenhoven, das Denken in strategischen Szenarien, die Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen, aus dem eigenen Unternehmen heraus Innovationen zu kreieren und so nachhaltig Resilienz für das Unternehmen zu schaffen.
    Susanne Biedenkopf ist Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Wirtschaft, Recht, Service, Soziales und Umwelt.

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