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Studie des Weltwirtschaftsforums - Hauptrisiko Klimakrise

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Erstmals gilt das Scheitern des Klimaschutzes als Hauptrisiko im Global Risk Report 2020. Was bis 2030 wahrscheinlich eintreffen wird - und was uns schon im Jahr 2020 erwartet.

Das Weltwirtschaftsforum findet in Davos statt.
Der Global Risk Report 2020 wird von der Stiftung Weltwirtschaftsforum in der Schweiz erstellt.
Quelle: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Das Weltwirtschaftsforum ist im Krisenmodus - im Klimakrisenmodus: Im Global Risk Report 2020 sind erstmals Umweltrisiken die fünf wahrscheinlichsten Risiken der nächsten zehn Jahre. Den Expertenbericht über die global größten Risiken hat die in der Schweiz ansässige Stiftung "World Economic Forum" (Weltwirtschaftsforum) in Zusammenarbeit mit Marsh & McLennan und der Zurich Insurance Group erstellt. Dieser Bericht der Stiftung Weltwirtschaftsforum ist Arbeitsgrundlage für das gleichnamige Jahrestreffen vom 21. bis 24. Januar in Davos.

Was im Jahr 2020 gefährlich werden könnte

Ein Blick in die Glaskugel für 2020? So ähnlich - Der Global Risk Report ist eine Umfrage unter 750 Experten und Entscheidungsträgern auf der ganzen Welt, die ihre größten Bedenken in Bezug auf Wahrscheinlichkeit und Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft einstufen. Dabei werden die schon erwähnten langfristigen Risiken bis 2030 prognostiziert - aber auch die unmittelbar bevorstehenden für das Jahr 2020. Auch hier stehen mit "Extreme Hitzewellen" und "Zerstörung der natürlichen Ressourcenökosysteme" zwei klimabedingte Risiken vorn: Über 70 Prozent der Befragten halten beides für wahrscheinlich eintreffend im kommenden Jahr. Terroranschläge halten dagegen nur 23 Prozent der Befragten für zutreffend.

Global Risk Report: Fünf Themen im Überblick

Das "Scheitern des Klimaschutzes und die Anpassung an den Klimawandel" werden im 15. Global Risk Report zum ersten Mal als langfristiges Hauptrisiko genannt. Der Bericht warnt zudem vor dem Artensterben und dem Verlust der Biodiversität, dem Abwärtsruck der Weltwirtschaft, den Gefahren der Digitalisierung und dem erhöhten Druck auf die Gesundheitssysteme. Die fünf Themen im Überblick.

1. Hauptrisiko Klimakrise

Der Klimawandel sei härter und schneller zu spüren als erwartet, warnt der Bericht. Die letzten fünf Jahre seien die wärmsten der Geschichte gewesen. Auch Naturkatastrophen werden intensiver und häufiger - ein "beispielloses Extremwetter" habe das Jahr 2019 weltweit begleitet. Deshalb schätzen die Experten die Auswirkungen des Klimawandels als gefährlichstes Risiko ein.

Zwei Jungen in Kenia. Symbolbild
Hitzewellen, Dürren und Brände gehören zu klimabedingten Risiken neben Überschwemmungen, Stürmen und anderen Umweltkatastrophen.
Quelle: epa Stephen Morrison/epa/dpa

Der Bericht prognostiziert, dass die kurzfristigen Auswirkungen des Klimawandels sich zu einem "planetarischen Notfall" summieren, der Todesfälle, soziale und geopolitische Spannungen sowie negative wirtschaftliche Auswirkungen mit sich bringen wird. Globale Lösungen zu finden sei angesichts einer unruhigen geopolitischen Lage und zunehmendem Nationalismus eine große Herausforderung. Borge Brende, Präsident des Weltwirtschaftsforums ruft zur Kooperation auf:

Die politische Landschaft ist polarisiert, der Meeresspiegel steigt und das Klima brennt.
Borge Brende, Präsident des Weltwirtschaftsforums

"In diesem Jahr müssen die Staats- und Regierungschefs der Welt mit allen Bereichen der Gesellschaft zusammenarbeiten, um unsere Kooperationssysteme zur Bewältigung unserer tief verwurzelten Risiken zu reparieren und zu stärken", sagte Brende.

Auch John Drzik von Marsh & McLennan Insights, die den Bericht mit der Stiftung Weltwirtschaftsforum erstellt haben, hat sich mehr von den multilateralen Organisationen erhofft. Mehr dazu im Video:

Betrachte man die Energieeffizienz oder den Einsatz erneuerbarer Energien, gebe es kein gemeinsames Bekenntnis und das sei notwendig gewesen, so Drzik.

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Zum ersten Mal im 10-Jahres-Ausblick der Umfrage handelt es sich bei den fünf wahrscheinlichsten globalen Risiken um Umweltrisiken. Hier das Ranking:

2. Das Artensterben

Die derzeitige Aussterberate sei zehn- bis hundertmal höher als der Durchschnitt der letzten zehn Millionen Jahre - und sie beschleunige sich, schreibt das Weltwirtschaftsforum. Der Verlust der biologischen Vielfalt habe entscheidende Auswirkungen auf die Menschheit, vom Zusammenbruch der Lebensmittel- und Gesundheitssysteme bis hin zur Störung der gesamten Lieferkette.

Schneeleopard Uncia uncia liegt auf Felsen captive Baden Württemberg Deutschland Europa *** Sn
Der Schneeleopard gehört zu den stark gefährdeten Arten. Schätzungen gehen von insgesamt 4000 bis 6600 wild lebenden Tieren aus.
Quelle: imago/imagebroker

John Drzik von Marsh & McLennan Insights erklärt im Video die Auswirkungen der Zerstörung der Ökosysteme:

John Drzik erklärt die Abwärtsspirale, die sich zum einen aus der Zerstörung von Korallenriffen zum anderen aus der Abholzung von Regenwäldern ergibt.

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Der UN-Bericht zum Artensterben wurde im Mai 2019 veröffentlicht: Demnach sind geschätzt eine Million der acht Millionen Tier- und Pflanzenarten der Erde vom Aussterben bedroht. Weitere 4,9 Millionen Arten haben nicht genügend Lebensraum zur Verfügung und könnten darüber hinaus langfristig vom Aussterben bedroht werden. Hier die konkreten Zahlen:

3. Abwärtstrend der Weltwirtschaft

Vor dem Hintergrund, geopolitischer und geoökonomischer Unsicherheit warnt der Global Risk Report 2020 vor einem Abwärtsruck der Weltwirtschaft. 78 Prozent der 750 Experten gaben an, dass die "wirtschaftlichen Konfrontationen" und die "innenpolitische Polarisierung" im Jahr 2020 zunehmen werden.

 "Die neue Seidenstraße - Chinas Griff nach Westen (1)": Blick auf die Container eines riesigen Containerschiffes bei Nacht.
Die weltweite Konjunktur im Abschwung: Wie schon in den Jahren zuvor, wird vor einem Abwärtstrend gewarnt.
Quelle: ZDF/Bert Schönborn

Der Bericht prognostiziert ein Jahr mit zunehmenden nationalen und internationalen Spaltungen und einer konjunkturellen Abkühlung. Die politischen Entscheidungsträger müssten die Ziele für den Schutz der Erde mit denen für die Ankurbelung der Volkswirtschaften abgleichen.

Ohne eine Behebung gesellschaftlicher Spaltungen und die Förderung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums können die Staats- und Regierungschefs Bedrohungen wie die Klima- oder Biodiversitätskrise nicht systematisch angehen.
aus dem Global Risk Report 2020

Reduzierte Handelsvolumina sind das, was die Welthandelsorganisation (WTO) "Historisch hohe Handelsbeschränkungen" nennt: Laut WTO ging der Handel im Jahr 2019 um 2,9 Prozent im Vergleich zu 2018 zurück. Das mögliche Ergebnis laut IWF könnte sein, dass sich das globale Wachstum um 0,8 Prozentpunkte im Jahr 2020 verlangsamt, ist im Global Risk Report zu lesen. Hier die konkreten Zahlen:

4. Gefahren der Digitalisierung

Mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung sind mittlerweile online, ungefähr eine Million Menschen gehen jeden Tag zum ersten Mal online und zwei Drittel der Weltbevölkerung besitzen ein Mobilgerät, steht im Global Risk Report. Der Bericht warnt in diesem Zusammenhang vor dem Fehlen eines globalen Rahmens für die Digitalisierung.

Digitalisierung der Menschheit
Über die Hälfte der Menschhen weltweit sind online - doch globale Richtlinien fehlen.
Quelle: ap

Die Unsicherheit im Internet stelle ein erhebliches Risiko dar. Die befragten Experten bewerteten zudem den Ausfall der Informationsinfrastruktur als das wahrscheinlichste Risiko in den nächsten zehn Jahren nach den klimabedingten Risiken - es landet damit also auf dem sechsten Platz.

Wie man der Digitalisierung begegnen müsse, erklärt John Drzik von Marsh & McLennan Insights im Video:

John Drzik betont, dass künstliche Intelligenz Problemlöser sei und gleichzeitig eigene Risiken mit sich bringe. Es sei wichtig, die richtige Balance zu finden.

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Das Weltwirtschaftsforum erwartet ein großes Wachstum digitaler Technologien, die Wirtschaft und Gesellschaft "dramatisch verändern" werden. Bis 2025 erwarten die Experten einen enormen Anstieg in den Bereichen Cloud Computing, autonome Fahrzeuge, Präzisionsmedizin und Drohnen. Hier die konkreten Zahlen:

5. Gesundheitssysteme unter Druck

Der Gewinn an Wohlbefinden und Wohlstand, den die Gesundheitssysteme im letzten Jahrhundert unterstützt haben, drohe zunichte gemacht zu werden, befürchten die Experten des Weltwirtschaftforums. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Erkrankungen hätten Infektionskrankheiten als häufigste Todesursache verdrängt. Die Erhöhung der Lebenserwartung und die Kosten für die Behandlung chronischer Krankheiten setze Gesundheitssysteme in vielen Ländern unter Druck.

Britisches Krankenhaus
Die weltweite Lebenserwartung steigt und mit ihr die Kosten für die Gesundheitssysteme.
Quelle: dpa

Herzkrankheiten, Krebs, Diabetes und Atemwegserkrankungen, haben zusammen mit psychischen Krankheiten die Weltwirtschaft in den Jahren 2010 bis 2020 geschätzt 47 Billionen US-Dollar gekostet, schreibt das Weltwirtschaftsforum. Herzkrankheiten, Krebs, Diabetes und Atemwegserkrankungen machen insgesamt über die Hälfte der weltweiten Todesfälle aus. Hier die konkreten Zahlen:

Der Global Risk Report ist Arbeitsgrundlage für das Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz, das vom 21. Januar bis 24. Januar stattfindet.

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