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Warum in Davos Mülleimer Essensreste analysieren

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Weltwirtschaftsforum - Warum in Davos Mülleimer Essensreste analysieren

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Keine Plastikflaschen, kompostierbare Trinkbecher, intelligente Mülleimer analysieren Essensreste - das Weltwirtschaftsforum will nachhaltig sein. Das klappt aber nur bedingt.

Archiv: Weltwirtschaftsforum in Davos, aufgenommen am 22.01.2018
Das Weltwirtschaftsforum wirbt mit dem Anspruch, nachhaltig zu sein.
Quelle: imago

Davos während des Weltwirtschaftsforums, das ist eine überfüllte Stadt, in der sich die Luxuskarossen stauen. Am Himmel kreisen die Helikopter und viele VIP-Gäste fliegen weiterhin bevorzugt mit dem Privatjet ein. 3.000 Teilnehmer, Tausende Sicherheitskräfte - Nachhaltigkeit ist das Letzte, was sich dem Besucher, der sich den Weg zum Kongresszentrum bahnt, in den Sinn kommt.

Und doch werben die Veranstalter genau mit diesem Anspruch. Das Forum, so ist es auf der Webseite unter dem Punkt "Nachhaltigkeit" zu lesen, hat auch in diesem Jahr das Zertifikat für "nachhaltiges Eventmanagement" nach ISO 20120 erhalten. Im Bewusstsein, dass durch die Veranstaltung Emissionen entstünden und endliche Ressourcen verbraucht würden, versuche man alles, um diese zu vermindern.

Plastikflaschen wurden abgeschafft, Trinkbecher sind kompostierbar

"Wir alle hassen Greenwashing" eröffnet Michel Mischler, die Leiterin des Nachhaltigkeitsteams, die sogenannte Nachhaltigkeitsführung durch das Kongressgebäude. Zu ihrem Bedauern haben sich nur eine Handvoll, überwiegend weibliche Interessierte eingefunden, um zu erfahren, was das konkret bedeutet.

Der Weg führt durchs Kongresszentrum, vorbei an zahlreichen Wasserspendern. Plastikflaschen gibt es nicht mehr, die Trinkbecher sind kompostierbar. Die Zahl der ausliegenden Publikationen wurde stark reduziert. Das sind mehr als symbolische Veränderungen. Die Leiterin des Nachhaltigkeitsteams ist zufrieden, dass der Abfall um 25 Prozent reduziert wurde. In den nächsten Jahren soll das Forum komplett plastikfrei werden.

90 Prozent der Lebensmittel saisonal

Der Weg führt in die Küche, wo in diesen Tagen zwischen 6.000 und 8.000 Essen pro Tag zubereitet werden. Sechs Tonnen Lebensmittel werden rund um die Veranstaltung verarbeitet. In den letzten Jahren wurde auch der Speiseplan zunehmend auf nachhaltig umgestellt. Verarbeitet werden zu 90 Prozent saisonale Produkte, Milch und Käse stammen fast ausschließlich von Bauernhöfen aus dem Umland.

Im Kühlraum stapeln sich die Schweizer Äpfel und auch der Lachs kommt aus einer Schweizer Zucht. Vor einigen Jahren, so der Küchenchef, habe man von norwegischen Lachs auf Schweizer Forelle umgestellt,  bis man dann die Lachszucht gefunden und den Fisch wieder im Speiseplan aufnehmen konnte.

Zum 50. Mal treffen Politiker und Geschäftsleute auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zusammen. Der Brexit wird hier natürlich eine Rolle spielen, zum Top-Thema des Forums ist allerdings der Klimaschutz.

Beitragslänge:
3 min
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Intelligente Mülleimer analysieren Essensreste

Es geht um Optimierung, sogar mit  wissenschaftlicher Präzision. Alle Essensreste werden in einem speziellen Mülleimer analysiert und nach Zutaten gewogen. Wandern einzelne Lebensmittel in besonders großen Mengen in die Tonne, werden Einkaufszettel und Speiseplan für die Zukunft geändert - manchmal sogar unverzüglich.

So werden nicht nur Kosten, sondern auch Verschwendung reduziert. "Wir wollen uns ständig weiter verbessern" so Michel Mischler, "deshalb sammeln wir so viele Daten wie möglich. Es ist eine Reise und wir lernen dabei, nur so können wir uns verbessern."

Im vierten Jahr in Folge präsentiert sich das Forum als klimaneutrale Veranstaltung. Alle CO2-Emissionen werden durch Unterstützung von Umweltprojekten in der Schweiz und im Ausland kompensiert. Der Energieverbrauch speist sich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Am Kongresszentrum wurden auf Kosten des Forums Solarpanels und eine geothermische Heizanlage installiert.

Limousinen-Service zu 90 Prozent mit Elektro- und Hybridfahrzeugen

Teilnehmer, die mit der Bahn anreisten, erhielten bis zur Schweizer Grenze eine 50-prozentige Erstattung auf den Preis der Ersten Klasse. Gerade mal 25 der 3.000 Teilnehmer haben das Angebot angenommen. Eingereicht wurden unter anderem ein Ticket aus Moskau und eines aus Berlin.

Eine überschaubare Bilanz, aber es ist ein Angebot und ein Versuch. Der Limousinen-Service wurde zu fast 90 Prozent auf Elektro- und Hybridfahrzeuge umgestellt.

Aber Michel Muschler weiß auch, dass den Veranstaltern gerade hier auch Grenzen gesetzt sind. Neben den Fahrzeugen des Forums verstopfen 3.500 zusätzliche Limousinen die wenigen Straßen der Stadt in den Bergen.

Immer mehr Veranstaltungen und Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren zeitgleich in Davos eingebucht und neben den Preisen auch den CO2-Abdruck in die Höhe getrieben. Man könne Sparsamkeit anregen und mit gutem Beispiel vorangehen, sagt Muschler. Aber ihren Lebensstil könnten die Teilnehmer nur selbst verändern.

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