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Windkraft: Kahlschlag beim Klimaschutz

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Massive Jobverluste - Windkraft: Kahlschlag beim Klimaschutz

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Windräder "Made in Germany" gelten als Spitzentechnologie. Doch hierzulande werden immer weniger aufgestellt. Die Folge: Bis zu 40.000 Jobs gelten als verloren.

Archiv: Windräder in Niedersachsen am 23.10.2019
Die Windkraft-Branche hat noch vor wenigen Jahren geboomt - jetzt steckt sie in der Krise und tausende Jobs sind in Gefahr.
Quelle: dpa

Alan Bruce steht vor einer 400 Meter langen Halle in Bremerhaven. Über 300 Beschäftigte bauten hier einst Rotorblätter für klimafreundliche Windkraftwerke. Heute lagert in dem Gebäude die Konkursmasse der Senvion GmbH, die im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden musste. Alan Bruce war stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Er kann das Aus seiner Firma immer noch nicht fassen:

Hier hast du in einer jungen Industrie eine gute Sache gemacht, die uns letztendlich kaputt gemacht wurde.
Alan Bruce, früherer Mitarbeiter von Senvion GmbH

Tausende Jobs verloren

Bremerhaven hat die Krise der Windkraftindustrie besonders schwer getroffen. Vor wenigen Jahren gab es hier noch vier große Arbeitgeber in der Windkraftindustrie und mehrere Zulieferer. Von den viereinhalbtausend Jobs sind heute kaum noch welche mehr übrig.

Seit 2017 nimmt die Zahl neu aufgestellter Windräder rapide ab. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten jährlich Anlagen im Umfang von vier Gigawatt hinzugebaut werden. 2019 war es nur rund ein Gigawatt, 2020 wird es kaum mehr werden. Und nächstes Jahr wird sogar ein Minus erwartet: Dann gehen wahrscheinlich mehr Anlagen vom Netz als neue errichtet werden.

Der Zusammenbruch beim Windkraftausbau hat die einst boomende Branche schwer getroffen. Bis zu 40.000 Arbeitsplätze sind schon verschwunden oder drohen verloren zu gehen, geht aus Branchenschätzungen hervor.

Ohne mehr Windräder scheitert eine kostengünstige Energiewende in Deutschland. Warum stockt der Ausbau der klimafreundlichen Windkraft in Deutschland?

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Der Energiewende Steine in den Weg gelegt

Die Ursachen für die Krise der Windkraft in Deutschland sind immer längere Genehmigungsverfahren, Standortprobleme, Konflikte mit Naturschutz und Anwohnern. Die Union habe die Lösungen dieser Probleme jahrelang blockiert, kritisiert der SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff den Koalitionspartner:

Ich habe es in den Verhandlungen mit Menschen in der Union zu tun gehabt, die mir nicht gezeigt haben, dass sie die Energiewende wollen, sondern im Gegenteil der Energiewende Steine in den Weg gelegt haben.
Johann Saathoff, SPD-Bundestagsabgeordneter

Mittlerweile hat auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Versäumnisse in der Klimaschutzpolitik eingeräumt: "Ich gebe allerdings zu, dass wir in den letzten Jahren auch Fehler gemacht haben und zu spät gehandelt."

Nicht nur in Niedersachsen wehren sich viele Bürger gegen den Bau von Windparks. Wo steht Deutschland bei der Umsetzung der Windkraft-Ziele? Eine Bilanz.

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Nach der Sommerpause will Altmaier eine Novelle des Erneuerbaren Energie Gesetzes (EEG) vorlegen. Die Windkraftbranche hofft, dass damit Ausbauhemmnisse beseitigt werden. Doch für tausende Industriearbeitsplätze in der Windkraft kommt diese Novelle zu spät.

Energiewende soll Arbeitsplätze schaffen

Die Krise beim Ausbau der Windkraft sieht Stefan Körzell vom DGB Bundesvorstand mit Sorge. Denn vom Erfolg der Energiewende hängen noch weit mehr Arbeitsplätze in anderen Wirtschaftszweigen ab. Jetzt gehe es darum auch die großen Branchen wie Zement, Kalk und die Stahl- und chemische Industrie auf erneuerbare Energien umzustellen:

Aber wir erleben gerade dort, wo wir Strukturumbrüche hatten - oben an der Küste oder in der Lausitz -, dass dort die Arbeitsplätze bei den Erneuerbaren abgebaut werden. Und wir brauchen eine Trendumkehr. Da muss jetzt schnell gehandelt werden.
Stefan Körzell, DGB Bundesvorstand
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