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Wirecard-Untersuchungsausschuss - Bafin-Chef räumt Versäumnisse ein

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Hat das Verhalten der Bankenaufsicht Bafin dazu beigetragen, dass der Wirecard-Skandal erst so spät bekannt wurde? Im Untersuchungsausschuss gesteht der Bafin-Chef Fehler ein.

Archiv: Felix Hufeld, Präsident der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht), wartet auf den Beginn der Befragung als Zeuge im Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Bilanzskandal Wirecard.
Hätte der Wirecard-Skandal schneller auffliegen können? Bafin-Chef Hufeld im Untersuchungsausschuss. (Archiv)
Quelle: dpa

Der scheidende Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, hat Versäumnisse im Betrugsskandal um die Wirecard AG eingeräumt. Vor allem Mitarbeitergeschäfte mit Wirecard-Aktien hätten "mindestens stärker kontrolliert" werden müssen, sagte Hufeld am Freitagabend im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bundestages.

Der Handel mit einzelnen Börsentiteln sei ein Unding für Mitarbeiter der Behörde, auch wenn sie kein Insiderwissen hätten. Mittlerweile sei dies verboten, es sei aber lange keine Priorität gewesen.

Mit dem Wissen von heute bedauere ich das.
Bafin-Chef Felix Hufeld

Der Behörde wird vorgeworfen, den milliardenschweren Bilanzbetrug beim Finanzdienstleister Wirecard zu spät erkannt und in dem Fall weitgehend versagt zu haben.

Verbot von Leerverkäufen half Wirecard

Die geschasste Leiterin der Bafin-Wertpapieraufsicht Elisabeth Roegele verteidigte am Freitag das Vorgehen der Behörde. Die beispiellose Entscheidung im Februar 2019, Wetten auf Wirecard-Kursverluste zu verbieten, sei zum Schutz von Anlegern, vor allem Kleinanlegern, erlassen worden - nicht zum Schutz von Wirecard, das 2020 wegen eines Bilanzbetrugs kollabiert war.

Hufin sagte, dass die Bafin nach dem Verbot von Spekulationen auf fallende Aktienkurse, sogenannten Leerverkäufen, nicht deutlich genug gemacht, dass dies keine Parteinahme für Wirecard bedeute. Das sei zweifellos ein Versäumnis gewesen. Das Verbot sei für ihn vor dem Hintergrund der damals vorliegenden Informationen "beinahe zwingend" gewesen.

Der Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal hat Zwischenbilanz gezogen und spricht von Erfolg: Der Druck sei gestiegen, die Finanzaufsicht zu reformieren. Für einige hatte das schon Konsequenzen, andere müssen sich dem Ausschuss erst noch stellen.

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Bafin vermutete gezielten Angriff auf Wirecard

Auslöser für das Verbot waren Angaben der Staatsanwaltschaft zu einer bevorstehenden Leerverkaufs-Attacke und einer angeblichen Erpressung des Unternehmens. Er selbst und Bafin-Vize Roegele hätten den Eindruck gehabt, sie könnten "tatsächlich Gefahrenabwehr im echten Sinne" betreiben, sagte Hufeld.

Das mehr als ein Jahr vor dem Wirecard-Kollaps ausgesprochene Leerverkaufsverbot unterstrich bei vielen Anlegern den Eindruck, Berichte über Unregelmäßigkeiten bei Wirecard seien falsch und das Unternehmen lediglich Opfer einer Attacke.

Heftige Kritik im Untersuchungsausschuss

Hufeld hält die deutsche Finanzaufsicht trotz des Skandals für eine der besten der Welt. "Die Bafin wird weltweit - ohne jeden Zweifel - als eine der leistungsstärksten Aufsichtsbehörden angesehen", sagte der 59-Jährige. Der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach sagte, die jüngsten Befragungen im U-Ausschuss zeichneten ein erschütterndes Bild von der Bafin. Sie sei offenbar völlig überfordert gewesen.

Das ist nicht Aufsicht der Weltklasse, das ist unterste Kreisklasse.
CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach

Hufeld muss Ende des Monats seinen Posten als Bafin-Chef räumen.

Schriftzug von Wirecard. Symbolbild

U-Ausschuss zu Wirecard - Zwischenbilanz: "Kollektives Organversagen" 

Der U-Ausschuss zum Wirecard-Skandal zieht eine ernüchternde Zwischenbilanz. Sein Fazit: Falsches oder zu spätes Handeln von Aufsichtsbehörden und der Regierung.

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