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Der Wirecard-Skandal - worum es geht

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Hinweise auf Bilanztäuschung - Der Wirecard-Skandal - worum es geht

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Nach einem gigantischen Finanzskandal steht der Zahlungsanbieter Wirecard vor der Pleite. Worum es bei dem möglichen Betrugsfall geht - ein Überblick.

Vor kurzem noch der deutsche Star unter den Dax-Unternehmen, jetzt steht der Münchener Zahlungsdienstleister am Abgrund, und mit ihm knapp 6000 Mitarbeiter.

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Nach einem gigantischen Finanzskandal steht der Zahlungsanbieter Wirecard vor der Pleite. Angesichts eines 1,9 Milliarden Euro großen Lochs in der Bilanz meldete Wirecard Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung an. Es ist eine der größten Pleiten der Bundesrepublik, die das Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland erschüttert. Zudem ist Wirecard eines der Unternehmen, deren Dienste Verbraucher oft in Anspruch nehmen, ohne es zu wissen. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Konzern:

Zahlen und Fakten zu Wirecard:

Wirecard wurde während der Hochphase der New-Economy-Zeit 1999 gegründet und war anfangs auf die Abwicklung von Zahlungen von Porno- und Glückspiel-Internetseiten fokussiert. 2002 übernahm der nun zurückgetretene Firmenchef Markus Braun den Vorstandsvorsitz. Er baute das Geschäftsmodell um, besorgte eine Vollbanklizenz für die Wirecard Bank und brachte das Unternehmen schließlich im September 2018 in den Dax.

Weltweit arbeiten an 26 Standorten rund 5.800 Mitarbeiter für Wirecard. Zu den Kunden zählen unter anderem die niederländische Airline KLM, das O2-Mutterunternehmen Telefonica, Aldi, Ikea, WMF und Fedex .

Der Bilanzskandal des Dax-Unternehmen Wirecard wirft Fragen auf: Wie konnte dies unbemerkt geschehen? Haben die Wirtschaftsprüfer versagt? Börsenexperte Frank Bethmann berichtet.

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Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Wirecard?

Grob gesagt fungiert Wirecard als Bindeglied zwischen Händler und Kunde. Der Konzern mit Hauptsitz in Aschheim bei München steuert das bargeldlose Bezahlen via Smartphone oder Kreditkarte an Ladenkassen und Online-Shops und darf durch eine Kooperation mit Anbietern wie Visa und Mastercard Kreditkarten selbst herausgeben.

Zudem geht Wirecard für Händler ins Risiko, prüft bei Bestellvorgängen, ob der jeweilige Kunde vertrauenswürdig ist, nimmt den Kaufpreis entgegen und leitet ihn abzüglich einer Gebühr an den Händler weiter.

In Europa betreibt Wirecard für diese Geschäfte eine eigene Bank. In Ländern, in denen Wirecard keine eigenen Lizenzen hat, ist der Konzern auf Drittanbieter angewiesen. Um Geschäfte zwischen zwei Vertragspartnern abzusichern, deponiert Wirecard auf Treuhandkonten Geld.

Was ist passiert?

Genau diese Treuhandkonten stehen nun im Zentrum des Betrugsverdachts gegen Wirecard. Nachdem der Konzern die Abschlüsse der Jahre 2016 bis 2018 bereits einer Sonderprüfung durch das Prüfunternehmen KPMG unterzogen hatte, schauten sich die regulären Prüfer von Ernst & Young die 2019er Zahlen besonders gründlich an. Sie stellten fest, dass für 1,9 Milliarden Euro (ein Viertel der Bilanzsumme), die auf solchen Treuhandkonten sein sollten, keine oder gefälschte Bescheinigungen existierten.

Deswegen hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (Ernst & Young) auch den Jahresabschluss nicht testiert. EY vermutet Täuschungsabsicht. Wirecard fürchtet einen "gigantischen" Milliardenbetrug. Am Freitag trat Vorstandschef Markus Braun zurück, am Montag räumte Wirecard dann die Luftbuchungen ein.

Wirecard stand seit seiner Gründung immer wieder im Zentrum von Aktienspekulationen. Anfang 2019 berichtete die britische "Financial Times" wiederholt über vorgetäuschte Umsätze und gefälschte Verträge bei Wirecard in Singapur. Wirecard wies die Anschuldigungen stets als verleumderisch zurück.

Wie geht es nun weiter mit dem Dax-Konzern?

Es ist das erste Mal in der mehr als 30-jährigen Geschichte des Leitindex Dax, dass ein Dax-Mitglied kollabiert. Wenn am 3. September die Börsenindizes regulär überprüft werden, fällt der abgestürzte Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München wegen seiner Insolvenz, aber auch wegen des eingebrochenen Börsenwertes wohl aus dem Dax.

Wegen des Bilanzskandals kam es an der Frankfurter Börse zu Panikverkäufen: Die Wirecard-Aktien hatten innerhalb der vergangenen sieben Tage bereits neunzig Prozent ihres Wertes verloren, nach der Insolvenzmitteilung rauschten die Papiere auf knapp 4 Euro in die Tiefe. Am Donnerstag war Wirecard an der Börse nur noch rund 350 Millionen Euro wert - beim Aufstieg vor knapp zwei Jahren waren es fast 25 Milliarden.

Warum steht die Finanzaufsicht BaFin in der Kritik?

Die Finanzaufsicht BaFin, die erst spät gegen Wirecard vorgegangen ist, steht massiv in der Kritik. Das Bundesfinanzministerium will die Kompetenzen der Finanzaufsicht BaFin auf den Prüfstand stellen. BaFin-Chef Felix Hufeld muss den Abgeordneten im Bundestag-Finanzausschuss kommende Woche Rede und Antwort dazu stehen. Er hat bereits Fehler eingeräumt. Was mit Wirecard passiere, sei ein "Desaster".

Wirecard-Logo

Wirecard meldet Insolvenz an -
Ein Scherbenhaufen für die Anleger
 

In Folge des milliardenschweren Bilanzskandals beschließt der Vorstand von Wirecard, Insolvenz anzumelden. Es ist ein historischer Absturz eines Überfliegers an der Börse.

von Mischa Ehrhardt
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